Mini hat dem Cooper S Aufbaupräparate verschrieben. Auch der Mégane R.S. war im Studio. Wer hat mehr Muckis?

Renault Mégane R.S. 275 Trophy-R gegen Mini John Cooper Works

Fünf Minuten im Mini John Cooper Works genügen. Nach nur fünf Minuten stellt sich ein wohliges Gefühl der Zufriedenheit ein: Der neue JCW ist ein um Welten besseres Auto als der letzte Mini, für den man John Coopers Namen missbraucht hat. Selbst die „Früher-war-alles-besser“-Fraktion muss einsehen, dass diese Verjüngungskur allein modernster Technologie zu verdanken ist.

Ein Frevel? Sicher nicht. Sportliche Kompaktwagen sollen quirligen Übermut zu bezahlbaren Preisen anbieten, das stimmt, aber eine Fahrt im alten JCW war wie Mentos in Cola. Nervös und hyperaktiv, mit enormen Lenkungseinflüssen, mit zu wenig Federweg und dafür zu viel Leistung. Wie schafft es dann der Neue, trotz seiner nochmals 20 Mehr-PS nicht wie ein Flummi über die Straße zu springen?


Renault Mégane R.S. 275 Trophy-R gegen Mini John Cooper Works

Auftritt adaptives Fahrwerk. Zwar frecherweise als 500 Euro teures Extra angeboten, ist diese neue Option wahrscheinlich die beste Ausgabe für euren JCW. Hiermit lässt sich die Federung straffer oder weicher einstellen, um beim starken Einlenken mehr Ruhe reinzubringen. Genau, was dem Vorgänger gefehlt hat.

Die Unruhe beim starken Einbremsen ist allerdings immer noch da. Bei einem harten Bremsmanöver wusste ich gar nicht, durch welches der beiden Seitenfenster ich denn nun auf die Strecke sehen sollte.


Renault Mégane R.S. 275 Trophy-R gegen Mini John Cooper Works

So ganz hat der Mini seinen teuflischen Charakter nicht abgelegt, und das gefällt mir auch. Dass da irgendwo immer noch der Wunsch schlummert, auch mal mit dem Heck vorauszufahren.

Und bei meinem letzten Testversuch mit einem Cooper S hielten die Bremsen nur zwei Runden stand. Der neue JCW dagegen hat dickere Bremsscheiben, die standfester sind als die weichen Coo­per-Kekse. Was bei einem Grundpreis von 29.900 Euro auch erwartet werden kann.


Renault Mégane R.S. 275 Trophy-R gegen Mini John Cooper Works

Testwagenpreis? Über 40 Riesen, dank einer ganzen Reihe von Extras, die ihr nicht braucht. Die Sitze im mit Zielflaggen übersäten Inneren sollen sportlich wirken, aber nach einer halben Stunde werfen die harte Rückenlehne und die fehlende Seitenführung die übliche Mini-Frage nach Form und Funktion wieder auf. Und sportliche Kompaktautos sollten einfach keine Automatik haben. Das Sechsstufen-Getriebe im JCW ist ganz ok. Aber jetzt mal ehrlich, eine Automatik in einem Super-Mini?


Renault Mégane R.S. 275 Trophy-R gegen Mini John Cooper Works

Alle Minis haben ordentliche Handschalter. Eine Schaltwippen-Automatik, mit der man ohne Gedenkpause nicht mal ein paar Gänge überspringen kann, nimmt dem JCW seinen spontanen Charakter. Zweihunderteinunddreißig PS sind durchaus eine Ansage.

Das Drehmomenthoch kommt darüber hinaus schon bei winzigen 1250 U/min daher, was die jederzeit abrufbare Performance zu einem reinen Vergnügen macht. Das enorme Leistungsangebot ist schier unglaublich. Von 80 auf 120 km/h sprintet dieser Mini schneller als ein serienmäßiger Porsche 911 Carrera.


Renault Mégane R.S. 275 Trophy-R gegen Mini John Cooper Works

Um die Vorzüge des Mégane Trophy-R zu entdecken, braucht es schon ein klein wenig mehr als nur fünf Minuten. Als erstes drückt man den langweilig-unauffälligen RS-Knopf direkt neben dem Knie des Fahrers. Wer das nicht tut, dem sinkt der Mégane in eine Art Öko-Schlaf, in dem nur magere 250 PS an die 19-Zöller von Speedline geliefert werden. Wer den Knopf drückt, erzielt eine Verwandlung von Jeckyll zu Hyde, bekommt 275 PS und ein messerscharfes Gaspedal. Aber kein ESP mehr.

Überhaupt ist es verwunderlich, dass dem Mégane noch eine weiche Seite geblieben ist, wo doch seine Ausrichtung so einseitig wirkt. Es gibt keine Rückbank (minus 20 Kilogramm), keine Geräuschdämmung (minus 21 Kilo), keine Klima (minus 6 Kilo, oder doch weniger, wenn ich von meinem schweißgebadeten Rücken ausgehe) und ein Paar Recaros (minus 22 Kilo). Schade, dass die Franzosen nicht noch ein paar mehr Kilo abgespeckt haben, indem sie die Sitze endlich niedriger montierten.


Renault Mégane R.S. 275 Trophy-R gegen Mini John Cooper Works

Wie ein Auto, das 39.990 Euro kosten soll, sieht der Renault nun wahrlich nicht aus. Der altertümliche Innenraum wirkt billig und traurig, während die über und über mit Aufklebern versehene Karosserie an „Malen nach Zahlen“ erinnert. Man muss lange suchen, um zu erkennen, was einem der Renault für‘s Geld bietet.

Wer auf die Knie geht, erkennt die Öhlins-Dämpfer und die Leichtbau-Verbundfedern, sieht die Michelin-Cup-2-Slicks (komplett mit dem „Nicht-im-Regen-fahren“-Aufkleber für die ganz Blöden), und wer sucht, der findet auch die Carboneinfassung am Auspuff mit dem Logo des slowenischen Auspuff-Gurus Akrapovič.


Renault Mégane R.S. 275 Trophy-R gegen Mini John Cooper Works

Oder man kann auch wieder aufstehen, sich durch das Netz an Gurten kämpfen und mit dem Trophy-R bis an seine Grenzen fahren. Er will warmgefahren werden, braucht Drehzahl, will, dass du dich mit ihm beschäftigst. Aber er belohnt dich auch mit einem der besten Frontantriebserlebnisse aller Zeiten.

Für mich machen die Sicht nach hinten durch den Überrollbügel und durch die immer verdreckte Scheibe (der Verzicht auf den Heckwischer bringt nochmal ein Kilo) und die anderen Gewichtseinsparungen nicht das Wesentliche des Trophy-R aus.


Renault Mégane R.S. 275 Trophy-R gegen Mini John Cooper Works

Nein, das dominierende Element dieses gestrippten Kompakten ist die mechanische Differenzialsperre. Die Vorderachse gibt die Richtung für den Rest des Autos vor, steuert die Leistungsabgabe mit erstaunlich geringen Einflüssen auf die elektrische Lenkung. Einfach mit dem roten Ring am oberen Ende des Alcantara-Lenkrads in die Kurvenrichtung zielen wie mit einem Gewehrfernrohr, dann klebt der Mégane seine Slicks auf den Asphalt und zieht durch die Kurven wie auf einer Carrera-Bahn.

Was mir am Trophy-R gefällt, ist die Leichtigkeit, mit der er den Fahrerinput in enorme Geschwindigkeiten umsetzt und dabei aufregend und angenehm zugleich bleibt. Und weil es kein Untersteuern gibt, kann ich weiter voll am Gas bleiben und mich an den wunderbaren Gangwechseln in unserem Dauertestwagen freuen. Dabei lasse ich die Drehzahl des kehlig klingenden Motors nie unter 3 500 U/min fallen.


Renault Mégane R.S. 275 Trophy-R gegen Mini John Cooper Works

Kein Zweifel, der neue John Cooper Works ist ein wunderbarer kleiner Renner, und ich bin total begeistert, dass er aus den Fehlern seines Vorgängers gelernt hat. Aber neben dem ganz besonderen Trophy-R ist der JCW eben nur eine gute Variante eines guten Autos.

Ein anderes Mal und mit Schaltgetriebe hätte der JCW vielleicht das Zeug für den Underdog in dieser Speed Week gehabt. Aber am Ende ist es der umgängliche Renault, mit dem Fahrer höchst unterschiedlicher Fähigkeiten den High-Performance-Thrill erleben können. Und wenn ich noch ein paar Minuten mehr hätte, würde ich sie in diesem teuren und etwas zu krass aussehenden Mégane verbringen. Die Messlatte für Fronttriebler, 2015.

Daten Renault Mégane R.S. 275 Trophy-R: 1998 ccm, 4-Zylinder-Turbo, Frontmotor, Frontantrieb, 275 PS, 360 Newtonmeter, 0-100 km/h in 5,8 Sekunden, 255 km/h Höchstgeschwindigkeit, 1280 kg, 7,5 Liter/100 km, 174 g/km CO2, 39.990 Euro

Daten Mini John Cooper Works: 1998 ccm, 4-Zylinder-Turbo, Frontmotor, Frontantrieb, 231 PS, 320 Newtonmeter, 0-100 km/h in 6,1 Sekunden, 246 km/h Höchstgeschwindigkeit, 1295 kg, 5,7 Liter/100 km, 133 g/km CO2, 29.900 Euro






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