Es ist Lambos extremstes Cabrio aller Zeiten. Haltet eure Hüte fest ...

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Was ist das?

Es ist der erste offene Lamborghini mit SV-Schriftzug. In den letzten 44 Jahren wurde die Ehre dieser Bezeichnung nur vier Autos aus Sant'Agata zuteil. Alle waren Coupés.

Das Ergebnis ist ein Cabriolet, das nicht unbedingt für Angebereien auf deiner örtlichen Flaniermeile entwickelt wurde. Es ist „etwas“ ernstzunehmender als das.

Wieviel ernstzunehmender?

Nun, zum einen hat man dem bekannten 6,5-Liter-V12 eine neue Auspuffanlage gegönnt, die klingt als wäre sie im lodernden Feuer der Hölle geschmiedet worden. Dazu gibt es überarbeitete Ventilsteuerzeiten und eine optimierte Einlassseite, was die Leistung gegenüber dem normalen Aventador Roadster um 50 PS nach oben hievt.

Der Lamborghini Aventador LP750-4 Superveloce Roadster leistet nun also 750 PS bei 8400 U/min. Das Drehmoment liegt nach wie vor bei 690 Newtonmeter, die bei 5500 U/min anliegen.

Er reißt die 100-km/h-Marke nach 2,9 Sekunden ein – eine Zehntel langsamer als das Aventador SV Coupé –, der Topspeed von 350 km/h ist aber identisch. Wie beim geschlossenen Bruder liegt eine Nordschleifenzeit von unter sieben Minuten in Reichweite. Der Porsche 918 Spyder ist nur zwei Sekunden schneller.

Ernstzunehmend genug?

Äh … ja. Aber was hat der SV, was der Standard-Aventador nicht hat?

Was wirklich zählt ist, was der SV nicht hat. Im Streben nach der völligen Leichtheit hat man unserem Testwagen sogar das Infotainmentsystem stiebitzt. Allerdings kostet es keinen Aufpreis, das Ding wieder reinzubauen.

Um ehrlich zu sein: Den Gewichtsunterschied dürfte man nicht wirklich merken, aber das ganze Cockpit sieht gleich viel fokussierter aus. Außerdem kann man sich besser auf die eigentliche Arbeit konzentrieren. Es ist nämlich nicht gerade wenig Arbeit, dieses V12-Monstrum auf der Straße zu halten. Vor allem, wenn die Straße nicht sehr breit ist.

Weitere Zugeständnisse an die Waage kommen in Form von äußerst ambitionierten Carbon-Schalensitzen, Carbon-Türverkleidungen mit Lederbändern statt Türgriffen sowie einem zweiteiligen Carbon-Dach. Letzteres ist abnehmbar, faltet sich akkurat in den vorderen Kofferraum und lässt dabei sogar noch Platz für deinen Lieblings-Din-A4-Briefumschlag (ohne Inhalt).

Auch der manuell verstellbare Heckflügel und die beängstigend spitzen Lufteinlässe an der Front sind aus Carbon. Ganz grundsätzlich ist dies also ein Ort mit sehr viel Carbon.

Das Ergebnis sind 50 Kilo weniger Gewicht als beim normalen Aventador Roadster. Mit 1575 Kilo wiegt er allerdings 50 Kilo mehr als das Aventador SV Coupé. Ein bisschen Stütze für das gechoppte Chassis muss schließlich sein.

Serienmäßig gibt es Carbon-Keramik-Bremsen, adaptive Dämpfer, ein Pushrod-Fahrwerk sowie Lambos variabel übersetzte Lenkung, die dem Huracán nicht gerade zum Vorteil gereicht.

Ist er nicht irgendwie … du weißt schon … ein wenig wabbelig?

Bitte was? Nicht im Geringsten. Wenn du nicht gerade in eine Temposchwelle oder ein fettes Schlagloch rumpelst (an dem Punkt erlaubt sich das Carbon-Monocoque dann doch ein kaum merkliches Zittern), ist der SV Roadster für seine Größe fast schon lächerlich direkt.

Dank Pirellis P-Zero-Corsa-Gummis in Dampfwalzen-Größe (und dem ziemlich gewaltigen Abstand, der zwischen ihnen herrscht) ist der mechanische Grip des Aventador SV Roadster einfach phänomenal. Diese Hartnäckigkeit ist fast schon auf dem Niveau eines GT3-Rennwagens. Außerdem lässt sich die Front mit bemerkenswerter Genauigkeit in die Kurve werfen.

Kratz ein bisschen am stratospherisch hohen Grenzbereich und der SV verhält sich tatsächlich gutmütiger als der normale Aventador Roadster. Er übermittelt dir seine Intentionen noch direkter, damit du bessere Chancen hast, deine Haut zu retten.

Die Lenkung hat nicht die hibbelige Hochgeschwindigkeitsattitüde, die man in allen modernen Ferraris so bekommt, allerdings ist sie alles andere als langsam und lädt sich in der Kurve mit schön viel Schwere und Gefühl auf. Die variable Übersetzung ist dabei nicht annähernd so aufdringlich wie im Huracán. Und sie ist ziemlich nützlich, wenn man den großen Bullen durch enge Kurven schubst.

Genug der Lenkerei. Wie gut geht er und wie gut bleibt er danach wieder stehen?

Er geht mit einer Brutalität, die physisch schmerzt. Ein voller Launch-Control-Start rammt deinen Schädel nach hinten, als hätte irgendein sehr fähiger Schwergewichtsboxer gerade sehr genau auf dein Kinn gezielt. Aufpassen sollte man auch beim Hochschalten im Corsa-Modus: Es geht wirklich verflucht schnell, aber den begleitenden Schlag muss man erstmal verkraften. Beim Bremsen verhält es sich ziemlich ähnlich, nur eben andersherum.

Der Schock im Aventador SV Roadster ist übrigens nicht die ziemlich unsoziale Lautstärke oder die beträchtliche Härte im Corsa-Modus. Viel mehr überrascht der Über-Stier in der Strada-Einstellung und mit montiertem Dach als relativ geschliffener Cruiser. Vorausgesetzt natürlich, du kannst mit einem Mangel an Radio und Navigation leben.

Ich soll also einen kaufen?

Wir würden gleich zwei kaufen, weil … nun … weil: warum eigentlich nicht? Wenn man die Philosophie, die Lamborghini seit Jahrzehnten so erfolgreich macht, in reinster, destillierter Form zum Ausdruck bringen will, dann kommt wohl dieses Auto dabei heraus.

Nach dem Huracán gab es den Anflug einer Befürchtung, dass Lambo ein wenig weicheiig geworden sei. Pustekuchen. Lambo ist noch immer hart wie Stahl.

Für uns ist der Aventador SV Roadster sogar noch ein Eck besser als das Aventador SV Coupé. Einfach weil die Intensität von allem, was dieses Auto macht, ohne Dach noch größer ist. Und trotzdem fährt dieser gewaltige Bulle mit einer Präzision, die man nicht erwartet.

Ja, er ist und bleibt ein Mittelmotor-Supercar mit 750 PS und deswegen sollte man ihm mit gehörigem Respekt begegnen. Aber abgesehen von dem etwas boshaften, sequentiellen Wackel-Dackel-Getriebe ist er einladender, als man sich das je vorgestellt hätte.

Wenn dir all das zusagt, und du zufällig 424.830 Euro rumliegen hast, dann jetzt bitte zackig die Beine in die Hand und ab zum Lamborghini-Händler deines Vertrauens. Nur 500 Exemplare werden gebaut. 

 

Autor: TopGear

Daten Lamborghini Aventador LP750-4 Superveloce Roadster:  6498 ccm, V12, Mittelmotor, Allradantrieb, 750 PS, 690 Newtonmeter, 0-100 km/h in 2,9 Sekunden, 350 km/h Höchstgeschwindigkeit, 1575 Kilo, 424.830 Euro

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