Endlich hat Renault sich einen Qashqai-Rivalen gebacken. Sorgt er für Begeisterung?

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Was ist es?

Ein Renault und zwar ein ziemlich wichtiger.

Warum? Der sieht doch aus wie irgendein SUV?

Das stimmt. Der Kadjar ist Renaults erstes größeres SUV seit dem vom Pech verfolgten Koleos auf Basis des Nissan X-Trail. Dessen Verkaufszahlen konnte man an einer Hand abzählen.

Ist der Kadjar der Koleos-Nachfolger?

Renault sagt „Nein“, auch wenn es der Preis und die Abmessungen nahelegen. Der Kadjar soll die Lücke zwischen dem kleinen Captur und dem eigentlichen Koleos-Erben, einem siebensitzigen SUV auf Basis des neuen X-Trail, schließen.

Noch etwas interessantes: Renault peilt in China einen Marktanteil von 3,5 Prozent an, weshalb der Kadjar dort ab 2016 in einem Joint-Venture mit Dongfeng gebaut wird. Die Fahrzeuge für Europa kommen aus Spanien.

Aha. Jetzt erzählt mir etwas über das Auto.

Der Kadjar teilt sich die Plattform mit dem Qashqai, dem X-Trail und dem neuen Espace. Also solltest du nichts radikal Unterschiedliches oder übermäßig Spannendes erwarten. Zur Wahl stehen drei Motoren: Als Einstieg ein 1,2-Liter-Turbobenziner mit 130 PS, als Alternative zwei Diesel mit 110 und 130 PS. Den kleineren gibt es optional auch mit Doppelkupplungsgetriebe, den größeren auch mit Allradantrieb.

Er sieht gar nicht so übel aus ...

In der Topausstattung bekommst du sogar 19-Zöller und Voll-LED-Scheinwerfer. Und zwar ohne Aufpreis. Innen sieht es auch nicht schlecht aus. Hier gibt es Platz für fünf Personen, hinten gibt es genügend Platz für große Menschen, die hinter großen Menschen sitzen. Die Kunststoffe im Cockpit haben manchmal etwas von Dacia, aber die Sitze sind gemütlich, die TFT-Anzeigen sehr gut ablesbar und die neue R-Link-2-Navigation spricht schnell, manchmal fast zu schnell, an. Vor Blitzern schützt dich die Verkehrszeichenerkennung.

Wie schnell ist er denn?

Kommt darauf an, welchen Motor man wählt. Zum Rennwagen wird der Kadjar mit keinem davon. Aber der 130 PS starke Diesel bietet genügend Kraftreserven, wenn es mal ans Überholen geht. Der Benziner kommt hingegen trotz Turbo nicht richtig aus der Knete. Für die Stadt reicht das laufruhige Aggregat allemal, aber außerhalb brauchst du Geduld und kilometerweise leere Straße, um so etwas wie Beschleunigung zu erleben.

Zwar verspricht Renault auf dem Papier 205 Newtonmeter bei 2000 Touren, aber auf der Autobahn geht ohne Herunterschalten beim Überholvorgang gar nichts. Voll besetzt mit fünf Personen plus Gepäck wird die ganze Angelegenheit bestimmt spannnend.

Wen interessierts?

Uns nicht. Renault selbst erwartet, dass der Löwenanteil der Kunden zum 130-PS-Diesel greift. Und zwar zu Recht. Der Selbstzünder ist unglaublich leise, verhältnismäßig sparsam und bringt dich besser in Fahrt.

Wie ist das Fahrverhalten?

Nicht wirklich was für die Nordschleife. Die freundlichste Aussage über die dynamischen Qualitäten des Kadjar ist, dass er leichtgängig, ruhig und komfortabel ist. Von der Lenkung gibt es nicht viel Rückmeldung und man gleitet plüschig durch die Kurven. Aber juckt dich das wirklich? Eben.

Die Allradmodelle können bis zu 50 Prozent der Kraft auf die Hinterräder leiten. Auf teilweise rutschigem Untergrund zeigte uns die kleine Anzeige neben dem Tacho an, dass über 20 Prozent nach hinten gingen.

Dankenswerterweise hat Renault darauf verzichtet, den Kadjar mit tausenden Fahrmodi zu überfrachten. Es gibt keinen Sportmodus, sondern nur einen Eco-Knopf, der alles schlechter macht. Finger weg!

Wann kann ich ihn kaufen?

Ab sofort. Die Preise beginnen bei verführerischen 19.990 Euro, Klimaanlage, Tempomat und Radio inklusive. Am anderen Ende der Fahnenstange rangiert der 130-PS-Diesel mit Allrad in der Topausstattung für 33.490 Euro. Etwas teurer ist der Nissan Qashqai, der aber einen Hauch mehr Extras ab Werk mitbringt. Sehr viel teurer ist hingegen ein VW Tiguan. Wer also etwas für die Familie sucht, liegt beim Kadjar nicht verkehrt.

 

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