Wie fährt sich eine Luxus-Limousine mit so viel PS wie ein Ferrari 458 Speciale?

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Was ist das denn? Ein Sondereditions-Trimm für den alternden Audi S8?

Nicht ganz. Die wenigen Styling-Änderungen verbergen einen heißeren S8, der 605 PS leistet und damit genauso viel Power hat wie ein Ferrari 458 Speciale.

Interessiert euch nicht? Okay, dann versuchen wir es mal hiermit: Der S8 plus produziert im Regelbetrieb bis zu 700 Newtonmeter Drehmoment. Aber der Vierliter-Biturbo-V8 – den ihr schon aus dem Audi RS 6 oder dem Bentley Continental GT kennt – hat eine Overboost-Funktion, die für 15 Sekunden sogar für 750 Newtonmeter sorgt.

Das bedeutet, ihr schaut euch gerade den aktuell drehmomentstärksten Serien-Audi an. Eine neu ausgelegte Motorsteuerung, freier atmende Turbos und neue Abgasventile trainierten dem V8 die extra Portion Muskeln an. Als Referenzwert: Ein Standard-S8 kommt auf 520 PS und 650 Newtonmeter Drehmoment.

AMG packt schon seit Jahren irre viel Power in S-Klassen …

Wohl wahr, aber der S8 plus spielt den quattro-Trumpf. In Zahlen bedeutet dies, dass das Schlachtschiff den Null-auf-100-km/h-Spurt in gerade einmal 3,8 Sekunden bewältigt. Jawohl liebe Leute, 3,8 Sekunden mit einer Limousine, die Massagesitze hat.

Okay, coole Zahlen, aber wie fühlt sich so eine Schubkraft an?

Absurd. Die Beschleunigung ist zwar nicht wild oder brutal, aber der S8 plus zieht einfach, während die Turbos keuchen und die Achtgang-Automatik freundlich und stets passend die Gänge wechselt. Ihr verlangt, sie liefert. Keine Unterbrechungen, kein Höhepunkt, nur extreme Traktion und der Druck auf den Rücken.

Die Augen trocknende Beschleunigung ist nicht das eigentliche Highlight, auch wenn diese Aussage wenig überzeugend klingt, denn der S8 plus ist nicht nur ein schnelles Auto, sondern ein Gerät zur Teleportation. Tretet das Gaspedal durch und fliegt mit Lichtgeschwindigkeit ans Ziel.

Besonders wohl fühlt sich der Wagen natürlich auf der Autobahn, wo Handling nicht gerade das Wichtigste ist. Hier ist der S8 zu Hause, wenn bei 200 km/h die Nachbrenner gezündet werden und ihr alles, was bei 250 km/h abgeriegelt ist, einfach stehen lasst. Natürlich nur, wenn ihr die optionale Vmax-Anhebung ordert, aber dann sind 305 km/h drin. Ebenfalls auf der Aufpreisliste findet ihr Keramikbremsen, die den plus souverän zurück auf Null bringen.

Er hat einen V8. Klingt der denn gut?

Bei niedriger Drehzahl bekommt ihr dezentes Blubbern, aber wenn ihr die Touren bis auf 7000 Umdrehungen pro Minute hochschnellen lasst, geht es nur noch um Bass. Eine S-Klasse von AMG oder ein Jaguar XJR machen aber deutlich mehr Radau. Der S8-V8 ist dagegen sogar ein kleines bisschen dieselig.

Versteht mich nicht falsch – der Motorsound ist sanfter als Schlagsahne der Doppelrahmstufe –, aber wirklich überzeugend ist er auch nicht. Zumindest gibt es keine falschen Motorgeräusche aus Lautsprechern. Und ihr könnt nicht wirklich sagen, ob der Motor jetzt auf vier oder auf acht Zylindern läuft …

Ähm? Ist irgend etwas kaputt gegangen?

Nein, aber aus Gründen der Umweltverträglichkeit schaltet der S8-Motor die Hälfte seiner Zylinder ab, um die zehn Liter Durchschnittsverbrauch und den CO2-Wert von 231 g/km zu erreichen.

Wie und wann das passiert?

Zuallererst muss die Motortemperatur höher als 30 Grad Celcius sein. Darüber hinaus sollte sich das Auto mit mindestens 25 km/h bewegen und die Drehzahl des Motors muss zwischen 930 und 3500 Touren liegen. Das letzte Kriterium ist das Drehmoment. 160 bis 250 Newtonmeter werden verlangt. Werden all diese Punkte erfüllt, schalten sich Zylinder Nummer 2, 3, 5 und 8 ab.

 

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Fährt sich der Wagen immer noch wie ein Lastkahn?

Ehrlich gesagt, fährt er sich ziemlich gut. Adaptive Dämpfer sind serienmäßig und liefern das bekannte Buffet aus Comfort-, Auto- und Dynamic-Modus.

Eine S-Klasse ist nicht ganz so straff und generell besser von der Außenwelt-Geräuschkulisse abgeschirmt, denn bei hohen dreistelligen Geschwindigkeiten können die Windgeräusche im S8 plus doch etwas aufdringlich werden.

Wie ist das Handling? Oder sollten wir fragen „gibt es ein Handling“?

Abgesehen von der Aluminium-Hybrid-Karosserie ist dieser Wagen ganz offensichtlich ein sehr schwerer Wagen. Er wiegt 2065 Kilogramm. Nicht gerade ein Leergewicht zum herumschleudern, oder?

Es wird noch bizarrer, denn Audi hat sich entschlossen, die geschwindigkeitsabhängige Dynamik-Lenkung anzubieten. Das Resultat ist, dass es extrem schwierig ist, das Auto in Kurven so zu platzieren, wie man es gerne hätte. Sie ist nicht serienmäßig, also lasst gefälligst die Finger davon. Ihr zahlt sowieso schon einen 28.300-Euro-plus-Aufpreis gegenüber dem normalen S8.

Also ist der S8 plus irgendwo ein kleines bisschen sinnlos?

Es ist doch irgendwie logisch, dass es immer einen Schlag Menschen gibt, der sich eine sichere, ruhige und komfortable Luxus-Limousine wünscht und meint: „Jawohl den nehme ich, aber mit doppelt so viel Power, bitte!“

Wenn es Kunden gibt, die einen A8 wollen, der in unter vier Sekunden in den dreistelligen Tachobereich rennt und Ingenieure von der Firmenleitung ein „Okay“ für solch ein Auto bekommen, warum sollte man dann keines bauen? Mit diesem kleinen plus-Emblem habt ihr jetzt vielleicht endlich einen triftigen Grund, doch einen S8 zu kaufen. Für mindestens 145.200 Euro.

 

Autor: TopGear

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