Heißet ihn willkommen! Den neuen, 1500 PS starken, 420 km/h schnellen Nachfolger des Bugatti Veyron

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Es gibt Tage – und diese gibt es nicht oft – da hebt es die automobile Welt aus den Angeln. Dieser Tag, meine Damen und Herren, ist einer davon, denn die Herrschaft des Bugatti Veyron als das schnellste Serienauto der Welt hat ein Ende. Und der Thronfolger kommt aus den eigenen Reihen. Ja, der 2,9 Millionen Euro teure Chiron behält die fundamentalen Proportionen und Motordaten des Veyron. Aber er ist in so gut wie jeder Hinsicht neu. Und er wurde gebaut, um die Gesetze der Physik zum Bersten zu bringen.

Der Chiron ist kein Hybrid. Im Gegensatz zu seinen engsten Konkurrenten – dem McLaren P1, dem LaFerrari und dem Porsche 918 – vertraut er gänzlich auf fossile Brennstoffe. Sein Motor ist eine Weiterentwicklung des 8,0-Liter-Quadturbo-W16 aus dem Veyron. Sein Getriebe ist eine verstärkte Variante der Siebengang-Doppelkupplung aus dem Veyron. Und wie der Veyron gibt er seine unfassbare Kraft an alle vier Räder ab.

Während es der Veyron Super Sport auf „vernachlässigbare“ 1250 PS und 1500 Newtonmeter brachte, entwickelt der Chiron 1500 PS und 1600 Newtonmeter. Ach ja, bei konstanter Höchstgeschwindigkeit brauchte der Veyron zwölf Minuten, um seinen 100-Liter-Tank zu leeren. Der Chiron schafft es in neun.

 

"Die 300er-Marke wird nach 13,6 Sekunden geknackt"

 

Das hier ist ohne Zweifel ein Spiel mit sehr ausgewachsenen Zahlen und hier kommen noch ein paar mehr: Der Chiron beschleunigt in 2,5 Sekunden von 0-100 km/h, 0-200 km/h dauern 6,5 Sekunden und die 300er-Marke wird nach 13,6 Sekunden geknackt. Nehmt euch einen Moment, um den letzten Wert ein wenig sacken zu lassen. Wir reden hier von 2,9 Sekunden Vorsprung gegenüber einem McLaren P1 und immerhin einer Sekunde gegenüber dem Veyron Super Sport. Nur mal so: Bei 300 km/h entspricht eine Sekunde 83 Metern …

Und dann ist da noch die unvermeidliche Höchstgeschwindigkeit. Bugatti hat sie auf 420 km/h begrenzt. Das sind winzige 5 km/h mehr als beim Veyron Super Sport. Bugatti sagt, die speziell entwickelten, noch breiteren Michelins könnten mehr vertragen (und sie werden auch bei Chirons Rekordversuch eingesetzt, der über 435 km/h bringen soll), aber die Begrenzung sei „eine Sicherheitsmaßnahme für das Fahren auf öffentlichen Straßen“. Die Jungs und Mädels von Euro-NCAP werden begeistert sein.

Herzstück der angeschwollenen Leistung sind vier größere Turbolader. Diese werden erstmals mit einer sogenannten Registeraufladung eingesetzt. Dabei werden bis 3800 U/min erst zwei, über dieser Drehzahl dann alle vier Turbolader genutzt, wodurch die Gasannahme verbessert werden soll. An den außerirdischen Fahrleistungen des Chiron ist auch der permanente Allradantrieb mit Längssperre vorne und Quersperre hinten beteiligt.

Die Abgase werden von einer Titan-Abgasanlage durch sechs Katalysatoren – die Hauptkats sind dabei sechs Mal so groß wie die, die ihr in einem Mondeo finden werdet – in den Endschalldämpfer geleitet. Von dort aus gelangen sie über gleich sechs Endrohre ins Freie. Vier davon kommen aus dem Heck, zwei zeigen nach unten, um eine Art „Blown-Diffuser-Effekt“ zu kreieren – eine Downforce-steigernde Technologie, die in der Formel 1 triumphierte, bevor sie verboten wurde.

Alles am Chiron-Motor ist XXXL. Ein verbessertes Ladeluftkühler-System pumpt 60.000 Liter Luft pro Minute durch das Aggregat. Die Wasserpumpe schafft in der selben Zeit 800 Liter. Laut Chefingenieur Willi Netuschil ist das Temperaturmanagement das allergrößte Problem. Insgesamt stecken zehn Kühler unter der Chiron-Karosse.

Mit sehr großer Kraft kommt der Bedarf an sehr mächtigen Bremsen. Die Bremssättel sind komplette Neuentwicklungen und jeweils aus einem Aluteil gefräst. An der Vorderachse drücken acht Titankolben die Bremsbeläge auf Carbon-Keramik-Bremsscheiben, die im Vergleich zum Veyron 20 Millimeter im Durchmesser und zwei Millimeter in der Breite zugelegt haben. An der Hinterachse arbeiten sechs Titankolben. Das Besondere: Die Kolben verfügen über unterschiedliche Durchmesser, um einen gleichmäßigen Anpressdruck auf die Scheibe zu generieren und ungleichmäßigen Verschleiß zu verhindern.

Die Reifen – vorne 14 Prozent und hinten zwölf Prozent breiter – winden sich nun um 20 Zoll Räder vorne und 21-Zöller hinten und wurden gebacken, um außerirdischen Kräften zu wiederstehen. Das müssen sie auch, schließlich ist jedes Gramm Gummi einer Zentrifugalkraft von 3,8 G ausgesetzt.

Das Chassis des neuen Bugatti besteht aus einem Carbon-Monocoque und einem ebenfalls aus Kohlefaser gefertigten Hinterwagen. Auch der Unterboden ist aus dem leichten Werkstoff. So konnten allein in diesen Bereichen 16 Kilogramm gegenüber dem Veyron eingespart werden. Die Torsions- und Biegesteifigkeit soll sich dank Carbon-Einsatz auf dem Level von LMP1-Rennwagen befinden. Neben dem Chassis ist auch die Karosserie vollständig aus Kohlefaser. Das Highlight ist dabei das Seitenteil, welches von der A-Säule bis zum Heck aus nur einem Bauteil besteht.

Beim Fahrwerk setzt Bugatti im Chiron erstmals auf ein adaptives System mit fünf Fahrprogrammen: "Lift", "EB-Auto", "Autobahn", "Handling" und "Top Speed". Die ersten vier Modi sind in der Höchstgeschwindigkeit auf 380 km/h begrenzt, mit einem sogenannten "Speed Key", wie er auch schon im Veyron zum Einsatz kam, kann der "Top Speed"-Modus und die damit verbundene Höchstgeschwindigkeit von 420 km/h freigeschaltet werden.

Die Fahrprogramme variieren je nach Modus die elektronisch geregelten Dämpfer, die Servolenkung, den Allradantrieb mit "Easy to drift"-Funktion, das Hinterachs-Differenzial, die Aerodynamik-Steuerung sowie die Stabilitäts- und Bremssteuerung. Die Radaufhängung des Chiron ist mit direkt verschraubten Fahrwerksbuchsen versehen, was das Fahrzeug direkter machen soll, als das bei 1995 Kilo Lebendgewicht eigentlich möglich ist.

Die Aerodynamik des Chiron besteht aus passiven und aktiven Elementen. Am Unterboden wird die Luft beispielsweise mit schienenförmigen Luftleitteilen in die Richtung der sogenannten NACA-Einlässe geleitet, die die Luft für eine bessere Kühlung des Antriebsstrangs kanalisieren. Die aktive Aerodynamik findet sich in den Frontdiffusoren, der hydraulischen Diffusorklappe am Heck sowie beim Heckspoiler mit Air-Brake-Funktion und Fahrmodi-basierter Neigung wieder.

Beim Exterieur stand laut Bugatti das Motto "Form follows Performance" im Vordergrund. Trotzdem ist den Designern ein sehr ansehnliches Fahrzeug gelungen. Inspiration für den Chiron war der Bugatti Typ 57SC Atlantic, dessen Mittelfinne sich auch am neuen Fahrzeug wiederfindet. Besonders auffällig ist die 2,80 Meter lange C-Spange, die sich über Tür und Seitenteil zieht und aus einer speziellen Alu-Legierung besteht.

Am Heck setzt Bugatti auf die sogenannte "SBBR"-Leuchte, welche Schluss-, Brems-, Blink- und Rücklicht in einem 1,60 Meter breiten Lichtband vereint. Auch die Zweifarbigkeit ist ein typisches Bugatti-Merkmal, bestellten doch über 50 Prozent der Veyron-Käufer ihr Fahrzeug zweifarbig. Die Scheinwerfer im Acht-Augen-Design sind lediglich 90 Millimeter hoch und geben dem Chiron ein eigenes Gesicht, das viel "biestiger" daherkommt, als das des Veyron.

Im Interieur setzt sich die C-Spange als "Raumtrenner" fort. Allerdings fungiert das Design-Element hier auch noch als dimmbares Lichtband. Der Wählhebel des Doppelkupplungsgetriebes ist aus einem vollen Alu-Block gefräst, der analoge Tacho reicht bis zur 500-km/h-Grenze und ist von drei digitalen Displays umgeben. Das Lenkrad ist wahlweise komplett mit Leder bezogen oder als Leder-Carbon-Mix erhältlich. Für den restlichen Innenraum bietet Bugatti 31 Leder- und acht Alcantara-Farben sowie drei verschiedene Sitztypen an.

 

"Der Chiron ist halbwegs praktisch, bitte verkauft nicht gleich den Bentayga"

 

Ach ja, halbwegs praktisch soll der Chiron ebenfalls sein. Bitte verkauft nicht gleich den Bentayga, aber ein gekühltes Handschuhfach hält den Dom Perignon auf Temperatur, Anzüge und Jacken könnt ihr hinter den Sitzen aufhängen und das Wochenend-Täschchen verschwindet unter der vorderen Haube.

Das bringt uns zu den Menschen, die einen Bugatti Chiron tatsächlich kaufen. Alles in allem sind nämlich 120 Exemplare (das sind die ersten zwei Produktionsjahre) der strikt auf 500 Autos limitierten Gesamtproduktion bereits vorbestellt. Bugatti-Chef Dürheimer beschreibt seine Kundschaft als „außergewöhnliche Menschen“ und „nicht die gewöhnlichen Autoenthusiasten“. Im Schnitt besitzen sie 64 Autos, drei Jets, drei Helikopter und eine Yacht und sie fahren 2500 Kilometer pro Jahr in dem Auto. Dürheimer sagt sehr klar, dass der Chiron kein Projekt der Selbstgefälligkeit ist. Er wurde gemacht, um Profit zu generieren. Natürlich ist er ein Fixstern für den VW-Konzern, „aber er wird auch positiv zum Konzern-Ergebnis beitragen.“

Die Produktion soll im September 2016 anlaufen.  

Autor: TopGear

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