Vom Quattro über den Veyron bis zum Porsche 917 – so veränderte Ferdinand Piech, der Konzernchef von Volkswagen, die Fahrzeugwelt

Das waren Ferdinand Piëchs tollste Autos

Die Vorstandsmitglieder von Automobilherstellern sind üblicherweise so spannend wie der Tisch, um den sie sitzen, während sie Gewinnspannen und das Aktionärsverhalten erörtern. Nicht so Ferdinand Piëch.

Als Enkel des Porsche-Gründers Ferdinand Porsche ist der in Österreich geborene Piëch seit sechs Jahrzehnten einer der Giganten der Fahrzeugindustrie. Er lenkte den Aufstieg des mächtigen VW-Konzernimperiums von einem desorganisierten Durcheinander zu einem marktbeherrschenden einträglichen Riesen der Branche.

Diese Woche jedoch trat der bekanntermaßen unnachgiebige Ferdinand Piëch vom VW-Aufsichtsratsvorsitz zurück, nachdem er im Machtkampf mit dem Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn eine Niederlage erlitten hatte.

Im Rahmen einer enorm einflussreichen Karriere entwickelte er ein außergewöhnliches Fahrzeugportfolio – sein Vermächtnis umfasst alles von Allrad-Rallye-Wagen über Familienvans bis hin zu 1000-PS-Hypercars. Hier nur einige von Piechs feinsten Errungenschaften ...






Porsche 917

Porsches erstes Le-Mans-Siegerauto zeigte zunächst nur wenig Anzeichen, dass es auf Anhieb zu einer unsterblichen Wettbewerbslegende werden würde. Sicherlich entwickelte er aus seinem Zwölfzylinder-Mittelmotor massive Leistung und sein geschweißter Rohrrahmen (gasgefüllt, sodass Risse durch den Druckabfall entdeckt werden konnten) war gleichermaßen leicht und raffiniert – doch das Fahrzeug wurde zum Witwenmacher.

Aufgrund der sehr schlechten Bodenhaftung am Heck war der 917 für kurvige Strecken wie den Nürburgring und Spa nicht gut geeignet, sodass der erste Fahrer, der den brandneuen 917 im Jahr 1969 in Le Mans im Renneinsatz fuhr, bei hoher Geschwindigkeit von der Strecke abkam und tödlich verunglückte.

Piëchs Lieblingsprojekt, ein siegreiches Langstreckenfahrzeug zu bauen, das Fords GT40 und die illustren Ferraris schlägt, hätte hier enden können. Doch durch unermüdliche Weiterentwicklungen an der Aerodynamik wurde der 917 zur dominanten Kraft im Rennsport und gewann Le Mans 1970 und 1971, bevor die ungeheuerliche 1100-PS-Can-Am-Version auf der Bildfläche erschien.




Audi 80/100

Es ist schon ein erstaunlicher Gedanke, dass Audi beim Verkauf von Premiumfahrzeugen vor gerade einmal dreißig Jahren eine ähnliche Position innehatte wie die Marke Infiniti heute. Piëch leitete die Entwicklung der 80er- und 100er-Modelle des Unternehmens (die Vorläufer des heutigen A4 und A6), einschließlich des Einsatzes seines 2,5-Liter-Fünfzylinder-Turbodieselmotors, des ersten Produkts aus dem Hause Audi, welches das „TDI“-Zeichen trug. Das erste von vielen ...


Audi Quattro

Genauso, wie sich Piechs Motivation für den Bau des Porsche 917 aus einem Wechsel der Vorschriften ergab, die für eine Qualifikation nur die Produktion von 25 Fahrzeugen forderten, entstammte sein Plan, Audi als Meister des Rallyesports zu etablieren, der Zulassung des Allradantriebs bei Rallyes.

Das Ergebnis war der kultige Quattro, der 1982 und 1984 den WRC-Titel gewann. Diese Entwicklung war außerdem die Geburt einer so mächtigen Legende, dass Audi bis heute seine Marke um die Werte Allrad und Allwetterleistung aufbaut – vom S1 Sportback bis zum R8 Supersportler.


Bugatti Veyron

Piechs plattformübergreifendes und teilesparendes Kooperationskonzept hat dem VW Konzern Millionen gespart, doch vermutlich werden seine verrückten Projekte, bei denen Geld keine Rolle spielte und dessen ambitioniertestes wohl der Bugatti Veyron war, sein bedeutendstes Vermächtnis bleiben.

Nachdem er die grundlegende Form vorgestellt hatte (wohl kaum die windschnittigste Karosserie, die je für einen Supersportler entwickelt worden war), wies Piëch seine Ingenieure an, diese Hülle mit einem 1000 PS starken Motor zu füllen und forderte eine Spitzengeschwindigkeit von mindestens 400 km/h.

Nie zuvor musste ein Kühler einen so leistungsstarken, in einem Straßenfahrzeug verbauten Motor kühlen. Nie zuvor waren Reifen hergestellt worden, die diese Art von Belastung bewältigen konnten und gleichzeitig auch auf einer nassen Nebenstrecke funktionierten. Und es ist sicher vorstellbar, wie schwierig es war, ein Getriebe zu bauen, das sofort schaltet, während es 1250 Newtonmeter bewältigt, und sich doch anständig verhält, während man sich durch den dichten Verkehr manövriert ...

Der Veyron übertraf sämtliche der vorgenannten Anforderungen, und ganz gleich, ob man der Meinung ist, dass dies eine kostspielige Verrücktheit oder ein echter Concorde-Moment ist, bleibt er doch ein Meisterstück der Ingenieurskunst.






VW Phaeton

Bei einem anderen Versuch „das beste Auto der Welt“ zu bauen, erschuf Piëch eine von einem Twin-Turbo-W12-Motor angetriebene Allradlimousine, die unter der Marke VW vorgestellt wurde und die Mercedes-S-Klasse herausforderte.

Etwa die Hälfte des Spitzen-Technikerteams brach in Protest aus, als Piëch die ambitionierten Eigenschaften enthüllte, über die das Fahrzeug zwingend verfügen sollte, zum Beispiel eine vibrationsfreie Motorhaube, auch bei einem Fahrtwind von 300 km/h.

Im Hinblick auf die Verkaufszahlen war der Phaeton größtenteils ein Misserfolg, wenn er jetzt auch in China gut läuft; diejenigen jedoch, die ihn kauften, fanden sich in einem der am akribischsten konstruierten Fahrzeuge des letzten Jahrzehnts wieder. Und last, but not least trug der Phaeton viel – einschließlich seines Antriebsstranges – zur äußerst erfolgreichen Bentley-Continental-Familie bei, Crewes erfolgreichstem Produkt aller Zeiten.




VW Golf 4

Der Golf 4 war der Inbegriff von Piechs Markenstrategie, die darin bestand, die wahrgenommene Qualität des Produktes zu verbessern (und es begehrenswerter zu machen) und zeitgleich die Anzahl der für den Bau der Serie erforderlichen Bauteile zu reduzieren (und somit Geld zu sparen und den Gewinn zu maximieren).

Paul Horrell von TopGear erinnert sich an den Golf 4: „Das war damals ein großer Sprung. Ich erinnere mich, es war so, als sei er von einem anderen Planeten gelandet.“

Der GTI war keine Sternstunde von VW, aber die regulären Versionen verkauften sich großartig und VWs Kasse füllte sich deutlich über das Niveau hinaus, bei dem sie vor Piechs Engagement stagniert war.




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