Halten Sie zur Überprüfung durch den Droiden am Empfang Ihre holografische Fahrer-ID bereit. Es gilt die atomare Gefahrenstufe ...

Tesla Model S P85D vs BMW i8

Wir treffen auf das erste E-Auto und auf einen Hybriden für unter eine Million Euro, die je auf einer TopGear Speed Week zu sehen waren. Und die beiden sind ganz bestimmt nicht hier, um unsere CO2-Bilanz auszugleichen oder, nachdem zuvor ein Kampfhubschrauber beim „Chicken Game“ mit einem McLaren P1 GTR die festgelegte Lärmgrenze pulverisiert hatte, unsere Ohren wieder zu beruhigen.


Tesla Model S P85D vs BMW i8

Als ich mit dem Tesla aus der Boxengasse rolle, weiß ich, dass ich keine Strafverfolgung zu befürchten habe – obwohl er hier das schnellste Auto ist. Ausschlaggebend für seine unfassbare Beschleunigung ist der Zusatz „P85D“. Die 85 bezieht sich auf die Batterieleistung von 85 kWh, die diesen Wagen zum M5 unter den 5ern macht. Das D steht für Dual Motor und ist ein subtiler Hinweis auf die raketenhafte Performance der 2 100 Kilogramm schweren Fünf- (oder Sieben-) Sitzer-Limousine.

Zu den 476 PS des Heckmotors, der schon ohne Hilfe stark genug war, um das größenmäßig an den Panamera heranreichende Model S ballistisch schnell anzutreiben, bringt der zweite Motor 224 PS an die Vorderachse. Ein netter g-Kraft-Cocktail: Allradantrieb, 700 PS und 942 Newtonmeter Drehmoment, das sich schon beim schieren Blick auf das Gaspedal entfaltet. Dabei ist Tesla-Gründer Elon Musk kein Bond-Bösewicht, er bringt einfach nur menschenfreundliche Power unters Volk.


Tesla Model S P85D vs BMW i8

Es ist weniger die schiere Beschleunigungskraft als vielmehr deren spontane Verfügbarkeit, die dir die Eingeweide herausreißt und die Augenlider an den Anschlag bringt. Und Beschleunigung ist eigentlich auch das falsche Wort. Es impliziert nämlich, dass die Geschwindigkeit ansteigt, was beim P85D aber nicht so richtig der Fall ist, denn zwischen Schnecken- und Raketentempo liegt bei ihm (fast) nichts. Vielleicht ist Teslas Bezeichnung Insane Mode („Wahnsinns-Modus“) einen Hauch zu gewagt, aber Tesla darf ruhig angeben. Nichts anderes auf vier Rädern ist so sanft und gleichzeitig so aggressiv.

Ein Beispiel dafür gefällig, wie Tesla die Gesetze der Autoindustrie aufmischt? Alle 85-kWh-Teslas können über Nacht schneller werden. Während ihre Besitzer schlafen, schickt Tesla ein Update der Motorsteuerung an jedes Auto. Das reduziert die Zeit für den Sprint von null auf 100 km/h von 3,4 auf 3,3 Sekunden – und gibt dem Tesla eine halbe Länge Vorsprung vor dem McLaren F1. In einer Welt, in der Rennteams Millionen für Zehntelsekunden ausgeben, darf man vor dieser Limousine, die über Nacht einen Zahn zulegt, ruhig mal den Hut ziehen.


Tesla Model S P85D vs BMW i8

Ich taumele vom Model S hinüber zum i8 und lasse mich in den tiefen Sitz fallen. Es fühlt sich betulich, ja sogar gewöhnlich an, als der Benzinmotor des BMW auf halber Distanz anspringt. Aber: Wir sollten den i8 nicht unterschätzen, weder als GT auf internationalem Parkett, noch als echten Sportwagen in Konkurrenz zur europäischen Elite, und natürlich ist er auch hier auf der Rennstrecke allen Anforderungen gewachsen.

Im Kurveneingang muss man seinen Gasfuß etwas zügeln. Die Reifen haben für eine bessere Aerodynamik etwas von ihrer Auflagefläche hergegeben, die Rollneigung ist ordentlich, und die Leichtigkeit der Lenkung ist, na ja, gewöhnungsbedürftig. Aber wenn man sich erst mal eingearbeitet hat, kann man sich ohne Ende in ihn hineinhängen. Du spürst, dass der Schwerpunkt irgendwo in der Nähe der Knöchel ist, lässt den Wagen sanft in die Kurve gleiten und wartest geduldig ab, bis sich die Aufhängung zusammendrückt. Dann zielen – und feuern.


Tesla Model S P85D vs BMW i8

Das Elektrodrehmoment des i8 von 250 Newtonmeter zieht die Vorderachse mit laserscharfer Genauigkeit aus langsamen Kurven heraus, und just in dem Moment, wo der unsichtbare Energiestrom abzuflauen beginnt, schaltet sich die zweite Kraftquelle des i8 in Form des 231 PS starken TwinPower-Turbomotors ein. Die gute alte Verbrennungskraft bewährt sich besonders auf dem langen Anstieg hinauf zur Kurve 2. Während der P85D locker die 160-km/h-Marke erklimmt, um sich danach jeden Extrakilometer hart zu erarbeiten, schwingt sich der i8 ohne Anstrengung über 200 km/h hinaus, bevor die kniffelige Rechtskurve den Tritt auf die Bremse verlangt, und der Generator die Bremsenergie eifrig in Strom umwandelt.

Es sind die Bremsen, nicht die Leistung, die den Tesla daran hindern, die ganze Runde über am Heck des i8 zu bleiben. Bremsschwund ist aber nicht das Problem – es liegt einzig und allein am Gewicht, das die Bremsen zu bewältigen haben. Mit 2 106 Kilo ist das Model S einen ganzen Caterham schwerer als der i8, und es braucht große Strecken, um seinen ungeheuren Speed auszuspielen.


Tesla Model S P85D vs BMW i8

Wahrscheinlich erwartet ihr jetzt, der Rest der Runde sei Schrott gewesen. Hatte ich auch gedacht. Ich konnte den Wagen abbremsen, dann in die Kurve einlenken und das Stöhnen der Reifen hören und beglückwünschte mich zu der Prophezeiung, dass der Tesla auf seinen nahtlos eingelassenen Türgriffen landen würde. Falsch.

Aufgrund der Unterbringung der 18.650 Zellen des Model S in dem Skateboard-förmigen Chassis unter dem Boden hat der Wagen einen Schwerpunkt wie eine Schlange. Wegen des hohen Gewichts und weil er Allradantrieb hat, habe ich ihn wie einen großen Audi gefahren und aufgrund der heftigen Massebewegung Untersteuern erwartet. Doch die schweren Teile verteilen sich über die ganze Länge des Chassis, und da, wo beispielsweise beim RS 7 ein riesiger V8 sitzt, ist beim Tesla nichts als frische Luft. Deshalb zieht sich die Nase förmlich durch die Kurve und du kannst ordentlich Speed aufbauen. Unheimlichen, wundersamen, kilometermordenden Speed.


Tesla Model S P85D vs BMW i8

Keines dieser beiden Version-2.0-Autos verhielt sich auf dem Red Bull Ring auch nur annähernd so, wie ich es befürchtet hatte. Für mich ist der i8 nach dem Huracán das fahrerfreundlichste Mittelmotor-Supercar, dem ich je begegnet bin. Ob diese Autos vielleicht irgendwann den Turing-Test bestehen werden?

1950 prophezeite Enigma-Code-Knacker Alan Turing, dass es innerhalb eines Jahrhunderts möglich sein würde, eine sinnvolle Unterhaltung mit einer künstlichen Intelligenz zu führen. Angesichts von Apple Siri und der Fortschritte bei der automobilen Sprachsteuerung dürfte das vielleicht schon in zehn Jahren klappen. Vor fünf Jahren hätte niemand geglaubt, dass einen eine Autobatterie mal auf einer Rennstrecke sprachlos machen würde. Diesen beiden sensationellen Autos ist das schon gelungen.


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