Wir haben ein Date mit dem seltensten straßentauglichen Godzilla von allen

Nissan GT-R Skyline R33 LM

Es gibt eine Handvoll bemerkenswert seltener Nissan Skylines. Den Z-Tune, den R400 und natürlich Brian O'Conners elektrisch blauen R34 aus 2 Fast 2 Furious. Allerdings gibt es nur einen echten Selten-wie-Einhorn-Kacke-Godzilla: den atemberaubenden R33 LM.

Gran-Turismo-Fans dürften die Silhouette dieses gedrungenen, entsetzlich breiten R33 aus dem Intro des ersten Teils erkennen. Seither kam das Auto in jedem Teil der Rennserie vor. Aber selbst wenn diverse Exemplare in der wunderbaren Welt der Pixel existieren können, gibt es im echten Leben nur ein einziges Exponat.


Nissan GT-R Skyline R33 LM

Es wohnt in Nissans wundervoller Zama DNA Garage. Einer sorgfältigst zusammengestellten Männer-Spielhalle, die bis zu den Rändern mit den heißesten Eisen des japanischen Herstellers gefüllt ist. Und genau hier sollte auch unser Treffen mit dem 33 LM stattfinden.

Wir bettelten und bettelten für eine kurze Ausfahrt, aber das kam und kommt nicht in Frage. Sogar Carlos Ghosn – Vorstandsvorsitzender, Präsident, CEO und was man sonst noch bei Nissan an wichtigen Titeln haben kann – bekam nie die Erlaubnis, ins Steuer zu greifen.

Selbst dieser Umstand hat uns jedoch nicht davon abgehalten, zu flehen, zu bestechen und darüber nachzudenken, ihn zu stehlen, nur um zu sehen, wie er sich ohne Playstation-Controller fährt.




Nissan GT-R Skyline R33 LM

Die Existenz des Skyline GT-R R33 LM ist das Resultat diverser Änderungen im Langstrecken-Rennsport der frühen 90er-Jahre.

Nissan nahm den Langstreckensport in den späten 80ern volle Lotte in Angriff. Mit einer ganzen Reihe von gewaltig bespoilerten Downforce-Monstern wie dem R87E, dem R88C und R89CK. Die Kirsche auf der Sahne war der R90Ck, den Mark Blundell beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans im Jahr 1990 auf Pole fuhr.

Allerdings wurden Nissans Gruppe-C-Programme mit etlichen Regeländerungen Anfang der Neunziger völlig durcheinandergewirbelt. Bis 1994 waren die Autos quasi unbrauchbar.




Nissan GT-R Skyline R33 LM

Wo die meisten anderen Hersteller sich zurückgezogen und versucht hätten, ein paar Mark zu sparen, begab sich Nissan direkt zurück ans Zeichenbrett und startetet zusammen mit Nismo die Entwicklung eines brandneuen Autos.

Die neuen Regularien schafften Prototyp-Renner ab und begünstigten seriennahe GT-Fahrzeuge. Und so entschied sich Nissan dafür, sein neues „GT1“-Rennauto auf der aktuellen Generation des alles in Grund und Boden fahrenden Skyline GT-R basieren zu lassen.

Der legendäre R32 Calsonic Skyline demolierte die komplette Konkurrenz, in dem er über vier Saisons hinweg 29 von 29 Rennen gewann. Das bescherte ihm den Namen Godzilla. Das nächste Kapitel sollte sein Nachfolger, der R33, aufschlagen.




Nissan GT-R Skyline R33 LM

Das R33-LM-Rennauto wurde auf 1150 Kilo runtergehungert, man klaute ihm eine Antriebsachse, um ihn zum reinen Hecktriebler zu machen und gab ihm den legendären RB26DETT-Motor in der Group-N-Spec, sprich: mit 400 PS.

Was er ebenfalls hatte, war ein sehr ambitioniert aufgeblähtes Bodykit, das für mehr Aerodynamik, Kühlung und Traktion sorgen sollte. Aber bevor Nissan den R33 LM im Jahr 1995 nach Le Mans bringen konnte, musste er homologiert werden.

Um die Homologation zu erreichen, musste eine, und wirklich nur eine, straßentaugliche Version gebaut werden. Das Resultat ist das pausbäckige, silberne Ding auf diesen Bildern.




Nissan GT-R Skyline R33 LM

Zugelassen in Großbritannien, wird der Straßen-LM so gut wie nicht bewegt. Er ist quasi in der DNA-Garage gefangen, wo sich viele Männer mit sehr weißen Handschuhen um ihn sorgen.

In Fleisch und Blut hat der R33 mehr Präsenz und Aggressionspotenzial, als man zuerst glaubt. Die Kotflügel sind an allen Ecken um monströse 50 Millimeter breiter als beim Standard-Auto. Sein weit aufgerissenes Maul, das tiefe Kinn und die riesigen Lufteinlässe steigern das Drama zusätzlich. Was sich unter der Haube befindet, ist leider ähnlich schmächtig wie die Räder. Unglücklicherweise hat man den rennfertigen, hochempfindlichen Reihensechszylinder von 400 auf 300 PS kastriert. Innen kommt er ebenfalls daher wie ein normaler R33. Abgesehen von einem Alcantara-überzogenen Nismo-Rennlenkrad und hüftumschlingenden Karo-Schalensitzen.

Auch die relativ gewaltige Fahrhöhe und die zwergenhaften schwarz-weiß-blauen Räder, die sehr viel Luft in den aufgepumpten Radhäusern lassen, wirken irgendwie unpassend.





Nissan GT-R Skyline R33 LM

Mit der Homologation in der Tasche fielen zwei R33 LM im Jahr 1995 in Frankreich ein, mit dem Ziel, Le Mans zu gewinnen. Allerdings konnte sich der GT-R gegen Riesen wie den McLaren F1 oder Ferrari F40 nicht durchsetzen.

Das Auto mit der Nummer 22 war nach der Quali 34ster und beendete das Rennen als Gesamt-Zehnter (in der eigenen Klasse reichte es für Rang Fünf, hinter vier McLarens). Der GT-R mit der Nummer 23 war etwas schneller, fiel aber in Runde 157 mit Getriebeschaden aus.


Nissan GT-R Skyline R33 LM

Obwohl man 1996 mit einem stärkeren und konkurrenzfähigeren R33 zurückkehrte, beendete man das GT1-Programm ein Jahr früher als geplant. Schuld war die demoralisierende Pace des Porsche 911 GT1.

Aber so oder so bleibt die Straßenversion des Nissan GT-R Skyline R33 LM ein heiliges Juwel in Nissans Motorsport-Geschichte. Sie ist ein Breitbau-Berserker, der zu wertvoll ist, um ihm Freigang zu gewähren ...


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