Wie es mit VW weitergeht? Der E-Van auf der CES 2016 zeigt euch den Weg in eine elektrische Alles-ist-vernetzt-Zukunft

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Volkswagen tauchte in letzter Zeit eher zusammen mit den Begriffen „Skandal“ oder „Krise“ in den Schlagzeilen auf. Und auch wenn dem Konzern Strafen in Milliardenhöhe drohen, einfach den Kopf in den Sand stecken bringt ja jetzt auch nichts.

Zum Glück ist erst einmal CES. Ihr wisst schon, die Consumer Electronics Show, die vom 6. bis 9. Januar 2016 in Las Vegas stattfindet und bei der es nicht vorrangig um altbackene Verbrennungsmotoren und die nachträgliche Abgasreinigung geht. Nein, es geht um Elektroantriebe, die Konnektivität von Auto und Fahrer mit dem Rest der Welt sowie viele andere Technik-Spielereien, von denen noch nicht einmal die Zukunft weiß, dass sie existieren.

VW hat für dieses Elektronik-Schaulaufen zum einen ein neues Infotainmentsystem mit Gestensteuerung im Gepäck, das nahezu serienreif ist und auch in Otto-Normal-Autos wie dem Golf zum Einsatz kommen soll. Zum anderen gibt es da noch den Budd-e, eine Art Bulli 4.0. Er zeigt, was die Marke Volkswagen mit dem neuen Modularen Elektrifizierungsbaukasten (MEB) vorhat. Das ist erstens eine ganze Menge und dürfte zweitens schneller auf uns zurollen, als gedacht.

Wann der Budd-e kommt, wissen wir noch nicht so ganz. 2018? Vielleicht 2019? Lassen wir uns überraschen. Er ist 4,60 Meter lang und liegt damit zwischen Touran und T6. Er ist breiter als beide und verfügt dank der neuen Architektur über einen Mega-Radstand von 3,15 Meter und entsprechende Platzverhältnisse im Innenraum.

Mit reichlich scharfen Kanten und 21 Zoll großen Rädern sieht der Neuzeit-Bulli so aus, als wäre der alte Blech-Haudegen mit seinem Käfermotörchen zu schnell in eine Star-Wars-Filmkulisse gerauscht. Dort hat sich der drollige Transporter dann auch noch LED-Leuchten und einen gewaltigen Kühlergrill eingefangen.

Innen sind Einschränkungen durch profane Platzfresser wie Verbrennungsmotoren oder herkömmliche Getriebe passé. Und auch ein normales Armaturenbrett oder eine Mittelkonsole sucht man vergebens. Dafür begegnet ihr – wenn ihr die Schiebetür ganz stilecht per Gestensteuerung geöffnet habt – einem Holzboden, drehbaren Vordersitzen, einer Lounge-artigen Lümmel-Ecke im Heck und einem monumentalen 34-Zoll-Bildschirm.

Zu unrealistisch für euren ach so realen Alltag? Das dürfte auch den Entwicklern klar sein und so ist das doch recht futuristisch anmutende Innenraumkonzept darauf ausgelegt, „realisier- und bezahlbar zu sein.“

Das Monster-Display – es sitzt hinter dem Lenkrad und zieht sich über große Teile des Armaturenbretts, ihr werdet es also kaum übersehen können – heißt „Human-Machine-Interface“ und man spricht bei VW gleich von einer Revolution. Es setzt sich aus einem 12,3-Zoll- und einem 13,3-Zoll-Display zusammen. Navigation, Medien, Apps und andere Online-Dienste sind frei konfigurierbar und können zwischen den Bildschirmen hin- und hergeschoben werden. Alles per Gesten-, Touch- und Sprachsteuerung.

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Weitere Highlights der „VW-Bedienrevolution“ sind Kamera-Außenspiegel und ein neues, schalterloses Multifunktionslenkrad, das in seiner Bedienart (touchen, drücken, wischen) auch eher einem Smartphone ähnelt.

Ja und dann gibt es da noch die Sache mit dem Internet der Dinge. Glaubt man den Trends der Show, sind wir alle bald so vernetzt und zeitoptimiert, dass es wehtut. Auch der Budd-e macht hier mit. Den E-Van kann man quasi mit allem aus der Arbeitswelt oder dem Zuhause verbinden, was in irgendeiner Weise mit dem WWW kommuniziert. Die heimische Klimaanlage aus dem Auto raus regeln? Kein Problem. Das Licht steuern oder online checken, ob der Nachwuchs auch wirklich daheim ist? Machbar. Und einen Zusatz-Kofferraum, in den künftig Einkäufe direkt ans Auto geliefert werden? Hat der Budd-e auch.

Aber damit ist noch lange nicht Schluss: Freut euch auf viele weitere beängstigend smarte Lösungen. Von denen ihr hoffentlich nie wieder irgendetwas hört. Oder wollt ihr wirklich Kamerabilder vom trauten Heim in euer Auto streamen und Postboten auf Knopfdruck Einlass gewähren?

Fast erfrischend normal wirkt dagegen der Antriebsstrang: Im VW Budd-e arbeiten zwei Elektromotoren. Die Maschine an der Vorderachse entwickelt 136 PS und 200 Newtonmeter, die an der Hinterachse 170 PS und 290 Newtonmeter. Summa summarum ergibt sich eine Systemleistung von 306 PS. Für 533 Kilometer soll die 92,4 Kilowattstunden fassende Batterie des E-Vans gut sein. Dann müsst ihr für 30 Minuten an einer Ladesäule mit 150-Kilowatt-Gleichstrom hängen, um 80 Prozent zurück in die Akkus zu laden.

In 6,9 Sekunden gehts von null auf 60 mph (97 km/h). Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 180 km/h. Das freut so manchen Althippie, der noch die Fahrleistungen des ersten Bullis gewöhnt ist. Neben dieser „sportlichen“ Allrad-Version ist ein Serienfahrzeug aus Kostengründen aber durchaus auch mit nur einem E-Motor und Vorderradantrieb denkbar, so VW.

Doch all das soll erst der Vorgeschmack auf eine Zukunft sein. Und sie ist am Ende doch beeindruckender als Spielereien mit dem Internet, Katzenvideos und Selfie-Rückspiegel. Nein, man spricht von elektrischen Reichweiten auf Verbrenner-Niveau. In Großserie. Bis Ende des Jahrzehnts.

Wir finden, so kann der Durchbruch des Elektroautos gerne kommen. Und ihr?

 

Autor: Stefan Wagner / Manuel Lehbrink

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