Killt der Vierzylinder den offenen Stang?

  • for_mus_15_ca_test_01
  • for_mus_15_ca_test_02
  • for_mus_15_ca_test_03
  • for_mus_15_ca_test_04
  • for_mus_15_ca_test_05
  • for_mus_15_ca_test_06
  • for_mus_15_ca_test_07
  • for_mus_15_ca_test_08
  • for_mus_15_ca_test_09
  • for_mus_15_ca_test_10
  • for_mus_15_ca_test_11
  • for_mus_15_ca_test_12
  • for_mus_15_ca_test_13
  • for_mus_15_ca_test_14
  • for_mus_15_ca_test_15
  • for_mus_15_ca_test_16
  • for_mus_15_ca_test_17
  • for_mus_15_ca_test_18
  • for_mus_15_ca_test_19

Was ist das?

Der neue Ford Mustang. Offen. Mit vier Zylindern.

Warum?

Wir vermuten mal, es geht um Dinge, die den herkömmlichen Mustang-Fahrer nicht mal ansatzweise interessieren – Spritverbrauch, CO2-Werte und andere seltsame Dinge, die den Untergang unseres Planeten etwas weiter nach hinten verschieben.

Am Einstiegspreis kann es nur teilweise liegen, denn der V8-Aufschlag ist mit 5000 Euro noch relativ moderat. Dennoch glaubt Ford, dass sich hierzulande zwischen 40 und 50 Prozent der Kunden für die aufgeladene Version entscheiden.

Ich habe Zweifel.

Wir auch. Ganz ehrlich: Wir sind noch immer äußerst wuschig, wenn der neue Mustang zur Sprache kommt. Unkomplizierte, Hinterreifen panierende, V8-durchtränkte US-Glorie zum Preis eines Golf TDI mit Ausstattung ist ziemlich genau das, was den herkömmlichen TopGear-Vogel glücklich macht.

Nun tauchte mir nichts, dir nichts diese offene Schönheit vor unserem dunklen Redaktions-Verließ auf. Wir hatten zwar davon gehört, dass man den neuen Mustang auch als Vierzylinder bekommt, hielten es aber für einen dieser amerikanischen Witze, die wir nicht verstehen.

Nach eingehender Prüfung stellten wir fest: Es ist ein Mustang und er hat nur vier Zylinder. Die große Frage ist: Funktioniert die Kautabak-Ausgabe eines Sportwagens (ein überraschend talentierter Kautabak übrigens) auch mit der Hälfte der vorgesehenen Töpfe und ohne Dach?

Und?

Das mit dem Dach können wir relativ schnell abhaken: der Stang wurde von Grund auf als Cabrio entwickelt und wiegt nur 60 Kilo mehr als das Coupé. Außerdem ist es schön, offen zu fahren, weil man die vielen Leute besser hört, die einem vom Gehsteig aus zujubeln.

Beim Motor gestaltet sich die Sache dagegen schwieriger. Warum? Weil jetzt kein vor Lust berstender, flatterhaft durch die Gegend brüllender V8 mehr da ist, der die ein oder andere Schwäche der wuchtigen Legende in herzerwärmenden Rauch auflöst.

Aber der EcoBoost-Vierzylinder steckt doch auch im neuen Focus RS und da geht er wie die Sau …

Moooment. Für den RS wurde die 2,3-Liter-Maschine ziemlich fest durch den Performance-Wolf gedreht. Im Mustang müsst ihr ohne Cosworth-Zylinderkopf, optimierten Turbo und durchsatzfreudigere Auspuffanlage auskommen. Trotzdem stehen noch immer sehr anständig klingende 317 PS und 432 Newtonmeter auf dem Zettel (beim Focus RS sind es 350 PS und bis zu 470 Newtonmeter). Im Cabrio reicht das für 5,9 Sekunden auf 100 km/h und 234 km/h Spitze.

Und, kommt er gut aus dem Bett?

Ähm … naja … geht so. Ich will es mal positiv ausdrücken: Im mittleren Drehzahlbereich schiebt der EcoBoost die immerhin 1715 Kilo an uramerikanischem Sport-Bacon mit beeindruckender Macht nach vorne. Im Drehzahlkeller ist aber ziemlich lang Flaute und obenraus wird die Luft recht schnell dünn. Die Öffnungszeiten im EcoBoost-Supermarkt sind also relativ überschaubar. Aber das Sechsgang-Getriebe ist genauso knackig, exakt und wundervoll wie im V8.

Ihr mögt ihn nicht ...

Wir mögen ihn schon. Der neue Mustang fährt auch mit vier Töpfen deutlich besser als der alte. Er gript gut, beißt sich schön in die Kurve und er hat das komplette Menü an völlig absurden Driftwinkeln auf der Karte. Dafür muss man das ESP meist nicht mal komplett ausmachen, denn schon der Track-Modus hat im Stang einen mittelgroßen Teufel auf der Schulter sitzen.

Auf der anderen Seite wirkt das Auto doch ziemlich ausladend und teils auch recht schwerfällig. Und weil der EcoBoost-Turbo nicht so brutal anspricht und obenraus nicht so richtig will, merkt man davon auch mehr.

Der Kampfgeist des achtzylindrigen GT fehlt hier einfach. Außerdem klingt das, was da durch den Soundsymposer läuft, künstlicher als ein Atari-Rennspiel von 1986.

Das heißt, mit dem V8 bin ich besser dran.

Wenn es nach uns geht, dann schon. Letztlich ist der EcoBoost-Stang ein drehmomentstarker, wuchtiger und eher gelassener Cruiser, der wenig aufregende Geräusche macht. Ein gutes Auto, dem es ein wenig an Emotion fehlt. Bei einem Auto, das komplett auf Emotion setzt, ist das nicht unbedingt optimal.

Der V8 ist nich so viel teurer, verwandelt das Auto aber komplett. Ihr fahrt ihn mit 13 bis 15 Liter, unser Testverbrauch mit dem Vierzylinder lag bei 10,8.

Unsere Meinung zum Vierzylinder-Achtzylinder-Dilemma kennt ihr jetzt. Uns würde wirklich interessieren, wie eure ausfällt.

 

Autor: Stefan Wagner

Daten Ford Mustang Cabrio EcoBoost:  2300 ccm, R4-Turbo, Frontmotor, Heckantrieb, 317 PS, 432 Newtonmeter, 0-100 km/h in 5,9 Sekunden, 234 km/h Höchstgeschwindigkeit, 1715 Kilo, 8,2 Liter/100 km, 184 g/km CO2, 41.000 Euro

Top News

Folgt uns:

Zum Seitenanfang