Dieser Affalterbacher Zweitürer möchte dem BMW M4 den Scheitel gerade ziehen. Könnte klappen ...

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Was ist hier so unendlich breit?

Das ist das neue Mercedes-AMG C 63 S Coupé. Es ist in der Tat außerordentlich breit (dazu gleich mehr). Ganz nebenbei fungiert es als neuer natürlicher Feind des BMW M4. Allerdings mit 510 PS, sprich: Die Friteuse für die Hinterreifen ist noch ein bisschen heißer. Das hier ist „German Muscle“ in Reinkultur.

510 PS sind sehr sehr viele PS …

Äh … ja. Aber Ihr seid in der Regel ja bestens informiert und kennt das 4,0-Liter-Biturbo-V8-Monstrum mit dem vielbeschworenen „heißen Innen-V“ bereits aus C 63 Limousine und Kombi. Trockensumpfgeschmiert bringt der Affalterbacher Achtzylinder auch die Ohren und Hintern eines jeden AMG-GT-Piloten zum Wackeln.

Hier wie da hat er erkennbar dickere Testikel als der 431 PS starke Biturbo-R6 des M4.

Wie dick, ist auch beim neuen C 63 Coupé eure Entscheidung. Wie bei Limo und T-Modell habt ihr die Wahl zwischen 476 PS und 650 Newtonmeter oder 510 PS und 700 Newtonmeter.

Ich will den Stärkeren …

Das ist in gewisser Weise verständlich. Allerdings kostet er 8271 Euro mehr. Insgesamt will Mercedes-AMG etwas unromantische 86.097 Euro für sein C 63 S Coupé auf den Tresen gelegt bekommen. Dafür gibt es neben der Mehrleistung immerhin größere Räder und Bremsen, ein elektronisches Sperrdiff, dynamische Motorlager et cetera. Der BMW M4 kostet mit einem Einstandspreis von 72.500 Euro übrigens eklatante 13.597 Euro weniger. Dafür hat das C Coupé zwei Zylinder mehr sowie einen weiteren eminent wichtigen Stammtisch-Bonus: Seine 0-100-km/h-Zeit befindet sich auf der richtigen Seite von vier Sekunden …

Der Apparat hier geht in unter Vier auf 100?

Ich bin mir sicher, diverse Achsen, Träger, Gelenke, das Diff und die Michelin Super Sports werden euch für jeden einzelnen Versuch richtig hassen, aber ja, so steht es im Prospekt.

Der C 63 radiert in glatten 4,0 Sekunden auf 100 km/h, der C 63 S ist exakt eine Zehntel schneller. In Worten: Drei Komma Neun. Ohne Allrad, versteht sich. Allerdings braucht der M4 – zumindest mit Doppelkupplungsgetriebe – auch nur 4,1 Sekunden.

Was ist da los?

Naja, der M4 ist relativ leicht, das C 63 Coupé nicht so. AMG hat einen ungewöhnlich großen Aufwand betrieben, um den Zweitürer vom Viertürer zu differenzieren und ihn Track-tauglicher zu machen. Okay, ich gebe zu, „schwerer“ und “Track-tauglicher“ klingt auf den ersten Blick nicht ganz so schlüssig (auf den zweiten eigentlich auch nicht), aber hier ging es vor allem um mehr Steifigkeit und Traktion.

Das AMG-Coupé hat im Prinzip eine komplett neue und deutlich breitere Hinterachse an Bord. Alles, was diese Hinterachse so an Karosserie umgibt, ist zudem erheblich verstärkt worden. Das Coupé ist also steifer und daher auch mitteilungsfreudiger als Limousine und Kombi. Außerdem gibt es mehr Spur und breitere 285er-Reifen, was nicht unbedingt schadet, wenn 700 Newtonmetern in all ihrer barbarischen Mächtigkeit über die Hinterachse herfallen.

Aber driften ist schon noch drin, oder?

Freunde der Sonne … ihr immer mit eurer Drifterei …

Natürlich driftet das C 63 S Coupé. Es hat über 500 PS, Heckantrieb und falls ihr es noch nicht bemerkt habt: Überall steht AMG drauf.

Ich durfte mich auf dem wunderbaren Rund des Ascari Race Resort mit den „traktionellen“ Eigenschaften des Autos vertraut machen. Solange man den Amüsement-Schalter in den zivileren Modi lässt, ist der C spürbar um Contenance bemüht. Ein bisschen Untersteuern, wenn man zu schnell in die Kurve hineinrauscht und relativ viel elektronischer Schwitzkasten, wenn man zu früh wieder raus will.

Im Race-Modus lässt sich der 63er aber schon extrem gierig und ziemlich seitwärts um die Ecke schubsen. Das ESP erlaubt wirklich ein gutes Maß an Schlupf, bis es das Ende deines Talents erkennt und dich vor Einschlägen in Bäume, Mauern oder Bernd Schneider (dem ich in Ascari hinterherfuhr, beziehungsweise: es so gut es ging versuchte) bewahrt.

Naja, und die Wirkung von „ESP Off“ brauche ich euch wohl nicht wirklich extra zu erläutern: Heldenhaft quere/ziemlich absurde Winkel erfassen dich und dein Heck, sobald dein rechter Fuß das Pedal nur anhaucht.

Das war zu erwarten. Geht nur „Rauch“ oder auch „Schnell“?

Ha! Siehste … das ist nämlich der Punkt beim Coupé. Mehr Steifigkeit in Achse, Gelenken und dem ganzen Rest-Heck bedeutet spürbar mehr Kontrolle, nicht nur wenn es haarig wird.

Die elektromechanische, nicht variable Lenkung gibt sehr ordentlich weiter, was die Vorderräder so erzählen (definitiv mehr als bei Limo und Kombi, vielleicht sogar ein bisschen mehr als beim M4) und auch wenn man manchmal ein wenig das Gefühl hat, dass man sehr sehr sehr vorsichtig mit seinem großen Zeh sein muss, gräbt einen die Differenzialsperre doch mit erfreulich viel Vorwärtsdrang aus der Kurve. Klar, wenn der große Zeh ein grobschlächtiger Haudegen ist, wird aus „erfreulich viel Vorwärts“ schnell „erschreckend viel Seitwärts“.

Aber das C 63 S Coupé wirkt bei dem, was gute Fahrer (hust) als „kontrollierten“ Traktionsverlust bezeichnen, spürbar homogener, gutmütiger und weniger schnappig als Limo und T-Modell.

AMG-Chef Tobias Moers sagt, das Fahrwerkssetup sei in etwa auf einer Stufe mit dem alten C 63 Black Series. Ich will mir noch gar nicht vorstellen, wie glorreich die neue „Schwarze Serie“ wird ...

Macht die Rennstreckenfokussierung AMGs C-Coupé zu einem bockharten, Plompen-zerberstenden Hund?

Nicht wirklich. Es ist kein fliegender Teppich, aber auch auf alles andere als flauschigen südspanischen Bergstraßen bewahrte das Auto eigentlich immer die Fassung. Selbst mit 19-Zöllern. Ihr müsst mit eurem C 63 Coupé also nicht zwangsläufig auf die Rennstrecke, ihr könnt es Gott sei Dank auch auf der Straße fahren.

Dort werdet ihr die Limits zwar nur selten erreichen, weil das Coupé gefühlt besser liegt und sich auf souveränere Weise in die Kurve gräbt, aber immer daran denken: Wer zu viel mit dem Gaspedal feiert, steht schneller quer als er „Leeeiiitplankeee“ sagen kann.

Trotzdem gibt das C 63 S Coupé ein ziemlich wunderbares Straßenauto ab.

Aber der V8 wird alle Nachbarn terrorisieren, nehme ich an?

Jaahaaa. Das wird er. Manche behaupten, der alte 6,2-Liter-Sauger habe ein etwas größeres und prächtigeres Audio-Repertoire zur Verfügung gestellt, aber wer den neuen Sound nicht liebt, hat keine Ohren oder kein Herz.

Man befehlige also den Auspuff in seinen lautesten Modus und lasse sich von einer monumentalen Woge aus Bass, wütender Raserei und diversen Salven an sehr unanständigen Geräuschen überwältigen. Nichts davon klingt künstlich, sondern einfach nur glorreich und sehr unterhaltsam.

Das ungekünstelte „Hier komme ich“ geht auch komplett mit der analogen Charakteristik des neuen AMG-Motors konform. Ich glaube die Frage, ob Turbo oder nicht, interessiert den V8 einen feuchten Kehricht. Es gibt kein Turboloch, keine Verzögerung, einfach nur horrenden, alles über den Haufen stampfenden Schub. Mit Ausnhame von Ferrari (und vielleicht auch Porsche mit dem neuen Elfer) hat keiner das Thema Turbo so gut drauf wie AMG.

Wenn ich dich richtig verstehe, kann man dieses Auto also durchaus kaufen …

Wer mittelgroße Coupés mag, auf die irgendjemand mit einem sehr großen Edding „Irrsinn“ geschrieben hat, dürfte das AMG C 63 S Coupé lieben.

Es wirkt auf wunderbare Weise exzessiv und ein bisschen übertrieben. Das passt ziemlich gut zum Fahrverhalten eines Autos, dass trotz Turbos, „Downsizing“ und anderen Spritsparmaßnahmen auch 2015 noch den Geist eines feuerspeienden Muscle-Car-Draufgängers verkörpert.

C 63 Limousine und Kombi mögen durchaus praktischer sein, aber im Vergleich sehen sie regelrecht harmlos aus. Das C 63 Coupé sieht nach vielem aus, aber nicht nach Harmlosigkeit.

Die Kotflügel wanderten vorne um 64 und hinten um 66 Millimeter nach außen. Lufteinlässe und Diffusor sind irgendwie gemeiner und die ganze Karosse wirkt, als würden sich sehr viele starke Menschen unter ihr verstecken, um ihren Bizeps zu trainieren.

Dieses Auto steht wirklich sehr gut auf der Straße. Mehr ein echter Sportwagen als eine aufgebrezelte C-Klasse.

Besser als BMW M4 und vielleicht sogar der Porsche 911?

Gefühlt schneller aber viel wuchtiger und ganz anders als ein Elfer. Beim M4 müssen wir den ersten Vergleich abwarten. Vom ersten Eindruck her könnte der Mercedes sogar ein bisschen gefühlsechter sein. Emotionaler und lauter ist er in jedem Fall.

 

Autor: Stefan Wagner

Daten:  3982 ccm, V8-Biturbo, Frontmotor, Heckantrieb, 510 PS, 700 Newtonmeter, 0-100 km/h in 3,9 Sekunden, 250 km/h Höchstgeschwindigkeit (optional 290 km/h), 1800 kg, 8,6 Liter/100 km, 200 g/km CO2, 86.097 Euro 

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