„Er verändert alles.“ TopGear rückt dem neuen Focus RS auf den Pelz

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Was haben wir denn hier?

Netter Versuch. Wenn ihr die letzten zwölf Monate nicht unter einem Berg gelebt habt, wisst ihr ganz genau, was wir hier haben. Der Hype um den neuen Focus RS war grenzwertig hysterisch. Zahlreiche Videos zeigten Ken Block in maximaler Querness auf diversen Teststrecken und Fords PR-Abteilung hob die Salami-Taktik auf ein neues Level. Sprich: Der Appetit auf dieses Auto ist groooß.

Und jetzt nochmal für alle Höhlenbewohner da draußen: Das hier ist der jüngste Spross der ruhmreichen RS-Modellfamilie – einer seltenen Gattung von Fahrzeugen, die geboren wurden, um normale Menschen mit einem einen riesigen Haufen Performance zu versorgen. 350 PS (aus einer freier atmenden Version der Mustang-EcoBoost-Maschine) zusammengespannt mit einem fürchterlich schlauen Torque-Vectoring-Allradsystem klingen gut? Und das Ganze zum Preis von extra schmalen 40.000 Euro? Jap, finden wir auch …

Schnapper des Monats. Und jetzt mehr zur Technik bitte.

Der alte Fünfender-Turbo ist Geschichte. Ersatz kommt in Form eines 2,3-Liter-Vierzylinder-Turbos mit 350 PS und 440 Newtonmeter. Die einzige Getriebe-Option ist eine manuelle Sechsgang-Schaltung, welche uns höchst erfreut. Außerdem gibt es eine Launch Control, adaptive Dämpfer und viele Modi für den persönlichen Spieltrieb.

„Normal“ macht das, was auf der Packung steht, während „Sport“ die Gasannahme schärft, der Lenkung mehr Gewicht verleiht und die Auspuffklappen öffnet – für anständige Detonationen, wann immer ihr das Gas lupft. „Track“ macht alles, was „Sport“ macht, strafft aber zusätzlich die Dämpfer um 40 Prozent, frisiert das Allradsystem und entspannt das ESP, um eure Rundenzeiten zu verbessern. Ja und dann gibt es noch „Drift“. Sowas wie „Drift“ gab es noch nie in einem Kompaktsportler. Sowas wie „Drift“ hat das Potenzial, uns alle zu Helden zu machen.

Also kann sogar ich driften wie Herr Block?

Jap, vorausgesetzt es gibt genügend Platz und dein rechter Fuß hat die richtige Einstellung. Der Grund für all das ist ein ziemlich revolutionäres Allradsystem, das eine Firma namens GKN entwickelt hat. Es besteht aus zwei elektronisch gesteuerten Kupplungen, die sich links und rechts von einer sogenannten Rear Drive Unit befinden und den Drehmomentfluss managen. Bis zu 70 Prozent der Kraft gelangen dabei nach hinten. Das, was hinten ankommt, kann wiederum um bis zu 100 Prozent auf eines der beiden Hinterräder gepumpt werden. Zum Vergleich: Das Haldex-System des Golf R kann maximal 50 Prozent des Drehmoments nach hinten wandern lassen und die Verteilung erfolgt über das Abbremsen der kurveninneren Räder.

Im ominösen Drift-Modus zwingt die Elektronik alles, was geht, Richtung Heck. Allerdings nimmt sie auch etwas Härte aus den Dämpfern, um mehr Bewegung zuzulassen. Damit öffnet sie die Tür zu enorm unterhaltsamen und irre gut kontrollierbaren Power-Oversteer-Einlagen. Das System ist auch ständig dabei, euch zu überwachen. Wenn es also feststellt, dass die Rotationsgeschwindigkeit hinten nicht so ganz mit eurem Lenkeinschlag zusammenpasst, greift das ESP ein. Wenn ihr zufriedenstellend eingelenkt habt, lässt es die Driftwinkel anschwellen wie verrückt. Alternativ könnt ihr aber auch einfach alles ausschalten, einmal tief durchatmen und die Beurteilung der Situation euren Augen und Füßen überlassen.

Wenn ich ehrlich bin: Das ganze Ding grenzt an Zauberei. Es ist eine Sensation, weil: Anders als bei leistungsstarken Hecktrieblern – wo der Hintern in der Regel ein Faible dafür hat, die eigene Nase zu überholen – sind die Vorderreifen des RS nicht hauptsächlich ein statischer Rotationspunkt. Viel mehr nutzen sie die restlichen 30 Prozent Drehmoment, um die Dinge am Laufen zu halten beziehungsweise, weiter nach vorne zu pushen. Sprich: Du hängst den Arsch weit raus, schiebst trotzdem richtig gut nach vorne und all das ohne Angst und Schrecken.

Ich hinterlasse also grundsätzlich gigantöse Mengen an Rauch?

Aber nicht doch. In „Sport“ oder „Track“ gibt sich der neue Focus RS deutlich neutraler und macht ziemlich viel aus seiner Traktion. Man fühlt richtig, wie das kurvenäußere Hinterrad sein Drehmomentpäckchen zugestellt bekommt und einen durch die Kurve drückt, während kleine Bremseingriffe innen die Vorderachse richtiggehend festzurren. Ein bisschen Rekalibrierung des eigenen Hirns ist sicher nicht die schlechteste Idee, weil der RS sich einfach so deutlich von anderen Kompaktsportlern unterscheidet. Wo man beim herkömmlichen Hot Hatch lupfen oder in die Kurve reinbremsen muss, um Untersteuern zu minimieren, schärft der Focus RS die Linie mit zunehmendem Gas-Input.

Naja, und wenn man gerade mal nicht im metallischen Trällern der Maschine schwelgt (während sie Richtung 6800er-Drehzahllimit rotiert) oder sich auf den Biss und das feine Gefühl der Bremse verlässt, nimmt sich der RS in beeindruckender Manier zurück und verwandelt sich in einen der unzähligen Flotten-Focusse, die unsere Straßen tagtäglich auf dem Weg zur Arbeit oder dem Supermarkt übersähen. Na gut, vielleicht nicht unbedingt im Track-Modus, den man am besten nur auf dem … ähm … Track aktiviert (weil die Dämpfer hier doch einen mehr als deutlichen Sprung in Richtung Knochenbrecher machen), aber sollte es nicht genauso sein? Zwei Charaktere, je nachdem welche Straße gerade vor einem liegt …

Wunderbar. Jetzt erzähl mir noch, wie schnell der Vogel ist.

Schnell. Richtig schnell, um genau zu sein. Wenn auch nicht ganz so abartig absurd wie ein Mercedes-AMG A 45 oder der Audi RS 3. Ford gibt den Sprint von 0-100 km/h mit 4,7 Sekunden an. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 266 km/h. Klingt mehr als ausreichend, geradeaus wirkt der RS in der Realität aber nicht unbedingt schneller als ein Honda Civic Type R. Trotz 40 PS mehr und Allrad-Vorteil. Wo der Civic allerdings von seinem Drehmoment hinterrücks überfallen wird, gibt der Focus RS seine 440 Newtonmeter (470 Newtonmeter für 15 Sekunden im Overboost) früher, gleichmäßiger und länger ab. Das einzige, was den Ansturm unterbricht: Es bedarf eines menschlichen Fußes und einer menschlichen Hand, um die Gänge zu wechseln.

Aber anders würden wir es auch gar nicht haben wollen. Keinen Deut. Eine Doppelkupplung würde den RS zwar schneller machen, aber eine Handschaltung ist einfach so viel fesselnder (die Ingenieure sahen übrigens das ganz genauso). Ähnliches gilt für die Bewegung im Auto. Es gibt ein bisschen mehr davon als zum Beispiel im A 45 oder im Civic Type R, aber es hilft, die Lenkung und auch den ganzen Rest vom Auto besser zu spüren und es macht das ganze Fahrerlebnis so viel lebendiger.

Klingt, als wäre der neue RS ziemlich perfekt?

Nicht ganz. Es gibt ein paar Kritikpunkte. Unser Testwagen kam mit den optionalen, nicht höhenverstellbaren Recaro-Schalen und sie fühlen sich einfach ein wenig zu hoch an. Man sitzt also eher im 1. Stock als schön weit unten im Maschinenraum. Aber Ford meinte, sie arbeiten bereits an einer Lösung, also warten wir ab, was da noch so kommt.

Naja und dann ist da noch das Interieur an sich: Die Sitze sehen großartig aus und haben ihre Polster an genau den richtigen Stellen. Auch die Zusatzinstrumente sind ein nettes Gimmick. Aber darüber hinaus ist das Cockpit für unseren Geschmack einfach ein bisschen zu standard. Das gleiche gilt fürs Exterieur: Die Front, der Flügel und der ganze Diffusor-Auspuff-Teil sind echt gut gemacht, aber was bitte ist mit den ganzen Lufteinlässen und Kotflügelverbreiterungen passiert? Die Strategie ist klar. Er soll mehr Menschen ansprechen (schließlich ist er ein globales Auto). Aber ein bisschen McDonalds-Parkplatz-Charme hätte man ihm schon lassen können …

Und damit ist es auch wieder gut. Denn nach ein paar Minuten Spielerei mit den lachhaft simpel zu erreichenden Limits des RS (und der Tatsache, dass man ihn die ganze Zeit fahren will, wie ein Hooligan), sind alle Probleme vergessen. Man ist einfach nur baff, wie er alles kann, was seine (meist wesentlich teureren) Konkurrenten auch können, und wie er dann einfach eine komplett neue Dimension hinzufügt. Dieses Auto verändert alles. Und ja, es ist wirklich so gut.

Autor: TopGear

Technische Daten Ford Focus RS: 2261 ccm, 4-Zylinder-Turbo, Frontmotor, Allradantrieb, 350 PS, 440 Newtonmeter, 0-100 km/h in 4,7 Sekunden, 266 km/h Höchstgeschwindigkeit, 1530 Kilo, 7,7 Liter/100 km, 175 g/km CO2, 40.000 Euro 

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