Wir knabbern das erste Mal an der neuen Generation von Audis V10-Supersportler mit 610 PS. In Le Mans. Vor Zuschauern ...

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Was ist es?

Eine ziemlich kurze Erstausfahrt in einem der meist erwarteten Fahrzeuge des Jahres 2015: dem zweiten Audi R8. Schon das Auto der ersten Generation war eine Offenbarung für die Alltags-Supersportler-Klasse. Spaßig, schnell, nutz- und halbwegs finanzierbar. Es tat mehr für das Ansehen von Audi, als es ein A3 der mit kostenlosen Süßigkeiten und Grippeschutzimpfungen verschenkt werden würde, jemals könnte. Den Ferrari 488 GTB mal außen vorgenommen, haben nur wenige Neuerscheinungen dieses Jahr einen Vorgänger, der eigentlich bereits perfekt ist. Also, kein Druck.

Nur eine kurze Ausfahrt?

Leider ja. Audi sagte uns an einem drückend heißen Juni-Abend, dass wir den neuen R8 für eine schnelle Runde auf die Rennstrecke von Le Mans entführen könnten. Vor läppischen 250.000 Zuschauern. Eine Stunde, bevor das 24-Stunden-Rennen 2015 startete. Schluck. Wir werden diesen Wagen in ein paar Wochen noch einmal fahren. Ausführlicher, versprochen, aber diese Begegnung soll eine Wahnsinns-Chance für den neuen R8 sein, einen ersten guten Eindruck zu hinterlassen.

Über welchen R8 reden wir eigentlich?

Natürlich über den Schnellsten. Wir haben den neuen R8 V10 Plus ausprobiert, der eine überarbeitete Version des bekannten 5,2-Liter-V10 mit einem Allradantrieb kombiniert. Der V8-Basis-R8 ist tot, genau wie das köstliche Schaltgetriebe. Alle Neuen, egal ob die 165.000 Euro teure 540-PS-V10-Version oder die um 22.400 Euro kostenintensivere und 70 PS stärkere V10-Plus-Variante, kommen mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe.

Audi verspricht, dass sich dieses 610-PS-Flaggschiff in nur 3,2 Sekunden auf 100 km/h katapultiert und bis zu 330 km/h schnell wird. Und alle Fakten-Freaks jetzt bitte den Notizzettel bereit halten: Das ist der schnellste Straßen-Audi, den es bisher gab.

Der erste Eindruck?

Er ist weit entfernt davon, ein hässliches Auto zu sein und mit großer Sicherheit um einiges schöner, als es die ersten computergenerierten Bilder vermuten ließen. Aber, ein paar gerade gerückte Karosserie-Linien und kantiger gemachte Rundungen sehen doch eher „nur“ nach Facelift aus. Fast so wie beim neuen TT, die wirklich guten Neuerungen hat man sich eben für das Innere aufgespart.

Mensch hat der R8 vielleicht ein gutes Interieur. Er hat jetzt die TT-Lüftungsdüsen und das Virtual Cockpit und die gesamte Innenarchitektur ist so unglaublich modern. Außerdem ist er um Längen intuitiver als ein willentlich bescheuerter Lamborghini Huracán, mit dem sich der R8 das Aluminium-Carbon-Chassis, den Motor und das Getriebe teilt.

Darüber hinaus ist der Raumschiff-Enterprise-Gangwähler irgendwie cool – ein großer Hebel, der dich mit Genuss in „D“ schalten lässt. Er sieht aus als hätte er seinen Ursprung in irgendeinem geheimen Labor des Militärs.

Die Übersichtlichkeit übertrifft übrigens auch die Briefschlitz-Rundumsicht eines Lambo, genau wie die kürzeren Schaltpaddels hinter dem Lenkrad besser sind als die italienischen Rasierklingen. Okay, es fühlt sich vielleicht so an, als würde man etwas zu hoch sitzen. Vielleicht. Trotzdem, alle R8-tung!

Und wie ist es, den neuen R8 zu fahren?

Einfach. Einsteigen, festzurren, den Motorstartknopf drücken und raus mit dem Ding aus der Le-Mans-Boxengasse. Wir hatten nicht wirklich die Möglichkeit, uns mit dem R8 vertraut zu machen. Wie er sich auf öffentlichen Straßen fährt oder wie sich die Schaltbox bei Halbgas verhält, all das muss noch warten. Aber hier die Antwort darauf, wie sich der R8 bei Vollgas fährt: wie ein Promenaden-Spaziergang.

Also langweilig?

Nein, nicht einmal im geringsten. Der R8 ist schlichtweg erstaunlich zugänglich. Der Quattro-Antrieb ist absolut – er verkraftet Vollgas und eine halbe Lenkradumdrehung raus aus der engen Arnage-Kurve. Nichts, kein Unter- oder Übersteuern. Er hat einfach nur gelenkt. Genauer gesagt mit einem hilfreichen Hauch von Gewicht abseits der Mittellage und einem spielerisch leichten Einlenkverhalten. Gute Vorzeichen …

Er hat nichts von seiner Balance verloren, ist aber verdammt schnell geworden. Lamborghini-Huracán-schnell. Zwar fehlt der im mittleren Drehzahlbereich zuschlagende Twin-Turbo-Druck eines McLaren- oder Ferrari-Rivalen, aber können diese Kontrahenten eine rote Linie bei 8.500 Umdrehungen pro Minute vorweisen? Oder so einen scharfen Klang und eine ebenso scharfe Gasannahme? Ein Hoch auf die natürliche Beatmung.

Und sonst?

In den höchsten Tönen kann man dieses eigentlich wunderbare Getriebe im R8 nicht loben. Audi hat die Gangbox bereits im alten Modell verbaut, als dieses geliftet wurde. Es bewirkt ein eher nahtloses Durchbeschleunigen mit jeweils einem kleinen Rücken-Stupser im Dynamic-Modus.

Bremsen? Ja, hat er auch. Keramik ist Standard in der Plus-Variante, zusammen mit einem etwas scheintoten Pedalgefühl. Aber auf einer einzigen Runde ist es auch schwer, die Keramik-Verzögerer nur ansatzweise über Raumtemperatur-Niveau zu bekommen, darum lässt sich noch kein genaues Urteil über sie fällen. Entschuldigung.

Also ein guter erster Eindruck?

Auf jeden Fall. Aber da der Neue nach dem gleichen Rezept gekocht ist, wie sein Urahn. Wir wären also schockiert gewesen, wenn Audi es vermasselt hätte. Business as usual, zumindest nach diesem eher kurzen Geschmackstest. Wollen wir wetten?

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