Ist das der M, auf den wir so lange gewartet haben? Aber sowas von! Wir gehen steil (und ziemlich quer) in Münchens neuem Baby-Biest

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Ooooh Ja!

Gut erkannt. Endlich ist er da, der neue BMW M2. 370 PS pure und ungefilterte M-heit, die Mercedes-AMG A 45, Audi RS 3 und Co. gehörig den Marsch blasen soll.

Wie?

Naja, übers Handling eben. Und wie dich das Auto fesselt. Es ist schlichtweg grandios. So viel verbindlicher als die Konkurrenz aus Stuttgart und Ingolstadt. Und irgendwie sogar einnehmender als die eigene Verwandschaft (M3/M4).

Du musst nicht fahren wie ein geisteskranker Hooligan, um zu spüren, was der M2 so vor hat. Er spricht mit dir. Die ganze Zeit.

 Und wenn ich ihn ordentlich treten will?

Ähm … er wird sicher nicht schlechter, wenn du ihn schneller fährst. Eher das Gegenteil ist der Fall. Man merkt es schon am Gefühl in der Lenkung und an der ultraspitzen Vorderachse. Der M2 nimmt dich sofort ein. Komplett. Der Grip geht ihm so schnell nicht aus, aber im Vergleich zum M3/M4 weißt du deutlich besser, wieviel davon noch übrig ist.

Die Vorderachse des kleinen M reißt dich förmlich in die Kurve, aber du spürst sofort ein tiefes Urvertrauen. Und weil er dir so schnell Gewissheit schenkt, kannst du schon nach kurzer Zeit (und mit einem schelmischen Grinsen in der Visage) anfangen, mit dem Gas zu spielen und dem dicken Hintern ein wenig Auslauf gönnen.

Nicht falsch verstehen: Es ist absolut verblüffend, wie gelassen die 265er-Hinterräder den gewaltigen Drehmomentüberfall wegstecken, sprich: Traktion ist massiv vorhanden. Und trotzdem entdeckst du dich ständig dabei, wie du mit dem Heckabteil Kurve für Kurve noch ein bisschen mehr Blödsinn anstellst. Die M2-Reaktionen sind sehr progressiv und was er dir miteilt, verstehst du in der Regel ausgesprochen gut. Das hilft enorm. Ein ziemlich harter Hund ist er allerdings schon.

Das heißt, wenn die Straßen schlechter werden, verliert er die Contenance?

Nein, ganz und gar nicht. Schlechte Straßen, Bodenwellen oder gemeine Senken stören ihn nicht im Geringsten. Ich meine, ein Teil unserer Testfahrt war in Laguna Seca und dort gibt es die wohl haarsträubendste Senke von allen (Corkscrew? Schon mal gehört?). Aber der M2 bleibt völlig unbeeindruckt. Sogar auf der Bremse. Die Chassis-Balance, seine Körperbeherrschung und dieses Gefühl von „Wir schaffen das schon“ sind absolut beeindruckend. Ich gebe zu, auf der Straße federt er schon relativ trocken, aber es ist definitiv nichts, womit man nicht leben kann.

Okay, wie haben sie das hinbekommen?

Die Achsen, die Felgen, die Lenkung und die vollvariable, elektronische Lamellensperre (für die Nerds: von komplett offen zu 100 Prozent gesperrt in 150 Millisekunden) kommen vom M3/M4. Und weil er sich so fleißig am Kleiderschrank des großen Bruders bedient hat, ist er plötzlich auch so irrwitzig breit. Irgendwie sieht er aus, als würde unter seinem Blech ein großer Haufen sehr kräftiger Menschen permanent den Bizeps anspannen. Vielleicht tankt er statt Super Plus auch Proteinshakes ...

Vorne wächst die Spur um 58 Millimeter, hinten um 45. Insgesamt ist er vorne um 55 Millimeter auseinandergegangen, an den hinteren Kotflügeln hat er sogar 80 Millimeter mehr Fleisch. Aber weil der Radstand kürzer ist und es keine adaptiven Dämpfer gibt, wurde so gut wie alles angepasst: Federn, Dämpfer, Buchsen, Reifen, Geometrie, die Programmierung von Diff und ESP …

Für sich genommen ist jede der Änderungen relativ subtil, im Verbund ist das Ergebnis aber ziemlich substanziell und reichlich wundervoll.

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Und der Motor? Ein echter M?

Nun ja, so ziemlich. Als Kraftquelle dient eine umfassend optimierte Variante des bekannten N55-3,0-Liter-Reihensechszylinder-Turbos aus M235i und Co. Über ein grandios kurz klickendes, manuelles Sechsganggetriebe mit Zwischengas-Funktion (danke, BMW!) gelangt die Kraft ausschließlich an die schönere der beiden Achsen (und ja, damit meine ich die Hinterachse). Wer recht üppige 3900 Euro über hat, kann sich auch eine Siebengang-Doppelkupplung gönnen. Letztere muss hauptberuflich irgendwas mit Gedankenübertragung machen und sie verheddert sich auch nicht, wenn man vor der Kurve mal drei Gänge zurückschaltet.

Der Motor selbst hat sich ins Teileregal des S55-Biturbo-Motors aus M3/M4 geschlichen und sich an Kolben, Kurbelwellen-Hauptlagerschalen und Zündkerzen bedient. Die Ölversorgung raucht dank modifizierter Ölwanne und einem Zusatz-Ölkühler fürs optionale Doppelkupplungsgetriebe auch bei ambitionierteren Rennbahn-Auftritten nicht gleich ab. Dazu gibt es einen Extra-Wasserkühler, eine neue Klappen-Abgasanlage sowie ein aggressiveres Mapping für die Motorsteuerung.

Das Ergebnis sind 370 PS bei 6.500 U/min und 465 Newtonmeter zwischen 1.400 und 5.500 U/min (500 Newtonmeter im Overboost). Den Verbrauch des M2 gibt BMW mit 8,5 Liter an. Mit Doppelkupplung sind es 7,9 Liter. Die Wahrheit – zumindest die halbe – spricht aber der Bordcomputer und der war nach einer normal gefahrenen 150-Kilometer-Schleife mit gut 9,5 Liter überraschend gnädig.

Und, wie macht er sich?

Gut. Sehr gut sogar. Gleichmäßig und wuchtig und trotzdem richtig gierig. Man würde sich nur hin und wieder wünschen, dass nicht bei 7000 Touren schon Schluss ist. Auf der anderen Seite zeigt das nur, wie gern diese Maschine auch obenraus noch Alarm macht.

Der M2 haut einem den Beschleunigungs-Vorschlaghammer nicht gar so humorlos auf die Rübe wie der Mercedes-AMG A 45 oder der Audi RS 3, aber er macht mehr aus seinem Drehzahlband und wirkt in keinster Weise langsamer. Um ehrlich zu sein: Er wirkt zu jeder Zeit angsteinflößend, ja fast schon irrwitzig schnell. Eher 420 als 370 PS schnell. Und das, obwohl er mit 1520 bis 1595 Kilo (je nach Getriebe) ein ganz schön properer Brocken geworden ist. 0-100 km/h passieren handgeschaltet in 4,5 Sekunden, mit DKG sind es 4,3 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 250 km/h, gegen Aufpreis sind 270 Sachen drin.

Nur der Klang könnte sich ein wenig mehr um die kleinen Härchen auf dem Arm kümmern. Im Vergleich zum M3/M4 ist er Gott sei Dank Synthesizer-frei und er klingt durchaus ehrlich und mechanisch, aber mit Ausnahme gelegentlicher Spratzer und Schießer ist er eher laut als wirklich herzerwärmend schön.

Sonst noch irgendwas?

Ja, bei der Bremse stört ein wenig der extrem frühe und fast schon aggressive Druckpunkt, diverse harte Rennrunden schienen ihr jedoch (zumindest mit Rennbelägen) nicht das Geringste anhaben zu können.

Und nur, weil es halt immer dazugehört: Der M2 schafft die Nordschleife offiziell in 7:58 Minuten. Hinter vorgehaltener Hand sagte man mir: "Das ist die ständig reproduzierbare Zeit, eine 7:52 Minuten war schon auch mal dabei". Damit wäre er schneller als Renault Mégane Trophy-R und Seat Leon Cupra. Gut, dass wir auch das geklärt haben. Liebe M-Freaks, ihr dürft das schwarz-blau-rote Käppi jetzt gerne wieder aufsetzen.

Und der Alltag?

Alles gut. Der M2 ist in keinster Weise brutal oder hinterhältig. Er wirkt geschliffen, astrein zusammengebaut und er ist schon ab Werk ziemlich gut ausgestattet.

Die Sitze sehen unspektakulär aus, tun aber genau, was sie sollen. Die einzige Extravaganz kommt in Form von Zierleisten in offenporigem Carbon, das ein bisschen den Eindruck erweckt, als hätte BMW ein paar Gartenmöbel aus Rattan zerschnitten.

Du liebst ihn, stimmts?

Ich dachte, das hätten wir schon geklärt.

Er hat die Geschwindigkeit von Mercedes-AMG A 45 und Audi RS 3, wirkt aber vielschichtiger und deutlich amüsanter. Er ist bei Bedarf ähnlich lustig drauf wie der Focus RS, wirkt aber durchtrainierter und mehr auf den Punkt. Ganz so knochig und pur wie der Cayman ist er wohl nicht, dafür kann er zur Not zwei (kleine oder sehr biegsame) Menschen mehr mitnehmen und hat einen Kofferraum.

Ich wüsste nicht, wie man 56.700 Euro derzeit besser anlegen könnte.

 

Autor: Stefan Wagner

 

Technische Daten BMW M2: 2979 ccm, 6-Zylinder-Turbo, Frontmotor, Heckantrieb, 370 PS, 500 Newtonmeter, 0-100 km/h in 4,5 Sekunden, 270 km/h Höchstgeschwindigkeit, 1520 Kilo, 8,5 Liter/100 km, 199 g/km CO2, 56.700 Euro 

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