Immer noch gibt es Neues von der großen Schummelei

 

Nein, die Sache mit VW und seinen vermaledeiten Dieseln ist noch immer nicht gegessen. Zwar haben die Wolfsburger nun einen Plan, wie die Autos mit manipulierter Motorsoftware umgerüstet werden können, aber es bleiben noch unendlich viele Fragen offen: Wer hat sich das Ganze ausgedacht, wer hat es abgesegnet? Wird jemand juristisch zur Verantwortung gezogen? Wie gelang es, den TÜV hinters Licht zu führen? Werden die Autos nach der Umrüstung weniger PS haben? Wer kommt für die zu wenig gezahlen Steuer-Millionen auf? Und so weiter, und so weiter.

Also, gehen wir den ganzen Riesenskandal Schritt für Schritt an. Was geschah bisher, nur so in groben Zügen? Alles begann mit einer harten Nuss: Die Ingenieure des VW-Konzerns sollten die CO2-Emissionen der Dieselfahrzeuge senken und niedrige Stickoxid-Werte erreichen, ohne ihre Kostenlimits zu überschreiten. Die Vorgesetzten hätten auch verlangen können, dass die Techniker Ostereier essen sollten, ohne dick zu werden. Offenbar traute sich kein Techniker zu sagen: Das geht nicht.

Der Ausweg der Techniker: Die Autos bekamen eine Software, die den Abgas-Messzyklus erkennen kann. So waren die Motoren im Labor sauber, auf der Straße aber nicht. Betroffen davon sind der 1.2 TDI, der 1.6 TDI und der 2.0 TDI der Baureihe EA 189. Und zwar nicht nur in den USA, wo die Autos besonders niedrige Grenzwerte einhalten sollten, sondern seltsamerweise weltweit. Auch bei uns, wo damals noch die lasche Euro-5-Norm galt. Warum? Man weiß es nicht.

Erkannt wurden die Schummeleien jedenfalls durch die US-amerikanischen Umweltbehörden EPA und CARB, nicht durch die deutschen. Wie die „Welt“ (Online-Artikel vom 25. November) berichtet, hatte der TÜV Nord nach eigener Aussage „gesetzlich keinerlei Möglichkeit, Einblicke in die Motorsteuerung und die dort verbaute Software der Fahrzeuge zu nehmen." Die Autoindustrie hat eine Prüfung abgelehnt, weil die Motorsoftware zum Betriebsgeheimnis gehöre. Vielleicht sollten die Politiker den Lobbyisten künftig standhafter gegenübertreten?

Klar ist, dass die Schummel-Diesel ab Anfang 2016 umgerüstet werden, und zwar auf Kosten von VW. Beim 2.0 TDI reicht ein Software-Update, beim 1.6 TDI wird ein Luftströmungs-Dingsbums eingebaut. Es ist nur ein bescheidenes Low-Tech-Gitter, durch das sich sich die Verbrennung im Motor besser steuern lassen soll. Warum VW das nicht gleich eingebaut hat? Wissen wir auch nicht.

Jedenfalls wird so die Euro-6-Norm eingehalten. Euch ist die Norm egal, ihr wollt euer Auto nicht umrüsten lassen? Das geht nicht, ihr werdet gezwungen, denn ein offizieller Rückruf des KBA steht dahinter. Wenn ihr euch jetzt ärgert, dann passt auf. Es könnte nämlich sein, dass ihr euch gleich noch mehr ärgert. Es ist möglich, dass durch die Umrüst-Maßnahmen die anderen Fahrzeugeigenschaften – vor allem PS, Fahrleistungen und Verbrauch – verschlechtert werden. Prost Mahlzeit!

Neben der Sache mit den Stickoxiden gibt es noch zwei weitere Fragenkomplexe. Aber wir wollen eure grauen Zellen nicht überfordern ... Morgen ist auch noch ein Tag.

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