Drei außergewöhnliche Sportwagen, veredelt, verfeinert und destilliert aufs Beste. Seid bereit für die Schlacht auf dem Ring ...

Corvette Z06 vs Ferrari 458 Speciale vs Nissan GT-R Nismo

Es wäre schön, wenn sich das Wetter mal entscheiden könnte. Knochentrocken wäre am Besten, nass wäre zumindest berechenbar. Aber im Moment sticht die Sonne nur immer mal wieder unkontrolliert ihre wärmenden Strahlen durch die Wolkendecke und macht die feuchte Strecke zu einem unvorhersehbaren Flickenteppich aus nassen und trockenen Stellen ohne irgendeinen Ansatz von Gleichmäßigkeit. Und die einzige Gleichmäßigkeit, die mich im Moment interessiert, ist die, nicht in den Leitplanken zu landen.


Corvette Z06 vs Ferrari 458 Speciale vs Nissan GT-R Nismo

Einfach war es nicht. Zuerst sind da die Autos: ein Ferrari 458 Speciale, ein Nissan GT-R Nismo und eine Corvette Z06. Dann das Thema der „optionalen“ Reifen, also Reifen, die mehr oder weniger aussehen wie Slicks, die man mit dem Bügeleisen bearbeitet hat. Gummierte Überbleibsel von Rillen, die den Anschein von Profil erwecken wollen. Ich kenne solche Reifen: in warmem Zustand biegsam und mit gutem Grip, auf kalter und nasser Strecke aber so nutzlos wie ein Anker aus Pappe. Und anstatt einer kleinen, engen, großzügigen und vor allem trockenen Strecke haben wir hier einen riesigen Kurs, sehr schnell, ab und an feucht und durchsetzt mit enger werdenden, hängenden Bergabpassagen. Verdammt.


Corvette Z06 vs Ferrari 458 Speciale vs Nissan GT-R Nismo

Trotzdem fällt es schwer, nicht begeistert zu sein. Der Ferrari sieht fantastisch aus, ein 458 mit einem Hauch verbesserter Aerodynamik und 40 PS Mehrleistung durch extra Streifen. Daneben eine selbstbewusst-aggressive und quietschgelbe Corvette, hier samt Z07-Rennpaket mit Carbon-Keramikbremsen, lachhaft riesigen Reifen und zusätzlichen Aerodynamikanbauten an verschiedenen strategischen Punkten. Zu guter Letzt der Nissan, der aussieht wie ein Manga-Comic, überall Rundungen, Öffnungen und brutal hervorstechende Anbauten.

Am meisten zieht mich der Ferrari an, vor allem weil er so wahnsinnig laut ist. Vielleicht habt ihr erwartet, ihn gegen den Lamborghini Huracán antreten zu sehen, aber diese Gruppe hier macht in unseren Augen mehr Sinn als das traditionelle italienische Duell der beiden Lokalmatadore. Hier geht es um den Fokus. Autos, die von den Herstellern auf beste Performance auf einer Rennstrecke ausgerichtet wurden. Keine Rennwagen, aber rennfähige Straßenfahrzeuge, die noch das kleine Etwas mehr bieten.

Der Speciale ist das finale Feuerwerk, bevor der 488 GTB in die Startlöcher tritt. Ein V8-Sauger von Gottes Gnaden, eine irre laute Boden-Boden-Rakete. Obwohl das Wort „laut“ für die Beschreibung des Sounds eines 605 PS starken und bis 9 000 U/min drehenden V8 am Drehzahlbegrenzer eher unangebracht scheint. „Fast illegal“ wäre wohl passender. Im Ernst, der Sound ist nicht nur beschwörend, er erreicht Teile des Nachhirns, die sonst nur für private Gedanken da sind, und echt ist er auch, also ohne Nachhilfe. Oberhalb von 1 800 U/min klingt dieser fantastische Motor wie die Posaunen von Jericho.

Und der Klang ist ja nur ein Teil der Geschichte. Durch schärfere Nockenwellen, andere Kolben und kürzere Einlasskanäle (und eben auch durch diesen Auspuff) entstand ein Meisterwerk. Dass er dabei noch fast 540 Newtonmeter an Drehmoment bietet, ist sensationell und liegt an der Verdichtung von 14:1. Das ist wichtig, denn es bedeutet, dass der Speciale bei jedem Kolbenhub soviel mechanische Energie wie möglich aus dem Luft-/Kraftstoffgemisch herausholt. Der Ferrari hat eine Verdichtung wie ein Motorrad (die meisten PKW kommen nicht über 10:1, selbst moderne Formel-1-Motoren liegen niedriger). Das Endergebnis ist ein Auto, das sich anfühlt wie ein Rennwagen, aber ohne den spitzen, nervösen Charakter eines reinrassigen Renngeräts.






Corvette Z06 vs Ferrari 458 Speciale vs Nissan GT-R Nismo

Der 458 ist darüber hinaus unheimlich leicht langsam zu fahren, das Siebenstufen-Schaltpaddlegetriebe arbeitet dabei so schnell, wie ein Zauberer seine Karten mischt. Innen gibt es noch immer Sichtcarbon und sehr weit zurückgefahrenen Luxus, Umstände, die die Soundeffekte nur noch verstärken. Gewicht wurde auch in anderen Bereichen gespart: Für die Aluminiumstruktur des Speciale wurde eine noch leichtere Legierung gewählt, das Dach ist leichter, die Airbox aus Carbon ebenso, das Heckfenster ist aus Plastik und das Glas rundum ist dünner. Selbst die Räder sind filigraner als die Serienversionen, was alles in allem gegenüber der Serie rund 90 Kilogramm einspart.

Aber wenn man schnell fährt, ändern sich die Dinge. Die Lage deiner wichtigsten Organe zum Beispiel. Die Beschleunigung ist kräftig und gleichmäßig, kein großer Schwall, sondern eine ständig ansteigende Welle. Die Lenkung ist viellecht sogar von allen hier die Schärfste, sie hilft, das Auto millimetergenau zu platzieren mit einem Level an Gefühl und Transparenz, das dir sagt, welche Farbe die Kerbs haben, ohne dass du hingucken musst. Es fühlt sich gut ausbalanciert an. Und weil man sich so ungeheuer verbunden fühlt mit dem Ferrari, kann man auch schon mal die Grenzen überschreiten, was er mit einem eleganten Drift quittiert. Wenn es dir aber gelingt, die richtige Balance der Elektronik bei der Side-Slip-Control und dem F1-Trac-Differenzial zu finden, dann lässt sie dich ohne einen Dreher driften.


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Ohne Schwächen ist der Italiener aber nicht. Obwohl die speziellen Michelins eine Menge abkönnen, kann ein schnelles Vom-Gas-gehen die veränderte Aerodynamik soweit beunruhigen, dass der Speciale dich mit einem Wackeln warnt. Der veränderte Heckspoiler, der breite Diffusor und ein paar clevere verformbare Aeroelemente am Heck sorgen für glaubhafte 210 Kilo Abtrieb bei 200 km/h. Die langen Linken in den Pirelli- und Würth-Kurven wie auch der Knick in der Geraden vor Remus können dich ganz schön erschrecken, wenn du dem nicht vertraust.


Corvette Z06 vs Ferrari 458 Speciale vs Nissan GT-R Nismo

Ganz anders der bedrohlich schwarze GT-R. Dass der Nissan schnell ist, damit hatte ich gerechnet, aber nicht damit, dass er mir wehtut, mir echte körperliche Schmerzen bereitet. In manchen schnellen Rechtskurven musste ich mich ganz klein machen und mein Genick versteifen, nur um es unversehrt durch die Kurve zu bekommen. Und irgendwie hatte ich immer dieses ungute Gefühl, dass mein Herz mit dem ganzen Blut in meiner rechten Körperseite nur noch Luft statt Flüssigkeit pumpen würde.

Echt, der Grip, den dieses Auto bietet, ist unglaublich, dabei ein überwiegend mechanischer, kein aerodynamischer Grip. Dank ein paar zusätzlicher Aerobauteile vom Super-GT-Rennwagen wie einer breiteren Front, längerem Heckstoßfänger und dem großen tunermäßigen Heckflügel erzeugt der Nismo gegenüber dem GT-R zusätzliche 100 Kilo Abtrieb, das stimmt schon, aber das kommt ja erst bei richtig hohen Geschwindigkeiten zum Tragen.

Was man aber schon unterhalb der Lichtgeschwindigkeit spüren kann, sind die speziell entwickelten Bilstein-DampTronic-Dämpfer, neue ausgehöhlte Stabis, neue obere Lenker, der erstaunliche ATTESA-E-TS-Allradantrieb und die supergriffigen Dunlop-Reifen. Der 3,8-Liter-Biturbo-V6 wurde auch überarbeitet. Die von Nissans GT3-Rennwagen geklauten Turbos haben neue Steuergeräte. Und obwohl sich eine Steigerung von 50 PS und 20 Newtonmeter nicht nach viel anhört, merkt man es deutlich: Der Nismo scheint schneller zu drehen, besser zu atmen und mit mehr Appetit zur Sache zu gehen.




Corvette Z06 vs Ferrari 458 Speciale vs Nissan GT-R Nismo

Damit kann man vor einer Kurve das Auto besser positionieren, dann in der Kurve voll rauf aufs Gas und am anderen Ende wie aus einer Kanone geschossen wieder raus, wobei sich alle Gesichtzüge auf einmal auf dem Hinterkopf wiederfinden. Im Rennmodus kann er auch mal übersteuern, aber bei den entsprechenden Geschwindigkeiten ist es wahrscheinlich besser, solche Kunststücke im GT-R sein zu lassen, sich auf die Ideallinie zu konzentrieren und diesen ganzen wunderbaren Grip auszunutzen. Dazu gibt es Bremsen, die dir mehr als einmal ein ungewolltes „Ahhh“ entlocken, ein Getriebe, das sich noch schneller anfühlt als die Serie, und ein fließenderes Gefühl gibt als bei jedem anderen GT-R, den ich bisher gefahren habe. Er fühlt sich auch leichter an (was stimmt, aber nur 20 Kilogramm, dank der Schalensitze aus Carbon und ein paar anderer Kleinigkeiten), direkter, etwas radikaler als vorher, aufmerksamer und einnehmender. Und Kurven umrundet er so, dass es dir das Genick brechen kann.

Die Lenkung kommt nicht ganz an die des Ferrari heran, dafür hat der Motor so ein wunderbares metallenes Rauschen, und wo der Speciale einen vorsichtigen Umgang verlangt, ist der GT-R ein richtiger Draufgänger. Aber bei der Rundenzeit lag ich nicht weit hinter dem Ferrari, denke ich, selbst bei ungefähr gleicher Leistung und einem Gewichtshandicap von 300 Kilo. Beim Grip des GT-R und dem Schub aus mittleren Drehzahlen kann einem schon mal schlecht werden. In einem guten Sinne natürlich. Poesie nicht unbedingt, aber irre effektiv.


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Womit wir bei der Corvette wären, die sich als ein bisschen furchteinflössend herausgestellt hat. Die Z06 hat einen kompressorgeladenen 6,2-Liter-LT4-V8, der 659 PS leistet (eine Menge) und 881 Newtonmeter (eine ganze Menge). Aber die reine Leistung macht nicht wirklich den bleibenden Eindruck aus, sondern das Drehoment ist es, was begeistert. Von 2 500 bis 4 500 U/min stehen immer mehr als 800 Newtonmeter zur Verfügung. Auf der Strecke bedeutet das, dieses Auto ist immer schnell, in jedem Gang, jederzeit. Es bedeutet auch, dass die Hinterräder jederzeit durchdrehen können, auch wenn es enorme 335-ZR20-Michelin-Sport-Cup-2-Reifen sind. Die Corvette ist die einzige mit Handschalter hier (ein Siebengang-Getriebe), und auch wenn die Schaltwege etwas lang sind, macht der enorme Bums nach dem Einkuppeln jede etwaige Verzögerung sofort wieder wett.

Der GT-R mag einem ein falsches Gefühl der Sicherheit geben, aber mit eingeschaltetem Performance Traction Management System und Differenzialsperre war die Corvette einfach viel, viel schneller als ohne. Und was für ein Auto das ist! Alle Vorteile vom Stingray, nur mehr von allem: 37 Prozent mehr Leistung und 40 Prozent mehr Drehmoment. Bessere und manchmal erstaunliche Carbon-Keramikbremsen, ein toller Bass-Sound, enorme Kurvenstabilität, so gut wie keine Seitenneigung und die Fähigkeit, auf jeder noch so kurzen Geraden die Welt enorm schnell hinter sich zu lassen.


Corvette Z06 vs Ferrari 458 Speciale vs Nissan GT-R Nismo

Auf der anderen Seite verlangt die Corvette Z06 auch nach einem erfahrenen Fahrer. Sie zu fahren ist einfach, ihr ganzes Potenzial auszuschöpfen, ist aber etwas ganz anderes. Die Lenkung fühlt sich ein bisschen künstlich schwer an, und lässt sich nicht so gut einstellen wie beim Ferrari und es gibt nicht den enormen Grip wie beim GT-R. Die Motorhaube vor dir ist laaaang, und du fühlst dich nicht ganz so eng verbunden mit ihr wie mit den beiden anderen, während du tief unten im Fahrersitz drinsitzt und ein wenig Halt vermisst. Die Reifen brauchen ein paar Runden, um warm zu werden, aber wenn sie es dann sind, ist die beinahe völlige Abwesenheit jedweden Übersteuerns beinahe absurd – und es dauert eine Weile, bis man ihr traut. Aber wenn man es richtig macht, ist das Ergebnis so verblüffend, dass man unweigerlich kichern muss. Gibt es überhaupt eine bessere Empfehlung? Perfekt ist sie nicht, aber sie ist ein echter Sportwagen mit einem großen Herzen, kompromisslos und schlicht brillant.


Corvette Z06 vs Ferrari 458 Speciale vs Nissan GT-R Nismo

Welcher der Drei ist also der Beste? Es wäre feige zu sagen, alle, und keiner ist schlecht. Sie alle können es mit sehr viel teureren Supersportwagen aufnehmen und sie lachend wieder ausspucken. Fahrt mit ihnen auf irgendeiner Rennstrecke und das Erlebnis wird sich in eure Erinnerung brennen. Sie erfüllen ihre jeweiligen Anforderungen perfekt, aber der GT-R ist der am wenigsten eindringliche von allen. Wahrscheinlich der Schnellste (erst recht auf Nässe), geht es ihm immer ums Gewinnen und nicht nur ums Dabeisein. Wenn man es wirklich allen anderen zeigen will, führt an ihm kein Weg vorbei. Die Corvette und der Ferrari sind dagegen völlig andere Gemüter. Beide verschaffen besondere Befriedigung, aber aus völlig verschiedenen Gründen. Wir brauchen mehr Zeit. Und mehr Strecken. Ich denke, das hier wird im Streit enden.


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