Wie werden unsere Leichtgewichte mit dem Red Bull Ring fertig ...

Porsche Cayman GT4 vs Caterham 420R vs Lotus Elise Cup

Verglichen mit der Ferrari- und Lamborghini-Abteilung scheint unsere Gruppe den Kürzeren gezogen zu haben. Vor allem auf einem Powerkurs wie diesem, wo man alle Leistung braucht, die man kriegen kann, um die lange Steigung von der Castrol- bis zur Remus-Kurve zu bewältigen, um es dann mit Schwung runter zur Rauch-Kurve zu schaffen. Aber das ist nicht so. Denn dieses kleine Trio ist darauf aus, aus jedem Kilometer Straße so viel Spaß wie möglich zu holen. Das hier sind die wirklichen Supersportwagen.


Porsche Cayman GT4 vs Caterham 420R vs Lotus Elise Cup

Der Evergreen Caterham braucht hier nicht groß vorgestellt zu werden, es gibt ihn schon länger, als wir denken können. Aber weil sie alle gleich aussehen, sollten wir erklären, welches Modell wir hier vor uns haben. Nachdem wir im letzten Jahr mit einem 80 PS „starken“ 165 aufgetaucht sind, wenden wir uns dieses Jahr dem anderen Ende des Spektrums zu. Nicht dem schwinderlerregenden 620R, sondern seinem nur etwas zahmeren Schwestermodell, dem 420R, dem vierthöchsten Modell.

Das R weist auf das Racing-Paket hin, zu dem unter anderem ein Sperrdifferenzial, bessere Bremsen und ein verbessertes Fahrwerk gehören. Man kann auch einen 420S bestellen, der ist dann etwas umgänglicher und hat Dinge wie einen Teppich, eine Heizung und ein Dach. Unter der Haube steckt eine etwas stärkere Version des Duratec-Zweiliter aus dem Ford Mondeo, der hier 213 PS und 203 Newtonmeter liefert. Optisch wirkt der federleichte R aber, als würde ihn alles andere hier von der Strecke blasen können. Oder aber der Wind, denn das Leergewicht beträgt nur 560 Kilogramm.


Porsche Cayman GT4 vs Caterham 420R vs Lotus Elise Cup

Aber das ist auch so ziemlich der letzte halbwegs vernünftige Gedanke, bevor man sich in die tiefe Cockpitröhre einfädelt, die Gurte stramm zieht und den Motor startet. Schon von der Startlinie weg in leichtem Querdrift, schießt du mit durchdrehenden Rädern auf die erste Kurve zu, immer wieder raufschalten in diesem Mix aus Lärm, Wind und Physik. Jetzt vermeiden, mit deinen Schuhen Größe 44 alle drei Pedale gleichzeitig zu treten (obwohl, es scheint keinen Unterschied zu machen, wenn es denn doch ab und an mal vorkommt). Dann schnell vor der ersten Kurve den gleichen Prozess wieder rückwärts, und jetzt alles wiederholen.

Keine Zeit, um zu denken „was zum Teufel mache ich hier eigentlich?“, keine Zeit sich auf etwas anderes zu konzentrieren, als das absolut Beste aus dem Auto herauszuholen – was anfangs gar nicht so einfach ist. Weil alle Bedienungselemente so empfindlich sind und die Handlingparameter des Autos weit außerhalb dessen, was andere Autos können, fährst du auf den ersten Runden eigenartige Linien, während du dich an die zirkusreifen Grenzen des Autos herantastest. Lieber das Ganze etwas seitwärts nehmen? Es ist dein Auto, du kannst machen, was du willst, aber es ist aufregend und ermüdend zugleich.

Zunächst lassen wir die Türen in der Box, der Wind ist unerbittlich, er zerrt an uns wie ein Tornado, reißt die Sonnenbrille vom Kopf und schlägt uns die Gurtenden ins Gesicht wie Peitschen. Ein Helm würde hier helfen – vor allem auch, wenn man bedenkt, dass man immer nur Sekunden davon entfernt ist, das Auto mit einem Speed und auf eine Art in den Leitplanken zu versenken, die nur andere Caterham-Fahrer verstehen können.




Porsche Cayman GT4 vs Caterham 420R vs Lotus Elise Cup

Während der Caterham also seine Hacken kühlt, springe ich in den beinahe ruhigen Lotus und nehme mit ihm den Kurs aufs Korn. Das hier ist der Elise 220 Cup (früher S Cup), also die etwas weicher gefederte Straßenversion des Cup R. Besondere Highlights sind ein aufgeladener 1,8-Liter-Toyota-Vierzylinder, der hier 220 PS leistet, wenn man ihn bis an den Begrenzer dreht, und ein paar beinahe lächerlich große Aero-Anbauteile, die dafür sorgen, dass der Elise bei 200 km/h mit 100 Kilogramm auf die Straße gedrückt wird. Mit 952 Kilo wiegt der Lotus fast doppelt so viel wie der Caterham, hat aber nur sieben PS mehr. Da muss die Aerodynamik gut sein, denn ich habe hohe Hoffnungen und Erwartungen an ihn.

Weshalb mich die nächsten paar Runden umso mehr enttäuschen. Zunächst denke ich, es ist das Wetter – es ist nicht besonders warm heute, also gebe ich dem Lotus ein paar Runden Zeit, sich aufzuwärmen. Aber als er immer noch nicht wirklich in die Kurve lenken will und der ganze Grip hinten ist und so wenig vorn, frage ich mich dann doch. Perfekte Lenkung und Dämpfung gehören zu den großen Geschenken von Lotus an die autofahrende Welt, und schon das Erste findet sich bei diesem Auto auf lange Sicht nicht. Darüber hinaus fühlt sich das Getriebe eigenartig alt und ungenau an, etwas nach rechts versetzt und einfach nicht so schön zu schalten. Was in einer kleinen Bombe wie dieser, wo man so viel schalten muss, ein Problem ist.


Porsche Cayman GT4 vs Caterham 420R vs Lotus Elise Cup

Es verwundert mich so sehr, dass ich anfange, mich zu fragen, ob es vielleicht die Strecke ist mit ihren vielen hängenden Kurven, die dem Lotus zu schaffen macht. Aber den ganzen anderen Autos scheint sie nichts auszumachen, und dann sage ich mir, es ist ein Lotus, verdammt nochmal. Wenn einer so etwas wegstecken können sollte, dann ein Lotus. Aber dieser kann es heute nicht. Ich nehme an, eine ganze Menge der Probleme gehen aufs Konto der Reifen, die nie so richtig warm zu werden scheinen. Aber da wir keinen Ersatz in irgendeiner Form haben, müssen wir sie so lassen, wie sie sind. Ich weiß, er kann es besser, viel besser, also stelle ich ihn ab und hole mir den Porsche Cayman GT4.


Porsche Cayman GT4 vs Caterham 420R vs Lotus Elise Cup

Und meine enttäuschte Stimmung verfliegt, noch bevor ich ihn überhaupt angeworfen habe. Auf den Bildern wirkt der GT4 immer ein bisschen unaufgeräumt mit den ganzen Lufteinlässen und Anbauteilen, aber hier in echt wirkt er perfekt. Und das vor allen Dingen, weil er es auch ist. Falls ihr es nicht mitbekommen haben solltet, der GT4 ist das Auto, das wir von Porsche schon seit Jahren haben wollten, nämlich ein Cayman mit dem größeren Motor aus dem Carrera S. Aber er ist soviel mehr als nur das. Die Buchstaben bedeuten auch, dass er von Porsches GT-Abteilung kommt, also ist er etwas Besonderes.

Dieser Motor leistet 45 PS mehr als das GTS-Triebwerk, die Vorderachsaufhängung stammt fast komplett vom GT3, und das Handschaltgetriebe aus dem GTS (einen Automaten gibt es nicht) hat einen etwas kürzeren Hebel erhalten. Man kann hinten einen Käfig reinbekommen, und vorne auch, wenn man damit nur Rennen fahren will, und er hat sogar die gleichen Carbonbremsen wie sein großes Heckmotorschwestermodell. Alles, wie es sein soll – aber wird er auch diesen schwierigen Kurs knacken?


Porsche Cayman GT4 vs Caterham 420R vs Lotus Elise Cup

Wie bei den meisten Autos dieser Güte braucht man nur rund zehn Meter, um zu merken, dass er etwas ganz Besonderes ist. Der Motor hat nicht den gleichen unmittelbaren Bums wie das bis 9000 U/min drehende GT3-Aggregat, aber so wie er das Auto anschiebt, können wir uns nicht beschweren. Und auch wenn das Getriebe nicht ganz so ultrapräzise ist wie im GTS und für jeden Schaltvorgang einen Bruchteil länger benötigt, ist es immer noch Benchmark. Und das Fahrwerk, darüber kann man Bücher schreiben.


Porsche Cayman GT4 vs Caterham 420R vs Lotus Elise Cup

Am eindrucksvollsten am GT4 ist sein Lenkverhalten. Mit Grip, Grip und dann nochmal mehr Grip sorgt er dafür, dass dein Selbstbewusstsein mit jeder Runde steigt. Die GT3-Front trägt sicher ihren Teil dazu bei, aber dieser größere Motor in der Fahrzeugmitte hilft auch. Das Auto lässt sich leichter drehen und geht schneller in und durch Kurven, als man sich das von irgendeinem der anderen beiden hier vorstellen könnte – oder überhaupt von den meisten hier auf der Speed Week.


Porsche Cayman GT4 vs Caterham 420R vs Lotus Elise Cup

Weswegen der Porsche diesen Dreiervergleich sogar mit einem Rad auf dem Rücken gewinnen würde. Der Caterham begeistert auf seine eigene, besondere Art, aber man muss schon auch ein ganz besonderer Mensch sein, um einen zu wollen. Der Lotus hätte eigentlich sehr viel dichter an den anderen beiden dran sein und uns mehr Spaß machen sollen. Nun ja, wir sind genug Gute gefahren, so dass er diese Runde mal aussitzen kann.


Porsche Cayman GT4 vs Caterham 420R vs Lotus Elise Cup

Aber der GT4 braucht keine Entschuldigungen, um hier seinen Sieg einzufahren. Ein fantastisches Auto, das man den ganzen Tag schnell fahren kann – alles was ein Hochleistungsportwagen sein soll und noch jede Menge mehr. Noch habe ich ihn nicht auf der Straße gefahren, aber ich bin sicher, er macht außerhalb des Kurses genauso eine gute Figur wie hier. Ihn zu schlagen, braucht schon ein ganz besonderes Auto, und wir haben ein paar davon hier, also wollen wir doch mal sehen, was als Nächstes passiert. Den Kürzeren gezogen? Niemals.


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