Dodge verleiht der Viper Flügel. Das Resultat ist definitiv nichts für Anfänger ...

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Was ist das?

Dieses Biest hier im Test ist die Dodge Viper ACR des Modelljahrs 2016. Schon der Name Viper sollte deine Herzfrequenz deutlich erhöhen, aber wenn du weißt, wofür das Kürzel ACR steht, schlägt deine Pumpe im Techno-Beat.

Für alle, die es nicht wissen: ACR ist die Abkürzung für „American Club Racer“. Und damit ist die kompromissloseste Viper von allen am oberen Ende des Spektrums angesiedelt.

Macht euch keine Illusionen. Das ist kein für die Rennstrecke fit gemachtes Straßenauto. Das ist ein reinrassiger Rennwagen, an den du das Nummernschild schraubst und nach Hause fährst – nachdem du alle deine Gegner auf der Piste gedemütigt hast. Das Teil ist so schnell, dass es fast schon unfair ist. Wie Usain Bolt bei den Bundesjugendspielen.

Was ist neu daran?

Die große Nummer beim ACR ist sein außergewöhnliches Aero-Kit. Falls ihr einen ACR haben wollt, solltet ihr nämlich die „Extreme Package“-Option wählen. Dort ist ein gigantischer, verstellbarer Heckflügel im Boeing-747-Format dabei.

Damit nicht genug: Es gibt einen massiven, abnehmbaren Frontsplitter, Spoilerkanten vor den Vorderrädern, Lufteinlässe dahinter und ein Diffusor, der den Bereich zwischen Hinterachse und Stoßfänger bedeckt. Das ganze Zeug sorgt für eine Anpresskraft von fast einer Tonne, reduziert aber die Höchstgeschwindigkeit von 322 auf 285 km/h.

Also ist sie langsamer als eine normale Viper?

Am Ende einer langen Geraden schon. Aber lass dann eine leichte Kurve kommen und die ACR-Viper wird jedwedes Defizit sofort vergessen machen.

Warum? Weil das Auto besser haftet und mehr Grip liefert als irgendeine andere Viper. Einiges davon geht auf das Konto der speziellen Bereifung vom Typ Kumho Ecsta V720. Sie mögen zwar ein leichtes Profil aufweisen, aber Reifen – speziell die für die ACR konstruierten – sind so nahe an Slicks dran wie Michelin-Cup-2-Gummis. Aber sie verschleißen lediglich halb so schnell. Darüber hinaus wurden die Flanken der Reifen verstärkt, um mit den Belastungen fertig zu werden.

Was ist bei der Viper ACR noch alles neu?

Eine Menge. Hinter der Rad-Reifen-Kombination verbirgt sich ein Sechskolben-Bremssystem von Brembo. Die gewichtsoptimierenden Carbon-Keramik-Scheiben haben einen Durchmesser von 390 Millimeter an der Vorder- und 360 Millimeter an der Hinterachse. Sie sind so groß, dass Dodge extra fettere Felgen aufziehen muss, um sie unterzubringen. Dazu gesellt sich ein auf den Renneinsatz getrimmtes Fahrwerk mit einstellbaren Bilstein-Dämpfern. Die Federn sind doppelt so steif wie die in der Viper TA.

Und dann das Interieur. Frühere ACR-Modelle hatten weniger Ausstattung als eine Duschkabine, doch jetzt wird es fast luxuriös. Du bekommst den Uconnect-Touchscreen, eine Klimaanlage, die sich für sechs Sekunden abschaltet, wenn du das Gaspedal voll durchtrittst, eine Musikanlage mit drei Lautsprechern und leichte Auslegware.

Und was ist mit dem Antrieb?

Abgesehen von neuen Auspuffenden bleibt dieser Punkt unangetastet. Es bleibt beim ikonischen 8,4-Liter-V10-Aluminiummotor mit 654 PS und 813 Newtonmeter Drehmoment. Dodge selbst plant keine Ausbaustufen, das übernehmen die Zulieferer. Zum Beispiel gibt es ein so genantes Stage-2-Kit für weit über 800 PS. Das solltet ihr nur wählen, wenn ihr die ultimative Viper wollt oder euch häufig Selbstmordgedanken umtreiben.

Die Sechsgang-Schaltung ist in der ACR die gleiche wie in allen Viper-Modellen, sie schaltet sich aber etwas leichter und flüssiger.

Wie fährt sie sich?

Wir konnten den Wagen auf dem unglaublich komplizierten „Virginia International Raceway Grand Course“ fahren. Eine 6,7 Kilometer lange Herausforderung mit versteckten Kuppen, die in scharfe, oft fiese Kurven übergehen.

Es ist zweifelsohne die technische anspruchsvollste Rennstrecke der USA. Und definitiv nicht der einfachste Ort, um sich mit einer 654 PS starken Fahrmaschine anzufreunden. Wie alle echten Rennwagen, beißt dir auch die Viper ACR die Hände ab, wenn du ihr nicht die richtigen Befehle gibst.

Trotzdem haben wir sie hart genug rangenommen, um festzustellen, dass sie dank ihrer Modifikationen gelassen über Kerbs, Bodenwellen und Kuppen fährt, wo andere Autos schon längst von der Piste geflogen wären. Dank der neuen Reifen und dem gestiegenen Anpressdruck liegt die ACR auch ruhiger als die anderen Viper.

Wenn du von 240 km/h auf 80 Sachen vor einer scharfen 180-Grad-Rechtskurve abbremst, fühlst du, wie die Luft beim Verlangsamen über das Auto streicht und das Heck leicht wird. Falls man nicht sehr progressiv in die phänomenalen Bremsen steigt, hüpft der Viper-Hintern sogar ein wenig.

Sollte ich einen kaufen?

Dieses Teil sollte auf der Rennstrecke bleiben und höchstens zum Brötchenholen auf öffentliche Straßen losgelassen werden. Es ist laut, es ist ungehobelt, es ist extrem schnell und es ist unglaublich spaßig. Aber für die Fahrt zur Arbeit wäre er miserabel.

Also einerseits ein klares „Ja“, zumal die ACR in den USA nur 121.900 Dollar, umgerechnet rund 111.000 Euro, kostet und eine echte Alternative zum ausverkauften Porsche GT3 RS ist. (In deutschen Gefilden müsst ihr das volle Programm mit Importeur und Verschiffung durchziehen.) Aber andererseits ein deutliches „Nein“, wenn ihr nur eine dicke Show auf dem Boulevard abziehen wollt. Das könnte nämlich ein schmerzhaftes Vergnügen werden.

Autor: Pat Devereux

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