Hier seht ihr, was passiert, wenn Menschen in +3000-PS-Bötchen Rennen fahren

Der Lycoming T-55 L-7 ist ein sehr starker und lauter Motor. In der Regel findet man zwei davon auf dem Dach sehr großer, schwerer und olivefarbener Chinook-Hubschrauber. Sie leisten jeweils gut 3000 PS und haben deshalb genug Verve, um eine Horde Soldaten mitsamt dem nötigen Kriegsgerät in die Lüfte und von dort aus in alle möglichen Gefechtsplätze zu hieven.

Manchmal allerdings verlaufen sich diese Motoren ganz fürchterlich und plötzlich finden sie sich an komplett anderen Arbeitsplätzen wieder. Seht ihr, wir kümmerlichen Erdlinge haben bekanntermaßen eine Schwäche dafür, viel zu starke Maschinen in Dinge zu stecken, die viel zu klein und leicht dafür sind. Es ist das Einmaleins des Hot-Roddings. Egal ob dieser irre V8-Mazda-MX-5, ein Renault Clio V6 oder der Ariel Atom V8 – großer Motor plus kleine Hülle bedeutet in der Welt der Autos immer etwas sehr sehr Gutes.

Wie es scheint, lässt sich das auch eins zu eins auf die Welt der Boote übertragen. Nur deutlich verrückter, irgendwie. Hier befestigen sie vergleichsweise gewaltige Motoren – wie den Lycoming T-55 L-7 – auf vergleichsweise winzige Boote. Sehr sehr schnelle und sehr sehr gefährliche Boote.

Der Kenner sieht sofort: Es handelt sich um die sogenannte H1- Unlimited-Klasse. Hier tummeln sich die schnellsten Strecken-Rennboote der Welt. Es ist die Formel 1 für Boote, nur gefährlicher und deutlich nasser.

Normalerweise bewegen diese Motoren 22.600 Kilo, hier schnallt man sie auf extrem ausgeklügelte Verbundfaser-Schiffchen, die keine drei Tonnen wiegen und in der Lage sind mit über 320 km/h übers Wasser zu fliegen. Und das nicht nur einzeln. Ganz viele von den Dingern. Sie fahren Rennen. Gleichzeitig.

Die Kapitäne dieser Highspeed-Nußschalen kleiden sich wie Kampfpiloten. Die Monstren klingen schon im Leerlauf wie ein schlecht gelaunter Hochofen. Ein kleiner Zupfer am Gas erzeugt jede Menge Lärm und Feuer. Dann mehr Lärm, mehr Feuer und sehr sehr viel Druck. All das führt beängstigend schnell zu fürchterlich absurden Geschwindigkeiten.

Das Problem dabei ist nur: Wasser kann durchaus mal unruhig werden. Und wenn ein Boot mit 320 Sachen auf eine Welle trifft, kann es sich ziemlich schnell in ein Flugzeug verwandeln. Es hebt also ab. Dann fliegt es ein bisschen in der Gegend herum und landet – hoffentlich in einem Stück – wieder auf dem Wasser.

Eine durch und durch bescheuerte Art des Motorsports. Es spricht also nichts dagegen, das Ganze absolut großartig zu finden ...

Autor: TopGear/Stefan Wagner

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