Peugeot Sport streut seinen Feenstaub auf den 308. Gut genug für Civic Type R, Mégane R.S., Leon Cupra und Co?

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Na, was ist das denn?
 
Es ist der Peugeot 308 GTi. Peugeot Sports scharfe Variante des 308 und die französische Antwort auf Golf GTI, Ford Focus ST, Seat Leon Cupra und all das andere Zeug, was derzeit im Hot-Hatch-Sektor so kreucht und fleucht.
 
Wir wollten das übliche Gesülze über Peugeots legendäre Hot-Hatch-Vergangenheit gerne vermeiden, aber da Peugeot nicht aufhört, über seine legendäre Hot-Hatch-Vergangenheit zu sprechen, hier die üblichen Namen: Nein, es geht nicht um den 205 GTi (damit darf sich der 208 GTi rumärgern). Als nahezu unbesiegbarer Urahn des 308 GTi gilt in diesem Fall der 306 S16.
 
 
Müssen wir demnach mit fliegenden Hecks, viel Gefahr etc. rechnen?
 
Naja, äh … nein. Okay, an 205 GTi und 306 S16 klebt noch heute der Duft des Abenteuers (oder war es der Duft der blanken Angst?), weil ihre verboten leichten Hintern Wälder, Äcker, Laternen und andere Dinge, in die man sich drehen kann, geradezu magisch anzogen.
 
Aber der 308 GTi ist so entspannt, wie ein Hot Hatch nur sein kann. Es ist schon fast erstaunlich, wie sanftmütig ein französischer Kompaktsportler mit einem 272 PS starken 1,6-Liter-Turbo daherfahren kann.
 
Na was jetzt? Funktionierts? Ist er gut?
 
Die Ausgangslage ist ziemlich vielversprechend. Schon der normale 308 ist relativ leicht und agil und die Fahrwerks-Gurus von Peugeot Sport waren alles andere als faul.
 
Es gibt ein Torsen-Vorderachs-Differenzial, neue Setups für Federn, Dämpfer und Stabis, optimierte Querlenker und einen ganzen Haufen mehr Negativ-Sturz an beiden Achsen.
 
Außerdem wird der 308 GTi von angsteinflößend monumentalen Bremsen eingefangen. Die Vier-Kolben-Anlage von Alcon mit ihren 380er-Scheiben ist auch der Grund, warum dieser Peugeot auf 19-Zöllern sitzt. Unter 18-Zöller hätte sie einfach nicht druntergepasst. Gut für uns. Genau wie die klebrigen Michelin Pilot Super Sports, mit denen die Riesen-Alus bezogen sind.
 
Das Ergebnis ist ein Auto, dass sich sehr gut im Griff hat und schon eine gewisse Straffheit an den Tag legt. Das alles aber auf eine sehr französische und damit überraschend komfortable Art und Weise.
 
Komfortabel? Buh!
 
Nicht falsch verstehen. Der 308 GTi ist echt agil. Wirf den Eimer mit all seiner rot-schwarzen Farbpracht (die sehr zweifarbige Farbe „Coupe Franche“ ist zum Glück kein Muss) in die Kurve und selbst bei Sturzbächen an Wasser – ja, die Testfahrt in Portugal war „etwas“ verregnet – gibt es Massen an Grip, eine flinke Vorderachse, viel Vertrauen und einen Hintern, der sehr viel lieber an seinem vorgesehenen Platz bleibt, als das früher bei Peugeot der Fall war.
 
Alles wirkt sehr ausgereift, obwohl wir den 308 GTi noch mehr lieben würden, wenn sein Lenkrad ein bisschen weniger klein und ein bisschen mehr rund wäre. Dann würde sich die superschnelle Lenkung vielleicht auch ein bisschen weniger künstlich anfühlen.
 
Aber schnell ist er schon?
 
Verdammt nochmal JA! Von null auf 100 km/h geht es in glatten sechs Sekunden und wenn du lange genug wartest, schaffst du irgendwann 250 Sachen Spitze. Der kleine 1,6er-Turbo spricht ziemlich gut an, hat ein abstrus großes Drehmoment-Plateau (1900 bis 5500 Touren) und dreht auch oben raus noch recht kernig und willig.
 
Allerdings gilt „sehr französisch“ nicht nur für das Fahrwerk. Auch die Schaltung hat einen deutlichen Hang zum Frankophilen. Übersetzt heißt das: Sie ist etwas zu lang und etwas zu weich. Außerdem ist der Sound ein wenig unterkühlt. Von außen hörst du zwar ein bisschen Gegrummle und Turbo-Gepfeiffe, das bringt dir aber nicht allzu viel, wenn du drin sitzt.
 
Es gibt einen Sportknopf, der der Akustik über Lautsprecher auf die Sprünge hilft, aber das macht die Sache eher künstlicher und nicht besser. Besagter Sportknopf schärft wohl ebenfalls die Gasannahme (du musst schon sehr feine Sinne haben, um das herauszufinden) und er taucht die Instrumente in ein wütendes Rot, was du allerdings nicht erkennen wirst, weil du die Instrumente aufgrund der eigentümlichen Lenkrad-Anordnung nicht siehst.
 
Das mit den roten Anzeigen müssen wir Peugeot also einfach glauben. Ansonsten können wir auch ohne den Sport-Modus sehr gut leben.
 
Auf der Rennstrecke warst du auch?
 
Jap, und es war besser als anfangs gedacht. Das hier reicht vielleicht nicht, um den Kompaktsportler-Nordschleifenrekord-Wahnsinn der letzten Monate mitzumachen, aber wenn du in diesem Auto ganz plötzlich mitten in einem Trackday aufwachst, dann bleib einfach da. Du dürftest dich ziemlich wohl fühlen.
 
Das Torsen-Diff mit seiner 35-Grad-Sperrwirkung wirkt nicht so aggressiv wie zum Beispiel im Civic Type R, aber es zieht dich spürbarer in die Kurve als die ganze Armada an VW-Konzern-Sportlern mit ihren elektronischen Vorderachssperren und feuert dich auch sehr effizient und ohne Untersteuern wieder hinaus.
 
Die Bremse ist so mächtig, wie sie aussieht und die Sitze sind einfach mega. Sie massieren (!) dich sogar, wobei ich nicht weiß, ob dich das wirklich schneller macht.
 
Mach ein bisschen mehr Druck und du merkst, wie sogar mit aktiviertem ESP der Hintern mitwackelt, um deine Linie zu schärfen. Mach den Rettungsanker komplett aus, schick deinen Fahrstil in den Olé-Olé-Modus und das 308 GTi-Rektum gibt dir tatsächlich ein paar anständige Flugstunden.
 
Wobei der tanzende Hintern in unserem Fall wohl auch ein Produkt des klatschnassen Asphalts war. Generell ist Peugeots Schnellster doch sehr neutral ausgelegt, lässt aber genug Fahrwerks- und Karosseriebewegungen zu, um das Auto zu fühlen und ein bisschen mit ihm zu spielen.
 
Spüre ich ein „aber“?
 
Bei allem Speed zieht einen der 308 GTi nie so richtig (also so richtig richtig) in seinen Bann. Schmeiß ihn durch die Gegend und er ist zweifelsfrei fähig und sehr kompetent abgestimmt. Aber er wird dir keine Gänsehaut oder Hochhaus-große Adrenalin-Kicks bescheren.
 
Verglichen mit der Streetfighter-Fraktion um Renault Mégane R.S. und Honda Civic Type R fühlt sich der 308 GTi doch sehr erwachsen und sanft an. Als hätte man eine dieser Hardcore-Schleudern genommen und sie in einen dicken Bausch Watte gepackt. Die Fähigkeiten bleiben erhalten, es kommt nur nicht so viel rüber.
 
Aber es gibt rote Streifen?
 
Keine Sorge, es gibt sie. Seit seligen 205-GTi-Tagen geht es ja nicht wirklich ohne. Man muss allerdings schon ein bisschen danach suchen (kleiner Tipp: Versuch es unten am Kühlergrill). Und auch sonst präsentiert der 308 GTi die Insignien seiner Macht nur äußerst spärlich.
 
Wer beim „Rennflaggen“-Grill oder dem Heckdiffusor mit seinen zwei integrierten Auspuff-Endrohren kurz die Augen zu hatte, könnte auch von einem Basisdiesel mit sehr großen Rädern ausgehen. Innen verhält es sich mit der GTi-heit des 308 GTi deutlich besser. Es gibt Alupedale, haufenweise rote Nähte, dieses seltsam kleine, seltsam eckige Lenkrad mit GTi-Logo und angesprochene Leder-Alcantara-Schalensitze.
 
Insgesamt ist das 308-Cockpit ja ohnehin ein nettes, wenn auch sehr aufgeräumtes Plätzchen. So aufgeräumt, dass alle Knöpfe, Tasten und Regler ins Navi-Infotainmentsystem verfrachtet wurden, was besagtes Navi-Infotainmentsystem in einen teilweise recht unübersichtlichen, vielmenüigen Ort verwandelt.

Soll ich ihn kaufen?
 
Der 308 GTi ist ein guter GTI. In weiten Teilen sogar richtig beeindruckend. Allerdings ist er mitten in einen Klassenkampf geraten, der brutaler ist als je zuvor.
 
Was problematisch erscheint: Er kostet 34.950 Euro. Der 310 PS starke Honda Civic Type R startet bei 34.000 Euro und Ford hat soeben für 39.000 Euro den Focus RS mit 350 PS und Allrad in den Ring geworfen. Der Golf GTI Performance ist mit 30.400 Euro sogar mehr als 4.500 Euro günstiger.
Okay, der 308 GTi hat zu diesem Preis im Prinzip Vollausstattung inklusive Schalensitzen, Navi, LED-Scheinwerfern und so weiter. Das heißt, ein ähnlich ausgestatteter Golf GTI dürfte letztlich weitaus teurer sein.
 
Trotzdem wird sich der 308 GTi seine Lücke suchen müssen. Nach den ersten Eindrücken wünsche ich ihm wirklich, dass er sie findet.
 
Autor: Stefan Wagner

Daten: 1598 ccm, 4-Zylinder-Turbo, Frontmotor, Frontantrieb, 272 PS, 330 Newtonmeter, 0-100 km/h in 6,0 Sekunden, 250 km/h Höchstgeschwindigkeit, 6,0 Liter/100 km, 139 g/km CO2, 34.950 Euro

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