800 PS und eine Liebe zum Detail, die euch die Tränen ins Gesicht treibt. Wir fahren den 2,4 Millionen Euro teuren Pagani Huayra BC

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Was haben wir denn hier?

Einen noch extremeren Pagani Huayra. Ja, im Ernst. Komplett mit einer noch obsessiveren Liebe zum Detail. Und mit dem Versprechen, in allen Performance-Belangen gehörig einen draufzusetzen.

Ja, der Huayra BC hat mehr Leistung und mehr Drehmoment. Aber ,wie immer bei Pagani, liegt der Teufel im Detail. Alles, was man irgendwie leichter machen konnte, hat man leichter gemacht. Solange es die Performance nicht beeinträchtigt, versteht sich. Und das hier ist die Art Performance, die deinen Handflächen Schweißausbrüche beschert und deine Pupillen auseinanderzieht.

Ach ja, das BC im Namen ist eine Hommage an Seniore Horacio Paganis ersten Kunden, Freund und Mentor Benny Caiola – nur falls ihr euch gewundert habt.

Haben wir. Was ist neu?

Wie viel Zeit habt ihr? Bevor wir uns tief in die Materie stürzen, aber erstmal eine Warnung: Das hier war eine Entwicklungsfahrt mit einem frühen Prototypen (Entwicklungsauto Nummer 2)in Sizilien. Sizilien ist nicht groß genug für den Huayra BC. Wir brauchen also mehr Zeit hinterm Lenkrad, um dem BC ernsthaft auf den Zahn fühlen zu können.

Die gute Nachricht ist: Wenn ein Auto so verflucht emotional ist wie dieses, sind sogar die kürzesten Ausflüge vollgestopft mit Eindrücken. Mit Eindrücken in Ultra-HD. Der Motor ist der bekannte, AMG-basierte 6,0-Liter-Biturbo-V12, hochgezüchtet auf 800 PS und 1100 Newtonmeter. Diese gehen über eine Le-Mans-Prototypen-ähnliche Antriebswelle exklusiv an die Hinterräder. Geschaltet wird neuerdings per komplett neuem, automatisiertem Xtrac-Siebengang-Schaltgetriebe mit elektrohydraulischer Betätigung und Kohlefaser-Synchronisatoren (Pagani mag Kohlefaser).

Langer Rede, kurzer Sinn: Die Schaltzeiten halbieren sich von 150 Millisekunden im „Standard“-Huayra auf 75 Millisekunden im BC. Pagani sagt, sie hätten auch eine Doppelkupplung nehmen können, aber das Gesamtgewicht der Xtrac-Box und des elektronischen Diffs sei 40 Prozent leichter als aktuelle Lösungen mit Doppelkupplungsgetrieben.

Wars das?

Ähm … nein. Ich werde gerade erst warm. Wie ich bereits sagte, dreht sich alles beim BC ums Detail und keiner kann das mit dem Detail besser als Pagani. Der Titan-Auspuff ist ein wahres Wunderwerk und wäre wohl genauso glücklich, wenn er statt im Heck des Huayra BC an einer Wand des MOMA hängen würde. Mit gerade mal 2,9 Kilo ist er umwerfende 7,1 Kilo leichter als die normalen Flöten.

Die maßgefertigten Brembos nutzen vorne erstmals ein neues, monolithisches Sechs-Kolben-Design (vier Kolben hinten) und sind sechs Prozent leichter als das System im normalen Huayra. Geschmiedete APP-Felgen sparen weitere neun Kilo und sind mit speziell gefertigten Pirelli-P-Zero-Corsas bezogen, die zwölf verschiedene Gummimischungen über ihren generösen 355er-Querschnitt verteilen. Beim Fahrwerk verblüffen Stützen und Querlenker aus Avional - einem in der Luftfahrt verwendeten Aluminium, das 25 Prozent leichter sein soll als herkömmliches Alu.

Außerdem kommt beim BC ein neuer und bisher namenloser Kohlefaser-Typ zum Einsatz, der laut Pagani 50 Prozent leichter und 20 Prozent steifer ist als normales Carbon. Die Kombination aus all diesen ungemein aufwendigen Maßnahmen macht den BC bemerkenswerte 132 Kilo leichter als das Standardauto.

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Wir kamen nicht umhin, ein paar Aerodynamik-Änderungen zu bemerken …

Es wäre auch ziemlich schwer gewesen, sie nicht zu bemerken. Im Streben nach Downforce hat Pagani ausgiebigst mit Dallara an der Aerodynamik gefeilt. Das Resultat sind Änderungen an jedem Karosserieteil abgesehen vom Dach. Einlässe und Dinge, die Luft leiten, existieren in kaum gekanntem Überfluss.

Das Nettoergebnis: Der BC klebt nicht nur auf der Straße, er sieht auch ziemlich … ähm … zweckmäßig aus. Irgendwie fehlt im zwar die Klarheit des Originals, aber wenn du schön willst, musst du nur die Tür aufmachen. Schon hast du freie Sicht auf ein unglaublich kompliziertes Interieur, wo sich tiefrotes Leder, anthrazitfarbenes Wildleder und mattes Carbon mit glanzschwarzen Akzenten vermischen. Es ist wahrlich atemberaubendes Zeug und die nackte Schaltkulisse bleibt eine der schönsten mechanischen Skulpturen, die es je gegeben hat.

Vermutlich fährt er sich absolut barbarisch …

Nun, hier ist die große Überraschung: Was dich beim BC sofort „erschüttert“, ist seine Geschmeidigkeit. Wo die meisten Hypercars dich gnadenlos durchschütteln und zusammenstauchen würden, bleibt der Huayra BC gelassen und isoliert dich von den schlimmeren Dingen, mit denen dich die Straße bewirft.

Zudem ist seine Bedienung erfrischend simpel. Es gibt drei übers Lenkrad einstellbare Fahrmodi – Comfort, Sport und Race – und die Gänge wechselt man per Schalthebel oder den Paddles am Lenkrad. Das ist alles. Wer sich sehr mutig fühlt, kann auch alle elektronischen Kindermädchen in die Wüste schicken, aber eine Art Rettungsschirm-Modus reaktiviert sie wieder, wenn die Temperatur unter neun Grad fällt. Seht es einfach als nettgemeinten Schutz für euer „kleines“ Investment.

Sogar bei dieser ersten, sehr kurzen Zusammenkunft, die obendrein durch Straßen limitiert wurde, die eher für Fiat 500s und Ziegen als für 800-PS-Hypercars gemacht sind, wurde schnell deutlich: Die Lenkung ist noch schärfer als im normalen Huayra. Und die Bremsen sind absolut mächtig. Und die Performance ist schlicht brutal. Mit der Art von Beschleunigung, die im Gesicht weh tut. An den Klang hingegen, komplett inklusive der wild zwitschernden Turbos, muss man sich schon ein wenig gewöhnen.

Natürlich wurden wir durch den frei atmenden V12 im Zonda ordentlich verwöhnt und dieses Auto mit diesem Motor wäre sicher eine sensationelle Verlockung. Aber hinter Paganis Wahnsinn steckt Methode.

Lass uns raten, Turbos (oder Hybrid-Unterstützung) sind ein absolutes Muss in Sachen Emissionen?

Ich fürchte, so ist es. Die gute Nachricht: AMG hat versprochen, Pagani bis 2023 mit V12-Motoren zu beliefern, die die Emissions-Grenzwerte einhalten. Die Party geht also noch eine ganze Zeit weiter. Den Preis, den Pagani dafür zahlen musste und natürlich um sich für die USA – seinen mittlerweile größten Markt – zu öffnen, war die Umstellung auf Turbos.

Dem Absatz hat das nicht im Geringsten geschadet. Alle 20 Huayra BC sind verkauft. Für 2,4 Millionen Euro. Und obwohl noch niemand das Auto gesehen hat, strömen jetzt schon die Bestellungen für einen BC Roadster ein. Um ehrlich zu sein: Wenn ihr unter der Handvoll glücklicher Menschen seid, die ihren Scheck bereits ausgestellt haben, dann können wir nur gratulieren. Der Huayra BC hat eine Tiefe, die wir erst noch erkunden müssen, aber unser erstes kurzes Kennenlernen hat uns den Mund wässrig gemacht. Wir haben sehr viel Hunger auf mehr.

Für manche Menschen sind Autos mehr als nur Entwicklungsprojekte. Sie haben eine Seele. In diesem Fall ein bisschen Seele von einem Freund und Mentor. Und solange es auf dieser Welt Menschen wie Horacio Pagani gibt, ist die Hypercar-Religion in guten Händen.

 

Autor: TopGear

 

Technische Daten

 

Chassis: Pagani Carbon-Titan-Monocoque

Motor: AMG-V12-Biturbo, 5980 ccm, 800 PS, 1100 Nm

Antrieb: Heckmotor, Heckantrieb, automatisiertes Siebengang-Getriebe mit elektronischem mechanischem Differenzial

Bremsen: Belüftete Brembo-Scheiben; Sechs Kolben und 380 Millimeter vorne; Vier Kolben und 380 Millimeter hinten

Räder: Geschmiedet; 20 Zoll vorne; 21 Zoll hinten

Reifen: Pirelli P Zero Corsa (oder Pirelli P Zero Trofeo R)

Gewicht: 1218 Kilogramm

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