Ja, das Ding hat 547 PS, aber bei diesem Auto geht es nicht um Zehntelsekunden, sondern um Lässigkeit und Stil

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Was ist das?
Der Aston Martin DB9 GT. Betrachtet ihn als Facelift, nicht als neues Modell, denn er ersetzt den normalen DB9.

Trotzdem ist der Zusatz „GT” wichtig, weil er mehr Power bedeutet. Der ehrwürdige 6,0-Liter-V12 hat eine Auffrischung bekommen – nun ja, es ist nur eine kleine Justierung der Elektronik, die 30 Extra-PS bringt.

Was wurde sonst noch geändert?
Die Ausstattung. Der GT wurde im Stil eines Stealth-Flugzeugs umgestaltet: schwarzer Splitter und Diffusor, schwarze Bremszangen, überarbeitete Leuchten, dunkle 20-Zoll-Zehnspeichen-Alufelgen, GT-Plaketten und so weiter. Wenn ihr wollt, macht euch Aston Martin einen Splitter und einen Diffusor aus Carbon dran – für rund 3500 Euro.

Wenn man bedenkt, wie alt der DB9 ist (er startete im Jahr 2004), könnte man das für ein ziemlich sinnloses, fast würdeloses Vorgehen halten.

Ist es aber nicht. Der DB9 GT sieht absolut fantastisch aus. Die hinzugekommenen Elemente sind subtil und geschmackvoll gehalten, und die Eleganz des DB9 schimmert immer noch durch. Dies ist eines der ganz, ganz wenigen neuen Autos, die als zeitlos gelten dürfen.

Eine radikale Überarbeitung ist das aber kaum, oder?
Nein. Aus der wirtschaftlichen Perspektive gesehen ist der GT ein Trick, um noch ein paar Verkäufe aus einem alternden Produkt herauszuholen. Aber es ist schwer, einen Aston Martin so nüchtern zu betrachten.

Er ist vielleicht nicht Grimassen generierend schnell, er kommt vielleicht nicht wie eine Kunstflug-Maschine um die Kurven und spricht auch nicht so schnell an, wie der Blitz einschlägt, aber der DB9 ist so cool, dass es weh tut. Ist er wirklich.

Vielleicht ist das so, weil er gerade nicht solche Extreme bei Tempo und G-Kräften erreicht wie andere Sportwagen, oder weil er ihnen nicht hinterherjagt. Ich glaube, das macht ihn cool – dass er sich nicht zu sehr anstrengt.

Demnach ist er lahm?
Kommt drauf an, was man lahm nennt. 0 auf 100 km/h in 4,5 Sekunden und 295 km/h Spitze kommen mir nicht sonderlich lahm vor, aber das Besondere ist, wie er seine Power zur Verfügung stellt.

Mit 547 PS ist er der stärkste DB9 überhaupt, aber der lässige V12 scheint nie wirklich hart zu arbeiten. Er ist sanft, kultiviert und urban: kraftvoll, aber mit Understatement.

Ja, er wird auf jeder Straße mit so viel Elan und Vitalität voranstürmen, wie ihr es mit dem Gasfuß zulasst, aber ihr werdet nie das Gefühl haben, dass das Auto für sein Tempo besonders schwer arbeiten müsste.

Dadurch lässt sich der Wagen sehr entspannt fahren. Das Drehmoment ist nicht gestiegen – es sind immer noch 620 Newtonmeter bei ganz schön hohen 5500 U/min – aber ein großer Batzen davon ist schon viel früher verfügbar. Ihr braucht also nicht zu viel an den Paddles rumzumachen, einfach nur aufs Gas, und los gehts.

Ich muss sagen, diese Drehmomentwandler-Automatik ist auch ein viel angenehmeres Getriebe als die sequenzielle Schaltung des GT12. Die Gangwechsel sind viel weniger aufdringlich, und die Ansprechverzögerung ist schön kurz.

Ist was beim Fahrwerk passiert?
Nichts. Immer noch die gleiche Konstruktion mit doppelten Dreiecksquerlenkern an allen Ecken, mit dreistufiger adaptiver Dämpfung.

Die Modi „Normal” und „Sport” decken alles ab – die „Track“-Einstellung braucht man nicht, nicht zuletzt, weil sie nicht richtig zu Aston Martin passt. Ihr wollt es trotzdem ausprobieren und richtig schnell fahren? Lasst es sein, um Gottes Willen.

„Sport” ist so straff, wie ein Aston Martin auf der Straße sein sollte, und, wenn ihr es immer noch nicht verstanden habt, der DB9 ist kein Auto für die Rennstrecke. Er ist nur eine nette, flotte Art, herumzukommen. Die Lenkung ist gerade richtig ausgelegt und bietet genau die richtige Rückmeldung für den Fahrer (hydraulisch, so muss es sein, amen), das Handling ist knackig.

Das Fahrgefühl im DB9 GT ist ohne Ecken und Kanten – was man als Vor- und Nachteil ansehen kann. Er ist sehr charismatisch, und alle Komponenten sind so ausgesucht, dass sie das gleiche entspannte und doch souveräne Gefühl ergeben. Sie hatten ja auch über zehn Jahre Zeit, es so hinzukriegen.

Wohl wahr. Ist Aston Martin nicht hintendran?
Nun ja, indem die anderen Marken in spezielle Richtungen gegangen sind – zum Beispiel Turbotechnik, Doppelkupplungsgetriebe, Allradantrieb, komplexe Elektronikhelfer für (theoretisch) mehr Sicherheit – haben sie die Bühne verlassen, auf der Aston Martin steht.

Man kann Aston Martin deswegen einfach als zurückgeblieben bezeichnen, und in gewisser Weise ist das korrekt. Aber die Marke ist an einem angenehmen Ort zurückgeblieben, und baut nun Autos wie sonst keiner. Okay, Autos ähnlich wie die von Bentley, aber ein bisschen flacher, leichter und schlanker.

Für Aston Martin ist es in Zukunft wichtig, dass die Autos diesen Reiz nicht verlieren, egal welche neue Technologie oder welches neue Design kommen mag.

Der DB9 hat also noch Zukunft?
Derzeit ja. Ein Teil von mir beklagt die Tatsache, dass Aston Martin hinter Porsche und Ferrari zurückfällt, aber ich fürchte, wenn sie das nicht täten, dann wären die Autos keine richtigen Aston Martins mehr.

Und der DB9 GT ist ein echter Aston Martin. Das Interieur wurde fein gemacht ohne Ende – das Ami-II-Infotainment, das mit dem Vanquish eingeführt wurde, ist zum Beispiel jetzt ziemlich logisch – und Qualität, Design und Materialien sind erstaunlich.

Unser Testwagen, vollgestopft mit bronzefarbenem Leder, kupferfarbenen Kontrastnähten, grauen Gurten und schwarzen Pianolack-Details, die zu der silbernen Lackierung passen, war einfach herrlich. Ich hätte es selber nicht halb so geschmackvoll zusammenstellen können.

Wieviel wollen sie dafür?
187.000 Euro nackt, nur 9.000 Euro mehr als für den ausgelaufenen DB9. In etwa der Preis der optionalen B&O-Hifi-Anlage.

Ob es das wert ist, hängt davon ab, ob euch Technologie und gute handwerkliche Ausführung wichtig sind. Aber egal, wie ihr euch hier entscheidet, man kann nicht leugnen, dass die Welt durch den DB9 GT schöner geworden ist.

Autor: Ollie Marriage
 
Daten: 5935 ccm, V12, Frontmotor, Heckantrieb, 547 PS, 620 Nm, 14,3 l/100 km, keine Angabe zu CO2, 0-100 km/h in 4,5 s, 295 km/h Spitze, 1785 kg, 187.000 Euro

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