Der sportlichste Kompaktsportler der Welt

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Ist das wirklich der sportlichste Kompakte?

Mit dem A 45 erwidert AMG das Feuer und schießt auf den Audi RS 3. Für neun kurze Monate konnte die Quattro GmbH berechtigterweise sagen: Wir bauen den stärksten und schnellsten Serien-Kompaktsportler der Welt, in Form des 367 PS starken RS 3. Jetzt können sie das nicht mehr sagen.

Was hat AMG gemacht? Einen Raketenmotor im Stil des Bloodhound SSC eingebaut?

Die zweitbeste Lösung: Sie haben noch mehr Power aus dem Motor mit der höchsten spezifischen Leistung herausgewürgt. Der facegeliftete AMG A 45 bringt 381 PS und 475 Newtonmeter Drehmoment, das sind 21 PS und 25 Newtonmeter mehr als bisher.

Nur zur Erinnerung: Wir sprechen hier über einen 2,0-Liter-Vierzylinder. Einen straßenzugelassenen Wagen, mit voller Garantie, von einer der besten Luxusmarken der Welt, der im offiziellen Zyklus weniger als sieben Liter verbraucht.

Dieser unglaubliche Motor entwickelt so viel Leistung wie der V8 eines Ferrari F355. Egal, ob ihr das ganze PS-Wettrennen moralisch findet oder nicht: Es ist eine bemerkenswerte Ingenieursleistung.

Dann ist er also sehr schnell?

Ja, und zwar sowohl auf dem Papier, als auch auf der Straße. Laut Datenblatt ist der Neue beim Standardsprint 0,4 Sekunden schneller und braucht nur mehr 4,2 Sekunden. Damit schlägt er die 4,3 Sekunden des RS 3.

Die Höchstgeschwindigkeit? Die Autobahn war nicht frei, um es rauszufinden. Wir kamen bis 250 oder so. Jedenfalls extrem schnell.

Der kleine Motor ist jedoch fügsam, und zieht vom Start weg gut ab, obwohl er das Leben oberhalb von 3500 Touren bevorzugt. Und endlich haben wir ein Getriebe, das uns behagt.

Das alte Getriebe war ein bisschen … Müll, oder?

Genau. Jetzt ist es besser. Die Siebengang-Doppelkupplung ist beim Hochschalten schneller als zuvor, beim Runterschalten gehorsamer. Und in den sportlicheren Modi gibts keine Kompromisse.

Und das Beste: Im manuellen Modus knallt das Ding in den Drehzahlbegrenzer, und es gibt keinen automatischen Kick-down. Genau, wie es sein sollte. Da kann sich der VW Golf R was abschauen.

Und die Paddles und das Lenkrad sind wirklich gut. Super Größe, teilweise mit Alcantara, mit dicken, richtig angeordneten Paddles, die aus dem AMG GT geklaut sind: ein Highlight im Cockpit der A-Klasse.

Erzähl noch was über das Getriebe.

Bei der Kraftübertragung des A5 geht es um Speed. Dank kürzerer Übersetzung für den dritten, vierten, fünften, sechsten und siebten Gang ist die Beschleunigung erbarmungslos. Ach ja, und die Launch Control wurde von “amüsant” auf “richtig unkomfortabel“ hochgestuft.

Die Art, wie der A 45 loslegt – vom Stand bis 20 km/h oder so – tut Dinge mit den schwabbeligen Teilen eures Körpers, die an Missbrauch grenzen.

Du hast die „sportlichen Modi“ erwähnt ...

In der Tat – der A 45 ist ganz schön technisch geworden. Neu in der Mittelkonsole ist der Dynamic-Select-Drehknopf aus dem AMG GT. Das erlaubt schnelles Umschalten zwischen den Modi Comfort, Sport, Sport Plus und Individual, womit man das Ansprechen des Gaspedals, den Sound und die Lenkkräfte verstärken und die Stabilitätskontrolle in den Hintergrund drängen kann.

Bestellt das “Dynamic Plus”-Paket, und ihr bekommt noch einen maximal aggressiven RACE-Modus (richtig, in GROSSBUCHSTABEN) sowie ein adaptives Fahrwerk.

Das klingt ziemlich einfach. Aber ihr könnt die Sache verkomplizieren, indem ihr den Dämpfer-Knopf am Armaturenbrett drückt, was die Fahreigenschaften sogar im Sportmodus komfortabel macht, und so weiter. Genauso bei der Auspuff-Taste für den optionalen Sportauspuff. Damit entscheidet ihr selbst, wann ihr asozial sein wollt.

Und das ist noch nicht alles. Optional baut AMG jetzt auch ein Sperrdifferenzial vorne ein. Die neuen Leuchten und Räder haben vielleicht einen Beigeschmack von Facelift, aber darunter hat der kleinste AMG ein mordsmäßiges Upgrade verpasst bekommen.

Super. Welche Kästchen sollte ich beim Bestellen ankreuzen?

Lass den Sportauspuff weg. Er bringt weder Sound noch Musik, sondern nur mehr Lautstärke. AMG konnte bei diesem überspannten Vierzylinder nichts anderes machen. Die synthetischen Fürze, die jeden Gangwechsel begleiten, sind beim ersten Mal saukomisch, nach fünf Minuten noch lustig, aber dann findet ihr sie überflüssig, ja fast schon peinlich.

Das adaptive Fahrwerk ändert auch nicht viel. Der Comfort-Modus ist ziemlich straff. Ungefähr so, wie ein Race-Modus im Golf R wäre.

Doch der RACE-Mode von AMG ist nicht der unerträgliche Murks, den man erwarten könnte. Ein bisschen hippelig, aber sicher nicht unbenutzbar. Verschiedene Modi können Autos sehr variabel machen, aber anders als zum Beispiel beim Civic Type R gibt es hier keine richtige Differenzierung.

Und das Front-Differenzial? Wir haben es auf unseren drei Runden auf dem Lausitzring kaum bemerkt. Das magische Kurvengefühl aus dem Mégane R. S. fehlt hier. Der A 45 möchte gern eine heftige Bremsaktion am Kurveneingang haben, um die Hinterachse ins Spiel zu bringen, und dann einen Bleifuß, um das Auto wieder aus der Kurve rauszuführen.

Vielleicht ist das auf der Straße ein Vorteil, aber unsere Testautos für die Straße hatten das Differenzial nicht, so dass wir dazu noch kein Urteil abgeben können.

Das bedeutet dann, am besten gar keine Extras?

Ehrlich gesagt, nach diesen ersten Fahreindrücken: Keine Fahrwerks- oder Antriebs-Zutat ist es wert, dass ihr euren Geldbeutel dafür öffnet. Der A 45 bringt das Rallye-Feeling auch ohne die ganzen Spielzeuge zur Geltung. Überland ist er faszinierend schnell und er hat genug Agilität, um echte Sportwagen das Fürchten zu lehren – und zwar serienmäßig.

Ist er denn DER BESTE Kompaktsportler?

Wenn ihr es eilig habt: ja, ist er. Vor allem, weil der Benz so viel Spaß dran hat, schnell um die Kurve zu gehen. Statt sich wie ein Audi RS 3 auf gerade Linien zu spezialisieren.

Doch der Verdacht beschleicht einen, dass der A 45 (in dem Bemühen, die Kompaktsportler-Krone zu gewinnen) ein Zahlen-Auto geworden ist – wie der BMW M3.

Großartig auf dem Papier, und zweifellos schnell, aber nicht so spannend und befriedigend wie Zeug mit weniger Power für weniger Geld. „Zeug“ bedeutet hier: BMW M135i oder der fürchterlich schnelle Golf.

Doch der neue A 45 ist immer noch ein Auto, das süchtig macht, vor allem, weil man gar nicht glauben mag, dass etwas so Rüpelhaftes, Frevelhaftes das Mercedes-Benz-Logo trägt. Im Alltag brauchbare Kompakte können einfach nicht schneller sein als dieser. Oder doch?

Daten: 1991 ccm, 4-Zylinder-Benziner, Frontmotor, Allradantrieb, 381 PS, 475 Nm, 6,9 l/100 km, 162 g/km CO2, 0-100 km/h in 4,2 s, 250 km/h Spitze, 1555 kg, 51.051 Euro

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