Ein Huracan mit 1250 PS? Ein Rolls Royce aus Carbon? Hier sind die seltsamsten Tuning-Bemühungen auf der Messe

Die seltsamsten Tuningfahrzeuge auf der IAA 2015

Porsche zeigt einen 600 PS starken Elektro-Sportwagen, Mercedes verändert die Aerodynamik während des Fahrens, und sogar Hyundai schreibt ganze Chemie-Lehrbücher über seinen Wasserstoff-Superkondensator-Antrieb: Spritsparen scheint das wichtigste Schlagwort der IAA 2015 zu sein. (Na, wisst ihr die Daten nun auswendig? Richtig, 17. bis 27. September!)

Doch es gibt eine kleine Gemeinde tapferer Tuner, die standhaft bleibt und genau das Gegenteil tut. Tuner, die der Sparsamkeit die Zunge zeigen und in Old-School-Manier sündigen.

Wir wollten euch ein leicht dubioses Vergnügen bereiten. Und so sind wir in den letzten Tagen über die Messe gewandert, um zu sehen, zu was diese Autokünstler imstande sind. Was bei uns zu heftigen Kopfschmerzen geführt hat.

Von PS-Wundern bis zum Carbon-Jetski und Interieurs im Stil von Kermit dem Frosch: Wir haben die Guten, die Schlechten und die Hässlichen der Tuningwelt zusammengestellt. Urteilt selbst.






Mansory Torofeo

Die Dinge müssen gut laufen für Mansory. Dieses Jahr hat der Tuner auf der IAA seine Ausstellungsfläche vergrößert, indem er sein Zeug nicht auf einem, sondern auf zwei Ständen zeigte.

Unermüdlich beim Plündern der weltweiten Carbonreserven stellt Mansory diesen modifizierten Lamborghini Huracán vor.

Bei diesem Huracán mit dem Namen Torofeo (kein Tippfehler, sondern ein Schlupfloch, um keine Markenrechte zu verletzten) wurde jedes einzelne Karosserieteil ausgebaut und durch ein mattes Carbon-Äquivalent ersetzt.

Der kleinste Lambo wurde von Stoßfänger bis Stoßfänger überarbeitet und – wie sagt man das jetzt? – hat jetzt eine Menge mehr los.

Zwischen all den Leisten, Sicken, Kurven und gefährlich scharfen Kanten sieht der Huracán innen wie außen ganz schön finster aus.

Aber wie ihr wahrscheinlich wisst, hört Kourosh Mansory nicht bei der Optik auf. Oh nein, dieser Huracán wurde mit dem Schraubenschlüssel bearbeitet, bis sein 5,2-Liter-V10 gigantische 1250 PS freigab. Das ist mehr als das Doppelte der Serienleistung.

Das Drehmoment wurde elektronisch auf 1000 Newtonmeter begrenzt. Wahrscheinlich, damit der Torofeo die Welt nicht aus den Angeln hebt.












Startech Range Rover

Die Daseinsberechtigung des Range Rover ist es, der schmuddeligen Offroad-Welt eine luxuriöse Fassade zu geben. Er ist so multitaskingfähig, wie man sich nur vorstellen kann.

Aber diese Vielseitigkeit ist für Startech noch nicht genug. Die Brabus-Tochter will den Range ein bisschen … zweckmäßiger machen.

Wie? Indem man ihm eine Pick-up-Ladefläche mit Carbonauskleidung verpasst.

Startech nahm eine große Eisensäge und schuf ein maßgeschneidertes Heck aus Alu, Carbon und Stahl, um die Transporteigenschaften des RR zu verbessern.

Man könnte denken, dass diese Umbaumaßnahmen eine Menge Platz bringen. Genug, um ein Doppelbett zum Wertstoffhof zu bringen, oder so. Schließlich ist es das, wofür Pick-ups gemacht sind, oder?

Leider nicht. Startechs Pick-up bietet eine Ladelänge von nur 110 Zentimeter: viel zu kurz für eine normale Matratze. Aber wenn ihr das Ladeabteil mit Eis füllt, könnt ihr eine ganze Menge coole Drinks kühlen.

Unter der Lackierung in Alderly Edge Orange steckt ein 5,0-Liter-Kompressor-V8-Range mit 526 PS. Deswegen könnt ihr wenigstens schnell entkommen, wenn die Leute anfangen, über die Größe der Ladefläche zu kichern.












AG Excalibur Alligator

Für diese Schönheit mussten wir weit anreisen. Der Alligator war wohl zuviel für die hellen Haupthallen der Messe, und wurde in den am weitesten entfernten Keller am Rand von Frankfurt verbannt. Am Rand der Stadt, nicht der Messe.

Aber auch wenn wir hier ein bisschen herumjammern, es war die Anstrengung wert, denn wie ihr sehen könnt, ist das ein richtiger Kraftwagen.

Ausgehend von einem BMW X6 – selbst schon kein Mauerblümchen – riss AG Excalibur die Stoßfänger vorn und hinten weg, ersetzte sie durch klaffende Löcher mit einer Menge Maschendraht, die als voll funktionale Schein-Lufteinlässe fungieren.

Das Ding wurde „Alligator“ getauft und widersetzt sich dem Downsizing-Trend durch eine Höherlegung um zehn Zentimeter, eine Karosserieverlängerung an beiden Enden sowie die Montage von monstermäßigen 26-Zoll-Rädern.

Und dann ist da noch dieser einzigartige Grill, der wie ein Maulkorb aussieht und dem Auto eine Ähnlichkeit mit einem Helden aus Mortal Kombat gibt.








Brabus 4x4²

Der Mercedes-Geländewagen ist eine Hauptnahrungsquelle für die Tuningszene. Seine kastenartigen Proportionen und der einfache Zugang zu den Schrauben, die ihn zusammenhalten, machen ihn zum Hit für Tuner der ganzen Welt.

Aber statt an einem G500 für die IAA zu arbeiten, haben sich die PS-Profis von Brabus der G-Klasse 4x4² zugewandt – die hochgelegte zweiachsige Version des 700 PS starken 6x6 Brabus G 63 AMG.

Wenn man bedenkt, dass Brabus dafür berühmt ist, so viele Pferdestärken wie nur irgend möglich in jeden auch noch so unwilligen Mercedes hineinzudrücken, ist der G-zum-Quadrat definitiv etwas bescheiden. Wir sprechen von nicht mehr als einem Motor-Remapping, das die Leistung auf nette runde 500 PS bringt.

Aber wir sind sicher: Wenn man nett fragt, kann Brabus dem Aggregat des 6x6 die gleiche Behandlung verpassen wie dem 850 6.0 Biturbo Widestar. Bei diesem G-Wagen wurde der 5,5-Liter-V8 aufgebohrt auf 5,9 Liter, 850 PS und monströse 1.450 Newtonmeter.

Für die nach Steroidbehandlung aussehende Optik behält der Quadrat-Brabus die Portalachsen und die breitere Spur des furchteinflößenden 6x6. Aber Brabus hat ihn mit ganzen Wagenladungen voller Leder und Carbon aufgerüstet, mit einer Hutze auf der Haube, Xenonscheinwerfern, Tagfahrlicht am Dach und einer Carbon-Abdeckung am Dach. Ach ja, und mit einem Spoiler natürlich.

Aber wenn ihr nicht Gozilla heißt, werdet ihr diese Modifikationen nie zu Gesicht bekommen, weil sie ungefähr so hoch liegen wie eine Wohnung im vierten Stock.










Mansory Wraith

Wenn er in Goodwood vom Band rollt, ist der Rolls Royce Wraith ein sportliches, aber stattliches Ding. Wenn es danach durch die Hände von Mansory geht, ist er es nicht mehr.

Innen hat Mansory das großartige Holz beseitigt und durch ein knallblaues Zeug ersetzt, dazu noch Unmengen von Carbon und Leder mit Rautenmuster.

Chromblau ist die Farbe der Wahl für außen. Als starker Kontrast dazu wird die elegante serienmäßige Aluminium-Haube ersetzt durch – ihr habts erraten – Carbon.

Carbon ist auch die Geschmacksrichtung des Tages für den zusätzlichen Frontsplitter, die Außenspiegel, die Schweller, das Dach, den Heckdiffusor und den Kofferraumdeckel.

Am Rolls-Herz wurde ebenfalls herumgebastelt, was den 6,6-Liter-V12 von 632 auf 740 PS bringt. So verkürzt sich der Tempo-100-Sprint auf 4,4 Sekunden, und die Spitze steigt auf über 300 km/h.








Dizayn VIP

Traditionell überbieten sich in Frankfurt die verschiedenen Tuner damit, den Mercedes Vito vom einfachen Installateurswagen zum ultimativen Partykeller auf Rädern aufzumotzen.

2014 startete der neue, gut aussehende Vito, was diesen Firmen eine neue Runde Tuningspaß verschafft hat.

Ein Ergebnis desselben ist der Dizayn VIP, für den die Tuner die Installateurswerkzeuge hinausgeworfen und dafür eine ganze Hochzeits-Geschenkliste voller Elektronik und anderen Nettigkeiten eingeladen haben.

Die ergonomischen Einzelsitze erinnern an ein Jet-Cockpit, die haben andere Bezügen und eine Klimatisierung, und alle bieten bequemen Zugriff auf den Bar- und Erfrischungsbereich.

Es gibt auch volle Konnektivität, so dass ihr euch die Pizza direkt in den Van kommen lassen könnt, bevor die Videonacht vor dem 32-Zoll-LCD-Fernseher beginnt …








Startech Bentley Continental GTC

Wenn Startech nicht gerade mit der Eisensäge hantiert und Range-Rover-Pick-ups macht, modifiziert die Firma Bentley-Modelle.

Dies ist so einer. Der Conti bekam einen neuen Carbon-Frontsplitter, andere Lufteinlässe und 22-Zoll-Räder, gehüllt in extradünnen Gummi.

Aber was unser besonderes Interesse weckte, war das Interieur. Seht euch diese Kofferraumauskleidung an, eine Heldentat der Handwerkskunst, für deren Herstellung offensichtlich über vier Kermit-Frösche und 15 Mannstunden nötig waren.




Trasco Bremen G-Wagen

Ah, noch ein G-Wagen. Aber dieser hier ist völlig anders. Und sehr schwer.

Nicht nur weil der Radstand um 50 Zentimeter verlängert wurde, sondern weil das Auto komplett gepanzert ist und ballistischen Ärger der Klasse B6 abhält. Das bedeutet, es kann Kugeln aus ganz schön dicken Maschinengewehren abwehren.

Typischerweise soll das Auto von Regierungen in Osteuropa, dem Nahen Osten und Afrika gekauft werden. Trasco bietet die Umwandlung sowohl für den G 63 als auch für den G 65 an.

Die Ingenieure verbauen Glas so dick wie eine Gideon-Bibel, verstärkte Achsen mit Querstabilisatoren, verstärkte Federn und Dämpfer und Notlaufreifen, mit denen man selbst dann noch mit 50 km/h entkommen kann, wenn nach einer Bombenexplosion alle vier Reifen platt sind.

Die Insassen befinden sich in einer Sicherheitskabine mit Flachbildfernsehern. Perfekt, wenn ihr bei House of Cards aufholen müsst, während ihr auf dem Weg durch ein Kriegsgebiet seid, oder auch einfach wenn ihr ein Versteck sucht, weil die Schwiegermutter für ein Wochenende aufkreuzt.








Mansory Jetski

Ha! Ihr dachtet, dass Mansory nur Autos tunt, oder? Falsch. Es handelt sich um eine innovative und flexible Firma.

Ihr wollt einen Bürostuhl mit Carbon und goldenem Straußenleder? Sie haben es. Ein mattschwarzes, getuntes Golfwägelchen? Kein Problem. Wie wärs mit einem Carbon-Schachbrett? Sie geben es morgen in die Post, wenn ihr wollt.

Aber dies ist unseres Wissens das erste Wasserfahrzeug von Mansory – ja sogar das erste eines Tuners. Vermutlich für die am besten betuchten Opfer der Mid-Life-Crisis. Es ist ein Jetski. In Carbon-Optik. Ist schließlich von einem Tuner.




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