Es ist Audis Cup-TT und wir sind ihn gefahren. Er ist fürchterlich schnell. Betet für eine Serienversion

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Okay, stell dir den aktuellen Audi TTS vor. Ja, ich weiß, er ist wunderschön und er hat mehr schlaue Technik an Bord als ein Apple-Store und deine Frau will unbedingt einen haben, aber für so was haben wir heute keine Zeit. Stell dir den TTS also nochmal vor, allerdings nachdem eine Horde wildgewordener quattro-GmbH-Renningenieure über das Auto hergefallen ist. Du denkst bei der quattro GmbH gibt es keine wildgewordenen Ingenieure, sondern ausschließlich ultra-effiziente, etwas zu perfekte Maschi … äh … Menschen, die sich zum gemeinsamen Socken bügeln treffen und Autos bauen, die untersteuern?

Nun, also … nein! Und dieses Mal ist es eh irgendwie anders! Ich stehe in einer Box des Parcmotor Castelloli und bin etwas angespannt, weil Audi meinte, es wäre eine gute Idee, dass ich einen ihrer Rennwagen ausprobiere. Einer der „Vorteile“ für TopGear zu arbeiten: Alle denken, man sei lustig UND könne Autofahren und dass diese Kombination in der Regel einen brauchbaren Artikel ergibt. Meine Freunde sagen: Ersteres sei abhängig von der Getränkesituation und letzteres sei einfach falsch. Jetzt also TT Cup. Viele wuselnde Mechaniker und die rohe, aggressive Präsenz dieses Spielerfrauen-Traums auf Anabolika machen das mit meiner Nervosität nicht gerade besser.

 

„Asketisch leergeräumte , wild bespoilerte, beängstigend breite 1.125 Kilo astreine TT-Madness“

 

Das Ding sieht aus, als hätte man den neuen TT und ein DTM-Auto in einen Raum gesperrt und den beiden zwei Flaschen Rotwein sowie eine Kuschelrock-CD durch den Briefschlitz geschoben. Das Ergebnis ist beeindruckend: asketisch leergeräumte , wild bespoilerte, beängstigend breite 1.125 Kilo astreine TT-Madness. Um ein wenig mit den Fertigkeiten der Basis hausieren zu gehen, durfte der Cup-TT die Rohkarosse, den 310-PS-TFSI sowie das Sechsgang-DSG des TTS behalten. Alles andere hat man geklaut oder ersetzt. Sogar den quattro-Antrieb hat man vom Hof gejagt, was den mit Abstand gemeinsten TT zum reinen Frontkratzer macht. Waaas, Frontantrieb??? Hilfe! Warum das denn? Nun, es ist günstiger, leichter und besser für andere Rennserien adaptierbar. Außerdem, so sagt es TT-Cup-Projektleiter Rolf Michl, sollen sich die Nachwuchsfahrer gar nicht erst an ein Allradfahrzeug gewöhnen, weil es ohnehin keine nennenswerte Rennserie gibt, in der alle Viere angetrieben werden.

Inzwischen hat man mich in einen Rennanzug gesteckt und ich muss ein wenig schmunzeln, weil er aussieht, als hätte man dem Stig die Arbeitskleidung gestohlen und versucht, den fiesen Klau mit jeder Menge Audi-Aufnähern zu vertuschen. Ich hoffe der Stig muss jetzt nicht nackt herumrennen, aber Ingolstadt weiß scheinbar, wie ein sexy Rennfahrer auszusehen hat. Drei spanische Mechaniker und Chefentwickler Detlef Schmidt schwirren um mich herum, quetschen mich durch einen ziemlich massiven Käfig (für den 35 Meter Stahlrohr zweckentfremdet wurden) in den Original-Carbonsitz des Le-Mans-Monsters R18 LMS und ich spüre immer deutlicher, dass das hier mehr ist, als ein TT mit Sportfahrwerk und klebrigeren Gummis.

Stuhl und Pedale werden millimetergenau auf mich angepasst und auf meinem Lenkrad sind irritierend viele Knöpfe. Schmidt erklärt mir die verschiedenen Mappings für das Vorderachs-Diff, zeigt mir den sensationell coolen Push-to-Pass-Knopf (erhöht die Leistung für zehn Sekunden auf 340 PS) und sagt mir, ich solle die Finger von dem großen gelben Bremsbalance-Rädchen lassen. Dann kriege ich einen frischen Satz Slicks und mit einem ohrenbetäubenden Kapuuuussshhh werde ich Richtung Hallenboden abgesenkt.

Ein winziges rotes Knöpflein rechts unten im Carbon-Pralltopf entzündet den Zweiliter-TFSI. Der startet mit einem Terz in den Tag, der an alles mögliche erinnert (vornehmlich an äußerst laute Dinge), aber keinesfalls an einen Zweiliter-TFSI. Damit ich nicht weglaufen kann, schnallt man mir noch ein Netz in die Tür, Schmidt schreit irgendwas von „hinten vielleicht bisschen leicht“ und „viel Spaß!“, dann bin ich plötzlich allein.

 

„In einem Schwall aus Lärm und ... äh … Lärm hoppelt mich der Renn-TT aus der Boxengasse“

 

In einem Schwall aus Lärm und ... äh … Lärm hoppelt mich der Renn-TT aus der Boxengasse und schon der erste richtige Gasstoß kommt einer Offenbarung gleich. Jeder weiß, dass VWs EA888 ein sehr ordentliches Stück Motor ist, aber mit 300 Kilo weniger auf dem Buckel fühlt er sich an, als wäre er in Miraculix großen Kessel gefallen. Er reagiert irre schnell und dreht mega agrressiv. Den Turbo merkt man nur ganz unten, wenn er ein Millisekündchen Luft holt. Ach ja, und weil man mit dem Schalten kaum nachkommt. Die Gänge eins bis drei sind zwar länger ausgelegt, aber der Hobel dreht halt nur 6.800 Touren. Dafür klingt er in jeder einzelnen dieser 6.800 Touren absolut haarsträubend. Wie eine riesige, konfliktorientierte Tuba mit Blähungen (ich weiß, der Vergleich ist absurd).

In der ersten Rechts setze ich den Bock fast neben den Kerb (also rechts neben den Kerb), weil das hier mit einem normalen Einlenkverhalten nun wirklich nicht mehr viel zu tun hat. Schei.., ist das Teil direkt. Die Lenkung ist elektrisch, aber sie ist schwer und strotzt vor Feedback. Alle Autos auf der Welt sollten diese Lenkung haben. Echt jetzt, Audi, es geht doch. Die nächste Rechts ist bereits ordentlich schnell und geht fast voll im Vierten. Rummms, rein in den Fünften. Ganz ehrlich, das DSG wirkt ein wenig behäbig. Das könnte daran liegen, dass alles andere hier drin so verdammt viel zackiger passiert. Ich fliege mit gut 180 über eine blinde Kuppe nach der etwas zu früh eine weitere Rechtskurve naht. Nein, die AP-Bremse ist nicht kaputt. Sie geht wirklich so schwer. Und sie beißt gemeiner als uruguayische Stürmer bei einer Fußball-WM.

Die super enge Haarnadel frisst der TT mit links. Ich hasse den Spruch vom „in die Kurve reinbeißen“, aber es ist genau das, was hier gerade passiert. Die warmen Slicks und vier Grad Negativ-Sturz reißen den TT förmlich in den Scheitel. Vielleicht steht da aber auch einfach ein Typ mit einem sehr großen Magneten. Alles wirkt so unmittelbar, so richtig. Ich durfte vorher einen knallgelben Serien-TTS hier durch scheuchen und er machte seine Sache wirklich ordentlich, aber im Vergleich zu dem hier fühlte er sich an wie ein Q7. Ein Q7 mit Diesel.

 

„Es ist völlig verwirrend und ein so guter Fronttriebler macht mir Angst“

 

Alles ist so herrlich analog und so hellwach. Es ist völlig verwirrend und ein so guter Fronttriebler macht mir Angst und ich schwitze wie ein Schwein, aber es ist göttlich. Ich hatte Panik vor Untersteuern und dass ich meine Bremspunkte verpasse. Das Einzige, was wirklich passieren kann ist, dass man viel zu früh bremst. Oder das einen der eigene Hintern überholt, wenn man so schlau ist, in der Kurve zu lupfen (Hust … nicht, dass mir das wirklich passiert wäre).

Im Prinzip ist der Cup-TT allerdings ein sehr generöses und gutmütiges Geschöpf. Gut, er hat ungefähr drei Schwärme Hummeln im Hintern aber er schenkt wirklich schnell Vertrauen. Er gript, er geht und er bremst wie die Hölle und du brauchst nicht sonderlich lange, um zu merken, dass du in diesem Audi verflucht schnell unterwegs bist. Und mit schnell meine ich schnell. Ich meine, ich kannte den Kurs nicht und das Auto nicht und ich hatte fünf Runden und am Ende stand eine 1:53 Minuten auf der Stoppuhr. Der McLaren 650S brauchte bei der Speedweek 2014 1:54,5 Minuten. Und ich bin alles mögliche, nur kein besonders guter Rennfahrer. Noch Fragen? Eben!

Wenn du dir jetzt denkst: „Was der Wagner kann, das kann ich auch, nur viel schneller“, dann solltest du über drei Dinge verfügen, die ich nicht habe – Jugend, Geduld (der TT Cup 2015 ging gerade in Hockenheim zu Ende und wurde vom Polen Jan Kisiel gewonnen) und einen reichen Verwandten. Oder irgendeinen anderen Vogel, der es sinnvoll findet, einen sechsstelligen Betrag locker zu machen, damit du im Kreis fahren kannst. Sollte das nicht der Fall sein, dann schreib Audi einen aufdringlichen Brief und fordere eine Serienversion (der Cayman-GT4-Vergleich drängt sich geradezu auf). Oder du kaufst dir einen normalen TTS. Der schafft im Gegensatz zum Cup-Auto 250 km/h und deine Frau wird dich dafür lieben. Aber bitte fang nicht an, ihn leerzuräumen, er ist auch so gut genug. Obwohl: Diese Lenkung und die Slicks und dieser Sound ...

Autor: Stefan Wagner

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