Im Ring mit dem 575 PS starken Jaguar F-Type Project 7. Macht euch bereit für Schub, Lärm und sehr viel Qualm

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Es ist also ein F-Type Cabrio mit Flügel und Höcker?
 
Naja … also … irgendwie schon. Aber das ganze Thema darauf zu beschränken, wäre dann doch ein wenig zu einfach.
 
Der F-Type Project 7 ist das Werk von Jaguar Land Rover SVO (Special Vehicle Operations). 2013 gab es bereits einen Prototypen mit nur einem Sitz, aber jetzt ist die richtige, endgültige Version da (mit zwei Sitzen). Also zumindest theoretisch, denn alle 250 Exemplare sind schon verkauft. Laut Jaguar hätte man sogar deutlich mehr absetzen können.
 
Offenbar gibt es genug Menschen, die es okay finden, 155.000 Euro für ein Auto auszugeben, das bei allem außer Kaiserwetter völlig nutzlos ist.
 
Ja richtig, der Project 7 hat kein Dach. Na gut, er hat ein Dach, aber es ist ein seltsames, vierteiliges, zusammensteckbares Notdach für hoffnungslose Situationen. Oder, damit keine betrunkenen Jugendlichen ihre Bierflaschen hineinwerfen, wenn du nachts vor dem Haus geparkt hast. Generell sollte dieses Auto aber offen sein. Und wenn es dann so offen vor einem steht, sieht es absolut umwerfend aus.
 
Wirklich verwunderlich ist das allerdings nicht. Schließlich kommt der Project 7 mit einem Jaguar-D-Type-Gedächtnis-Höcker hinter dem Fahrersitz. Und er kommt auch mit einem größeren Frontsplitter, schärferen Seitenschwellern, einem massiven Diffusor und einem (zugegebenermaßen etwas arg präsenten) Heckflügel. Und quasi als Sahnehäubchen kredenzt er noch Unmengen an Carbon an allen nur erdenklichen Stellen.
 
Klingt ein wenig nach Eisdiele.
 
Ganz und gar nicht. Die Aerodynamik-Upgrades machen alle Sinn. Der Project 7 erzeugt im Gegensatz zu den anderen F-Types wirklich Downforce. Nicht sehr viel, aber immerhin. Und für euch, liebe Daten-Freaks: Bei 300 km/h gibt es 177 Prozent mehr Abtrieb als beim F-Type R Cabrio.
 
Der 5,0-Liter-V8 leistet nun dank etwas mehr Kompressor-Ladedruck 575 PS und 700 Newtonmeter (im F-Type R sind es 550 PS und 680 Newtonmeter). Das macht den Project 7 zum stärksten Serien-Jag aller Zeiten. Zum lautesten wahrscheinlich auch, aber dazu komme ich gleich noch.
 
Über eine geschärfte Achtgang-Automatik sowie ein elektronisches Sperrdifferenzial geht der furchteinflößende Kraftschwall ausschließlich nach hinten. Null auf hundert dauert jetzt noch 3,9 Sekunden und damit der Fahrtwind dich und deine Begleitung nicht irgendwann köpft, schiebt Jaguar dem Vorwärtsdrang bei 300 km/h elektronisch den Riegel vor.
 
Desweiteren verliert der Project 7 immerhin 45 Kilo, was hauptsächlich am fehlenden Dach sowie einem Paar neuer und großartiger Schalensitze liegt. Seltsamerweise sind die Schalen ultradünn und sehen aus, wie aus einem geheimen Luxus-Rennsport-Labor, aber sie sind elektrisch verstellbar. Ob da nicht noch ein paar Kilos drin gewesen wären?
 
Die größte Arbeit steckt aber wohl im Fahrwerk. Es gibt neue, höhenverstellbare Federn und Dämpfer (die Federn sind vorne um 80 Prozent straffer als bisher), geänderte obere Federbeinlager, neue Querstabilisatoren vorne und hinten, neue Achsschenkel und mehr Negativ-Sturz vorne.
 
Serienmäßig rollt der Project 7 auf 20-Zöllern mit speziellen Continental-Conti-Force-Contact-Reifen, hinter denen reichlich monumentale Carbon-Keramik-Bremsen für angemessene Stopp-Gewalt sorgen.
 
Zu guter Letzt wurden auch noch die elektromechanische Lenkung sowie das Gaspedal mit einer optimierten Kalibrierung versehen. Mit anderen Worten: Das hier ist mehr als eine reine Marketing-Nummer.
 
Und, gut?
 
Durchaus. Jaguars Fünfliter-V8 war Zeit seines Lebens mit einem mehr als generösen Bumms gesegnet. Nun eben noch ein bisschen mehr. Auf der Magenschwinger-Skala ist der Project 7 schon sehr weit vorne mit dabei. Und das dank Kompressor eigentlich über den kompletten Drehzahlbereich. Das hier ist die Art von Beschleunigung, die dir wahllos (und häufig) dreckige Schimpfwörter entlockt.
 
Der zugehörige Klang geht in eine ähnliche Richtung. Spätestens mit dem Druck auf den Auspuff-Knopf in der Mittelkonsole schießt sich der Project 7 in die akustische Komik-Abteilung. All das Gebrabbel, Geploppe und Bäng, Bäng, Bäng ist eigentlich schon zu viel des Guten. Sehr unterhaltsam ist es trotzdem.
 
Wirklich spürbar: Die ZF-Achtgang-Box legt einen ganzen Zahn zu. Sie war vorher schon klasse, jetzt ist sie ansatzlos schnell und trotzdem elegant. Großartig.
 
Sehr gut, er geht und klingt. Was ist mit dem Handling?
 
Ich denke „amüsant“ trifft es ganz gut. Trotz einer mehr als beachtlichen Nordschleifenzeit von 7:35 Minuten ist der Project 7 nämlich nicht unbedingt die Neuerfindung des F-Type. Er wirkt ein bisschen agiler, hat ein bisschen mehr Lust einzulenken und findet in der Kurve auch ein bisschen mehr Grip.
 
Sprich: Nicht jeder Versuch, in der Mitte der Kurve aufs Gas zu gehen, endet in Tonnen an Rauch und absurd großen Driftwinkeln.
 
Natürlich kannst du auch mit dem Project 7 Container-Ladungen an Reifen frittieren, extrem leicht sogar (er bleibt die geborene und genial zu kontrollierende Übersteuer-Koryphäe), aber wenn du zur Abwechslung mal seriös schnell sein willst, dann macht er jetzt eben etwas besser mit.
 
Richtig Hardcore ist er also nicht?
 
In Sachen Speed, Sound und Drama ist er absolut Hardcore. Aber selbst im Dynamik-Modus fühlt er sich etwas weich und schwer und wankig an. Außerdem funkt die superschnelle Lenkung nicht immer sooo genau durch, was da vorne so alles passiert.
 
Auch der Project 7 ist also mehr Muscle Car als 911 GT3. Dafür ist er – und das ist jetzt kein Witz – bemerkenswert alltagstauglich. Außer, wenn es regnet natürlich. Aber hey, er federt richtig gut, hat alle Annehmlichkeiten, die der normale F-Type auch hat und du kannst mit ihm richtig gemütlich dahinbummeln, wenn du das denn unbedingt willst.
 
Wenn du das irgendwann nicht mehr willst, drückst du einfach zwei Knöpfe (Dynamik, ESP off) und legst die Welt wieder in eine Wolke aus Krach und Qualm.
 
Also doch alles gut?
 
Eigentlich ja. Vielleicht hätte man sich von einem Kleinserienauto, das von einer Truppe namens Special Vehicle Operations kommt, etwas mehr Fokus, Präzision und Kompromisslosigkeit gewünscht.
 
Auf der anderen Seite fühlt sich der Project 7 wirklich speziell an und ich glaube, er ist eines von den positiven, glücklichen Autos, die auch mal über sich selbst lachen können.
 
In einem Porsche Turbo dürftest du Kreise um den SVO-F-Type fahren, aber ich weiß definitiv, in welchem Bock das dämliche Grinsen am Ende des Tages größer ist.
 
Letztlich ist das auch das Geheimnis des Project 7: grundehrlicher, leicht eskapadöser, reifenmordender V8-Spaß. Das darf gerne so weitergehen. Hab ich gerade F-Type R-S gehört?
 
Autor: Stefan Wagner
 
Daten: 5000 ccm, V8-Kompressor, Frontmotor, Heckantrieb, 575 PS, 700 Nm, 10,7 l/100 km, 255 g/km CO2, 0-100 km/h in 3,9 s, 300 km/h Spitze, 1620 kg, 155.000 Euro

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