Weil Performance auch abseits der Strecke zählt ...

Ariel Nomad vs Range Rover Sport SVR vs TopGear-Rallye-Auto

Dies ist nicht das erste Mal, dass ich mich auf einer TopGear Speed Week in einem Feld wiederfinde. Das letzte Mal ist schon ein paar Jahre her, ich war in einer Mercedes C-Klasse Black Series, gleich hinter Hammerhead, als Verursacher wurde „Mangel an Fahrkünsten“ ausgemacht, und das Endergebnis war ein ziemlich großes Feuer.

Diesmal ist die Situation weniger feurig, eher ländlich. Wir stehen hoch über der Remus-Kurve im Gras, ich lehne mich oben aus dem Gerüst des Atom-Schwestermodells Ariel Nomad heraus und beäuge TopGears Liegenschaften. Unten kämpfen alle Arten von exotischen und flachen Sportwagen um die Ehre, aber hier oben herrscht die absolute Ruhe. Große Hummeln hummeln zwischen wilden Blumen hin und her, Tannen wiegen sich rauschend im Wind, und Pollenschwaden senken sich ins Nomad-Cockpit.


Ariel Nomad vs Range Rover Sport SVR vs TopGear-Rallye-Auto

Von Steuerbord ein Knistern, ein Range Rover Sport SVR durchpflügt mit der Grazie eines Rhinozeros‘ das Unterholz, ein schnaubendes, brabbelndes 550-PS-Achtzylinder-SUV. Ein Klappern an Backbord, und aus dem Dickicht springt das Hyundai-i20-Rallyeauto hervor, mit dem TopGear England bei der Rallye Wales im letzten Jahr den Klassensieg eingefahren hat. Langsam wird dieser Rallye-Hyundai zur Inkarnation des Stig: Keiner weiß, wer ihn eingeladen hat, aber irgendwie ist er hier.

Willkommen also zur eigenartigsten Gruppierung der Speed Week, zu unserem Trio, das wir die Geländegänger genannt haben. Der heckgetriebene Ariel, der vierradgetriebene Über-Range und das Frontantriebs-Rallyeauto scheinen zunächst in ihrer DNA keine Gemeinsamkeiten zu haben, aber sie alle sind der Beweis dafür, dass „schnell“ nicht unbedingt immer einen wenige Millimeter über dem Boden liegenden Frontsplitter oder Slicks bedeuten muss. Sie eröffnen eine völlig neue Performance-Welt: die ganze Welt. Wenn euch die 4C fahrenden Zombiehorden auf den Fersen sind, braucht ihr einen von diesen hier.


Ariel Nomad vs Range Rover Sport SVR vs TopGear-Rallye-Auto

Aber so schön es hier oben auf dem Hochfeld über dem Red Bull Ring auch ist, die Speed Week ist zuallererst ein Tracktest, und so müssen wir uns widerstrebend zurück auf den Boden der Tatsachen begeben. Und so rumpelt der Range Rover Sport SVR auf die Strecke.

Manch einer mag es unfair finden, einen 2,3 Tonnen schweren Range Rover einem Tracktest zu unterziehen, aber selbst Range Rovers Performance-Arm SVO zeigte den Neuen in seinem ersten Video auf einer rasanten Rennrunde im britischen Rockingham, also wollen wir nur das Statement nachprüfen. Und für einen 2,3-Tonner benimmt sich der SVR auf der Strecke ganz beeindruckend. Wie ein gerade gebranntmarktes Pferd bäumt sich der Brite auf und sprintet nach offiziellen Angaben in nur 4,7 Sekunden auf 100 km/h, eine Zeit, die selbst waschechte Sportwagen schlecht aussehen lässt.

Dieser Achtzylinder-Range-Rover hat den allerbesten Sound aller bisher dagewesenen SUVs: Er gibt ein Fauchen von sich, ein Grunzen und Knallen, dass es nur so eine Freude ist. Mitfahrern wird schwindelig, und selbst in drei Kilometer Entfernung kann man sich noch an seinem Sound erfreuen. Sicher, der SVR kostet 126.400 Euro, aber überlegt doch mal, wie viel Ihr beim Spotify-Abo sparen könnt.




Ariel Nomad vs Range Rover Sport SVR vs TopGear-Rallye-Auto

Das Problem ist aber, dass der SVR bei aller Performance eben immer noch 2,3 Tonnen wiegt, mit einem Schwerpunkt einen halben Meter über dem Überrollbügel des Nomad. Wer in der Bergabpassage am Ende von Turn 3 (einer schwierigen Schräghang-Kurve) heftig in die Eisen geht, bei dem bedankt sich der Rangie mit so einem Kopfstand, dass man als Nächstes eine komplette Rolle vorwärts erwarten möchte.

So viel Masse vergrößert auch Fahrfehler in einem peinlichen Ausmaß. Als ich Kurve 2 zu übermütig angehe, folgt für den RRS und mich eine 200 Meter lange Exkursion über den Kunstrasen an der Kurvenaußenseite, die nur um Haaresbreite ohne ein Tête-à-Tête mit der Leitplanke endet. Eine Fahrt mit dem Sport ist wohl nicht die schnellste Art, die Strecke zu umrunden, aber ein bisschen Schräglage ist auch nicht unbedingt etwas Schlechtes. Die meisten Autos bei der Speed Week liegen dagegen so tief, dass sie Kurven ganz ohne Seitenneigung umrunden. Da ist es eine erfrischende Abwechslung, mal mit ein bisschen Gewicht und Zentrifugalkraft arbeiten zu können. Der Range ist auf der Strecke kein Präzisionsinstrument, aber ein vergnügliches Wrestlingmatch ist er allemal.


Ariel Nomad vs Range Rover Sport SVR vs TopGear-Rallye-Auto

Ungeplante Ausflüge in die Botanik stellen unseren Rallye-Hyundai nicht vor große Probleme, er hat mit 156 PS einfach nicht genügend Leistung. Egal, wie sehr wir auch versuchen, den i20 aus der Ruhe zu bringen, er gräbt sich in die Strecke und kämpft ums Überleben, während ihn die Speed-Week-Kombattanten rücksichtslos überholen. Ich merke sehr schnell, dass Bremsen auf dieser Strecke eigentlich unnötig ist. Man muss mit ihm einfach nur in die Kurve gehen, vorher ein, zwei Gänge runterschalten, und dann den Speed schlicht über die Seitenkräfte abbauen. Vollgas überall.


Ariel Nomad vs Range Rover Sport SVR vs TopGear-Rallye-Auto

Die Gesamtübersetzung, obwohl perfekt für eine Rallyeprüfung im tiefsten Wales, ist für diesen großen schnellen Kurs einfach zu kurz, wo der Sechste nur bis rund 145 km/h reicht. Damit wird die Verbindung zwischen den Kurven 1 und 2 zu einer eher langwierigen, lauten und klapprigen Angelegenheit.


Ariel Nomad vs Range Rover Sport SVR vs TopGear-Rallye-Auto

Vielleicht fährt der Rallye-i20 hier nicht die saubersten Kurven, aber er macht einen Mordsspaß. Schreit sich die Lunge aus dem Hals, wie er den Ring umkurvt, knallend die Gänge im sequenziellen Getriebe schaltend, und innen mit einem Krach wie eine Waschmaschine im letzten Schleudergang. Er ist ein Vertreter einer einfacheren Ära des Fahrens, als Leistung noch nicht so einfach zu holen war, wo man um den Speed in jeder Kurve kämpfen musste. Langsam und lautstark mag er wohl sein, aber der tapfere kleine Hyundai zaubert ein Grinsen auf das Gesicht von jedem, der mit ihm unterwegs ist.


Ariel Nomad vs Range Rover Sport SVR vs TopGear-Rallye-Auto

Allerdings kein so breites Grinsen wie der Nomad. Sollte es irgendwo auf der Welt ein ehrlicheres und fröhlicheres Auto geben, habe ich es noch nicht gefunden. Der Nomad fährt so, wie wir uns das als Kinder vorgestellt haben, als wir unsere Matchbox-Autos über den Wohnzimmerteppich geschoben haben. Vielleicht sogar noch mehr als beim Atom (und trotz der Frontscheibe) fühlt man sich als Teil des Ganzen, Teil der Straße selbst, irgendwie tief eingegraben in das Innere des Autos, den Honda-Motor auf voller Lautstärke hinter sich. Er ist wohl nicht ganz so superschnell wie sein Schwestermodell, doch schnell ist der Nomad immer noch: Beim Sprint auf 100 km/h vergehen nur 3,4 Sekunden, das sollte für die meisten von uns reichen.

Wer schnell in eine Kurve reingeht, dem erlaubt die Federung anders als beim brettebenen Atom eine ziemliche Seitenneigung, gefolgt vom Quietschen an den Vorderrädern, wenn die Reifen den Grip verlieren. Keine dusseligen Slickreifen hier, obwohl Atom sie auf Kundenwunsch herzensgerne zur Verfügung stellt. So macht es aber mehr Spaß. Mit einem kurzen Tritt auf Gas richtet sich das Heck wieder ein, wirft sich der Nomad mit Vergnügen in die nächste Kurve. Rennfahren auf einfachstem Level, nur Physik und Mechanik, sonst nichts.


Ariel Nomad vs Range Rover Sport SVR vs TopGear-Rallye-Auto

Am Limit ist der sicher tolle Atom sehr viel schwieriger zu bewegen als der Nomad, dessen Grenzen früher kommen – ein für uns Nicht-Stigs überzeugenderes Erlebnis. Ok, ein paar ganz kleine Probleme hat der Nomad schon: Ganz in den Gurten festgezurrt, ist es fast ganz unmöglich, weit genug nach hinten zu reichen, um die Handbremse bedienen zu können. Das Fehlen jedweder Türen bedeutet, dass das, was eben noch draußen war, jetzt ganz schnell drinnen ist – in diesem Fall: Pollen, und für einen unangenehmen kurzen Augenblick ein ziemlich großes Stück Range-Rover-Rückspiegel.

Aber das ist alles Teil des nomadischen Erlebnisses, das Gefühl, direkt in die Oberfläche eingeklinkt zu sein, über die man gerade fährt: Strecke, Straße, Feld, Düne, Vulkan.


Ariel Nomad vs Range Rover Sport SVR vs TopGear-Rallye-Auto

Vor ein paar Jahren habe ich mal geschrieben, dass ich, wenn ich je 50.000 Euro geschenkt bekäme, mir einen Atom kaufen würde und eine windschiefe Hütte irgendwo ganz weit weg in den schottischen Highlands und fortan den Rest meiner Tage als glücklicher Einsiedler mit einem verzerrten Grinsen zubringen würde. Ich muss das revidieren: Ich würde mir einen Ariel Nomad kaufen und eine windschiefe Hütte ganz weit weg von den schottischen Highlands und würde als Einsiedler mit verzerrtem Grinsen und mit größtem Vergnügen über das Moorland springen. Ein Nomade in einem Nomad sozusagen. Dieses Auto ist ein Vergnügen auf Straße, auf der Rennstrecke oder im Gelände, es verwandelt jede Landschaft in den eigenen Spielplatz. Eine tolle Nummer.


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