Weniger Glasflächen als ein U-Boot und trotzdem ein Verkaufsschlager. Wie geht das bloß?

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Was ist es?

Die geliftete Mercedes A-Klasse. Der 376-PS-A-45-AMG wird das Topmodell sein. Dieser Kandidat hingegen ist der normale Mittelklasse-Diesel, der A 220 d.

Ich dachte alle Benz-Diesel-Modelle heißen „CDI“ oder Bluetec“?

Hießen sie, damals, aber um in der neuen Nomenklatur für noch mehr Verwirrungen zu sorgen – und wahrscheinlich um Kosten für lange Schriftzüge zu sparen – tragen die Ölbrenner aus Stuttgart ab sofort wieder das schicke „d“ am Kofferraumdeckel.

Ah, endlich eine sinnvolle Beschriftung! Also bedeutet die „220“ auch 220 PS, oder?

Ähm, nein. Bei den numerischen Beschriftungen geht es immer noch um die Modellhierarchie. Dieser 2,1-Liter-Turbodiesel hat nach dem Lifiting ein paar Pferdchen mehr unter der Haube und bringt es jetzt auf 177 PS. Noch wichtiger: Das Drehmoment wurde auf 350 Newtonmeter angehoben. Es liegt zwischen 1400 und 3400 Touren an. Im Grunde haben wir hier also einen Golf-GTD-Rivalen.

Und wenn ich Motorsport-Allüren für den Diesel will?

Dann verkauft euch Mercedes ein Motorsport-Editions-Paket mit Flügel, anderen Rädern, einer Prise AMG und dem Farbschema von Lewis Hamiltons Petronas-Formel-1-Rennwagen. Wenn ihr mit 4,9 Liter auf 100 Kilometer unterwegs sein und ihr euch trotzdem möglichst #blessed fühlen wollt, dann ist diese Kiste euer Auto.

Lässt sich der A 220 d denn gut fahren?

Sehr gut sogar. Die Schaltbox ist nicht mehr so lethargisch und der Dieselmotor wirkt viel ausgewogener. Sicheres Untersteuern könnt ihr noch bestellen, wenn ihr die A-Klasse mit der neuen Lenkung aus der C-Klasse hart rannehmt. Nichtsdestotrotz ist das Steuerruder gut abgestimmt.

Und das Fahrwerk?

Unser Testwagen hatte das adaptive Dämpfersystem an Bord, das sich in die Modi Eco, Komfort, Sport oder Individual verstellen lässt. Ihr wisst, was dann passiert: stärkere Rückstellkräfte, spontanere Gasannahme, Klimaananlage im Sparmodus und so weiter. Uns fällt allerdings kein Grund ein, warum ihr je den Komfort-Modus verlassen solltet. Eco und Sport nehmen dem Antrieb eigentlich nur die perfekte Abstimmung weg. Die Unterschiede bei der Federung sind hingegen fast nicht spürbar.

Was sollte ich sonst noch wissen?

Mercedes zeigt sich spendabel und erhöht die Anzahl an Serien-Spielzeug. Alle Modelle bekommen einen größeren Infotainment-Bildschirm, eine Rückfahrkamera, Kunstledersitze und Müdigkeitswarner. Außerdem gibt es jetzt einen serienmäßigen Bremsassistenten.

Für den A 45 ruft Mercedes ziemlich unbescheidene 51.051 Euro auf. Nach einigen Stunden am Konfigurator haben wir über 70.000 Euro daraus gemacht. Exakt 36.848 Euro kostet der A 220 d 4Matic, wer auf Allrad verzichtet (wer kann so etwas schon), könnte über 2.000 Euro sparen. Die wären im Gegenzug schnell in unzählige Assistenzsysteme versenkt.

Wir empfehlen, mit einem Glasschiebedach dem Ölsardinen-Innenraum-Flair entgegenzusteuern. Was darüber hinaus nicht weggeliftet wurde, sind die winzigen Rücksitze, die kleine Kofferraumöffnung sowie die bescheidene Rundumsicht.

All das hat aber keine Auswirkungen auf die A-Klasse-Verkaufszahlen, oder?

So ist es. Zweidrittel der A-Klasse-Käufer wechseln von einem anderen Hersteller zu der Marke mit Stern. Und diesen Kunden scheinen die Klimaknöpfe aus alten Flaschenverschlüssen genauso egal zu sein, wie weniger Glasflächen als bei einem U-Boot.

 

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