Hotel California: Der neue VW T6 wird jetzt zum Porsche mit Bett

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Was ist das?
Unser Test-Proband ist der neueste VW California auf Basis des T6. Der maximal möglichste Gegensatz zu seinem Ferrari-Namensvetter, denn es handelt sich um ein Wohnmobil mit Diesel. Trotzdem ist er womöglich der größere Held, denn er hat seine Zielgruppe messerscharf im Blick. Und zwar durch präzise Zweckmäßigkeit und cleveres Packaging.

Natürlich gibt es Wohnmobile auf Transporter-Basis in allen Größen und Formen. VW verweist aber stolz darauf, dass der California das einzige Wohnmobil ist, dass schon bei seiner Geburt mit Küche und Bett versehen wird. Bei allen anderen übernehmen das Drittanbieter. Außerdem hat der Camping-Bulli eine grandiose Tradition, die bis in die 1950er-Jahre zurückreicht. Der California selbst kam erstmals 1989 auf den Markt.
 
Was ist alles neu?
Der California wurde hauptsächlich deswegen aufgemöbelt, weil seine Basis – der VW-Transporter – vor kurzem die sechste Modellgeneration erreicht hat. Optisch hat sich aber nicht viel getan, sieht man von schickeren Scheinwerfern und einigen gewagten Farbkombinationen ab.

Schon mehr hat sich unter der kastigen Hülle getan. Als Motoren stehen allesamt Zweiliter-Turbodiesel bereit. Sie leisten zwischen 84 bis 204 PS. Die beiden stärksten Aggregate gibt es auch mit Allradantrieb und DSG.
Beim neuen California verschwimmen die Grenzen zwischen Auto und Nutzfahrzeug besser als je zuvor. Möglich wird das durch eine Fülle von Technik, sei es eine fette Stereoanlage, ein adaptives Fahrwerk, ein Tempomat mit Abstandsregelung und dem ganzen modernen Assistenzkram wie der Totwinkel-Warner. Wer ein gut gefülltes Konto hat, kann den California zu einem Hotelzimmer auf Rädern hochrüsten. Bis zu 144 Sonderausstattungen bringen den Preis auf Porsche-Niveau.

Was bietet er den Campern?
Es gibt den California in drei verschiedenen Ausstattungslinien. Sie heißen „Beach“, „Coast“ und „Ocean“. Der Beach ist eine Kombination aus einem bis zu siebensitzigen Pkw und einem Reisemobil. Serienmäßig kommt die Einstiegsvariante mit einem manuellen Aufstelldach. Durch integrierte Rollos lässt sich der Innenraum verdunkeln. Um eine Sitzgruppe zu bekommen, lassen sich die Vordersitze um 180 Grad drehen.
 
Neu ist die mittlere Ausstattungslinie Coast. Im hinteren Abteil befindet sich eine Möbelzeile im hellen Holzdekor. Die Küche beinhaltet ein Edelstahl-Spülbecken, eine 42-Liter-Kühlbox mit Einhängekorb und einen Zweiflammen-Gaskocher. Beim Ocean schließlich öffnet sich das Aufstelldach elektrohydraulisch, außerdem gibt es Doppelverglasung und eine Standheizung. Preiswert ist der Spaß nicht: Los geht es bei 41.430 Euro für einen Beach mit sehr milden 84 PS, Topmodell ist der 204 PS starke Ocean mit Allrad und DSG für 70.710 Euro.
 
Da muss man aber ziemlich oft verreisen …
Richtig, schließlich könntet ihr von dem Geld auch viele schöne Hotelurlaube machen. Nur lässt sich das auch von einem ähnlich kostspieligen Porsche Boxster behaupten.

Aber so darf man nicht an die Sache herangehen. Man kauft sich einen California, um dort einfach eine Menge Hausrat hineinzuwerfen und irgendwo hinzufahren. Vergesst bitte euren Goretex-Hut und die Nordic-Walking-Stöcke nicht!

Vor allem aber ist der Calfornia trotz seiner 4,90 Meter viel handlicher als eines dieser hausersetzenden Wohnmobile oder ein Wohnwagen an der Anhängerkupplung. Er ist ideal für schmale Straßen und verlängerte Wochenenden. Und außerdem ist er unglaublich einfach zu fahren.

Willst du mir jetzt wirklich mit Handling kommen?
Ein wenig. Die Wahrheit, dass der „Cali“ gut auf der Straße liegt und gar nicht so sehr schwankt, wie man meinen möchte. Aber die Kurvengeschwindigkeiten hängen davon ab, was dir wichtiger ist: Das Geschirr in den Regalen oder die Fahrdynamik. Die Sitzposition bietet auch keinen Grund zur Besorgnis. Man sitzt nicht so hoch auf dem Bock wie befürchtet. Sensoren und eine Kamera helfen dir beim Rangieren der Fuhre.

Und die Fahrleistungen? Der Einstiegsdiesel mit 84 PS ist schon ein hartes Brot: 22,2 Sekunden auf 100 km/h und 146 km/h Spitze erfordern schon ein buddhistisches Gemüt. Deshalb sollte es mindestens der 150-PS-Motor sein. 12,9 Sekunden und 182 km/h machen euch nicht zum Hassobjekt der Autobahn, außerdem verbraucht die Maschine kaum mehr als die Basisversionen. Denkt immer daran, dass der California mindestens 2,3 Tonnen wiegt.

Sowohl die manuelle Schaltung als auch das DSG arbeiten sauber, zwischen Front- und Allradantrieb merkt man kaum Unterschiede. Hier hängt eure Wahl davon ab, wie häufig ihr in der freien Natur campt oder durchs Gelände fahrt.
Wir würden den California Beach nehmen, dazu einen Gaskocher für maximale Flexibilität. Ordert den VW als Siebensitzer und besorgt für eure zusätzlichen Mitfahrer Faltzelte. Das ist praktisch und folgt dem Grundgedanken der VW-Wohnmobile früherer Tage.

Also ist der California ein echter Liebling von TopGear?
Ohne Frage, so ist es. Größere Änderungen am Konzept waren kaum nötig, deshalb hat VW sich auf eine gefälligere Optik und ein Pkw-näheres Handling konzentriert. Er fährt sich einfach und es eine Freude, die ganzen cleveren Details zu erkunden, darunter ein herausnehmbarer Campingtisch in der Schiebetür und Klappstühle in der Heckklappe.

Klar, wenn der California für euch schon bislang keinen Sinn machte, wird er das auch jetzt nicht tun. Und Pfennigfuchser könnten auf den Mercedes Marco Polo 250 BlueTEC, das 190-PS-Spitzenmodell der V-Klasse mit Westfalia-Ausbau hinweisen, den es schon ab 61.118 Euro gibt. Aber nicht wenige TopGear-Mitarbeiter haben den California in ihrer virtuellen Traumgarage stehen. Ihr auch? 
 
Autor: Stephen Dobie

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