Vgl Kompakt Sportler 16 11

Wenn die AMG-Bereitschaft, hier den Clown zu spielen, die größte Überraschung des Tages darstellt, dann ist der Golf R mit Sicherheit die größte Enttäuschung … auf der Straße zumindest. Während sich die A-Klasse anfühlt, als hätte sie einen Beton-Rumpf und ein stahlhartes Sixpack, hat der Golf das Beintraining geschwänzt und sich eine veritable Plautze angefressen.

Schon klar, das hier ist eine harte Nuss für den 300-PS-VW, aber als unser regierender Hot-Hatch-König sollte er für solche Aufgaben eigentlich gerüstet sein. Statt gut gerüstet wirkt er aber eher weich, etwas begriffsstutzig, optisch und akustisch … naja … ein wenig unterentwickelt und generell überholt. Logisch, das hier ist ein Golf und er muss das ganze Alltagsgedöns viel besser hinkriegen als der komplette Rest. Aber die anderen drei spratzen, gurgeln, reizen und emotionalisieren (übrigens ohne unerträglich kompromisslos zu sein) und der Golf R gibt eine Darbeitung zum Besten auf der auch 1.4 TSI stehen könnte.

Naja und dann, kurz bevor ich alles hinschmeißen will, schleife ich ihn auf den Kurs, attackiere richtig hart und das Ding erwacht zum Leben. Als wäre er auf einmal 15 Zentimeter größer und komplett auf den Zehenspitzen. Er trippelt, er tanzt, er antizipert die nächste Kurve.

Okay, die Lenkung wirkt in dieser Gesellschaft zu fad und mit seinem frontlastigen Haldex-Allrad fühlt er sich nie so Heckschleuder-mäßig an wie der RS. Aber Gaslupfer und ein bisschen Bremse sind die Werkzeuge, um das Auto um die Kurve zu werfen und dann gibt es Tonnen an Traktion, die dich auf die nächste Gerade katapultieren. Plötzlich kriegt er auch ein wenig Stimme (mehr ein metallisches Knarzen als die pure Dramatik) und die Automatik ist einfach umwerfernd. Ja, verdammt nochmal, es ist gut dieses Auto. Sehr gut sogar. Aber gut genug, um nochmal zu gewinnen? Ich bin mir nicht sicher. 

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