Mehr Kraft, mehr Umwelt: Wir berichten vom aufgefrischten Conti GT.

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Na, was haben wir denn hier?

Eine Halbzeit-Frischzellenkur für Bentleys Continental GT. Eine visuelle Gurkenmaske, die am Frontstoßfänger anfängt, am Heckspoiler endet und dazwischen … naja … so gut wie gar nichts macht.

Ernsthaft?

Ernsthaft. Unter all den Facelifts ist dieses hier ein ziemlich kleines. Die Frontschürze wurde etwas umgedengelt, es gibt neue Bs (für Bentley) als Lufteinlässe in den Kotflügeln, drei neue Farben, mehr Auswahl bei den Tierhäuten und geriffelte Schaltpaddles.

Und? Mehr Power?

Na klar, auch das. Zumindest ein bisschen. Viel merken dürftest du bei 15 Mehr-PS allerdings nicht, schließlich hat der W12 schon vorher 575 von den Viechern auf die Reise geschickt. Ein Power-Plus von 2,6 Prozent. Irre.

Bei den restlichen Motoren ändert sich nichts – der Einstiegs-V8 hat 507 PS, der V8 S kommt auf 528 PS und das Flaggschiff W12 Speed bleibt bei 625 PS. Du siehst, der Kraft-Zuwachs ist „kaum zu fassen“. Aber Vorsicht, denn was die Motoren betrifft, geht es hier nicht um Power, sondern um Verbrauch. Daher hat der W12 jetzt wie der V8 eine Zylinderabschaltung. Allerdings hat er auch vier Zylinderbänke, das mit der Abschaltung kann also nicht sooo schwer gewesen sein ...

Jetzt mal im Ernst: Spart das wirklich Sprit?

Anscheinend schon. Weil diese Maschine so fürchterlich viel Drehmoment hat, sagt Bentley: Der 6,0-Liter-W12 kann durchaus auch mal eine Zeit lang als 3,0-Liter-V6 laufen. Offiziell braucht der W12 dadurch noch 14,1 statt 14,5 Liter, aber insgeheim glaubt Bentley, dass die Einsparungen im echten Leben (was lustig klingt bei einem Bentley) bei bis zu 20 Prozent liegen.

Sagen wir mal so: Immer wenn ich in einem Conti saß, brauchte er um die 17,5 bis 19 Liter. Dieses Mal standen 15,3 Liter auf der Uhr. Vielleicht steckt also wirklich ein bisschen Wahrheit dahinter.

Sparsam ist trotzdem anders.

Ähm … ja. Auf der anderen Seite: Wenn du dir ein Auto für 188.972 Euro leisten kannst, wirst du eher davon genervt sein, wie oft du zum Tanken anhalten musst, als dass du dich darüber aufregst, was der ganze Spaß kostet. Gott sei Dank hat der Conti einen 90-Liter-Tank. Knapp 550 Kilometer sollten mit einer Füllung also drin sein.

Und, fühlt er sich nach dem Facelift irgendwie anders an?

Nicht wirklich. Allerdings sieht er schon ein Fitzelchen schärfer aus. Ich finde aber (obwohl die Front insgesamt definierter daherkommt), dass die Extra-Lufteinlässe in der Schürze ein bisschen zu laut „Audi RS“ schreien.

Innen gibt es dafür überhaupt nichts zu meckern. Neue Steppungen für die Sitze, ein Haufen neuer Alcantara-Schnickschnack, LED-Beleuchtung und noch wunderbarere Verzierungen sind im Prinzip zwar nur Kleinkram, mehr war beim Conti aber auch nicht nötig.

Warum?

Weil das hier Bentleys Porsche 911 ist. Das Auto definiert die Marke so extrem, dass man es sich einfach nicht erlauben kann, damit herumzuspielen. Und man sollte auch gar nicht damit herumspielen, weil es kein anderes Auto gibt, das Sachen kann, die der Conti kann. Welche Sachen? Na, echte Luxus-GT-Sachen eben. Maserati Gran Turismo oder Porsche 911? Zu eng und sportlich. BMW 6er? Viel zu gewöhnlich. Rolls-Royce Wraith? Zu royal und „etwas“ zu teuer. Das einzige, was mir einfallen würde, ist ein S-Klasse Coupé. Ein wunderbares Auto und ehrlich gesagt auch das einzige, das ich vor einem möglichen Conti-GT-Kauf Probe fahren würde. Allerdings hat der S-Benz weder diesen herrschaftlichen Vorwärtsdrang noch diesen irren Sinn fürs handwerkliche Detail.

Bentley kennt sein Publikum für dieses Auto so verdammt genau, ich könnte schwören, dass es für jedes einzelne Auto genau den einen, richtigen Kunden gibt.

Wie genau meinst du das?

Du bist jung? Dann hol dir den V8. Du bist alt? Der W12 ist dein Auto. Und wenn du denkst, du musst den modernen Bentley Boy raushängen lassen, dann kauf dir einen mit Namenszusatz. Empfehlenswerterweise wäre dieser „Speed“.

Aber ganz im Ernst jetzt: Die erste Wahl dürfte der V8 S sein. Er ist schrecklich stark und hat obendrein einen ordentlichen Batzen Charisma. Der W12 ist eine geschmeidige Sänfte, wirkt im Werkstrimm aber fast schon zu abgekoppelt.

Der „Speed“ ist wie ein W12 mit deutlich mehr Lärm und Kampfgeist – und er ist sehr, sehr, sehr, sehr schnell. Okay, 0-100 km/h in 4,2 Sekunden ziehen heutzutage auch nicht mehr die größte Wurst vom Teller, aber bedenke: Kein Bentley hat eine Launch Control. Weil sich manche Dinge einfach nicht ändern sollten, alter Mann. Und trotzdem bin ich ziemlich überzeugt: Lass den Dicken auf gutem Asphalt mit 4000 Touren von der Leine und du kriegst eine Zeit unter vier Sekunden.

Wenn der Zwölfender dann mal Betriebstemperatur hat, ist er einfach nur mächtig. Und zwar immer. Also zumindest oberhalb von 1200 U/min. Das Drehmoment hört einfach nicht auf. Am tollsten ist das Ganze übrigens im manuellen Modus – wirf irgendeinen hohen Gang ein und schau dann einfach zu, wie 820 Newtonmeter deine Wirbelsäule deformieren.

Trotzdem der V8 S?

Wenn du gerne fährst, dann schon. Der V8 S hat sein Gewicht besser im Griff als der W12 und vermittelt tatsächlich eine gewisse Art von Sportlichkeit. Wie das Auto seine Karosseriebewegungen im Griff hat, ist für einen Plus-2,2-Tonnen-Tanker absolut erstaunlich.

Ähm, also zumindest solange, bis irgendetwas schiefgeht. Ein bisschen Aquaplaning, ein fieser Buckel in einer Kurve und ganz plötzlich kriegst du einen ziemlich guten Eindruck davon, wieviel Gewicht sich hier eigentlich gerade zusammenreißen muss. Bis dorthin gelingt die Täuschung aber verblüffend gut.

Also nicht wirklich ein Riesenschritt für den Conti?

Wie ich schon sagte: Dieses Auto ist bereits so verflucht gut auf seine Zielgruppe ausgerichtet, dass es einfach nicht viel gibt, was Bentley groß hätte verbessern können. Die einzige wirkliche „Verbesserung“ wäre der Einsatz von Hybrid-Technologie, um diesen Geschmeidigkeits-Drehmoment-Ansatz noch weiter zu optimieren.

Ach ja, im letzten Jahr sagte der damalige Bentley-Chef Wolfgang Schreiber, dass bis Ende diesen Jahrzehnts etwa 90 Prozent aller Bentleys mit einem Hybridantrieb erhältlich sein würden. Vorausgesetzt, die Einstellung zu diesem Thema ist noch halbwegs die gleiche, gehe ich mal davon aus, dass es einen guten Grund für dieses Mini-Facelift gibt. Bentley dürfte gerade ziemlich stark mit den Vorbereitungen für die nächste Generation beschäftigt sein – die Änderungen könnten dramatisch werden …

Autor: Ollie Marriage

Daten:

5998 ccm, W12-Biturbo, Frontmotor, Allradantrieb, 625 PS, 820Nm, 0-100 km/h in 4,2 Sekunden, 331 km/h Spitze, 14,1 Liter/100 km, 338 g/km CO2, 2320 kg, 211.582 Euro

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