Der neue, fantastische Mazda MX-5 wird mit seinem Leibgericht gefüttert: Kurven. 2.200, um genau zu sein

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Ich hätte es wissen müssen. Aber jetzt stehe ich wie der letzte Depp vor dem Kofferraum des neuen Mazda MX-5. Wobei es „Kosmetikköfferchen-Abstellmulde“ besser trifft. Denn mein Trolley ist zu viel für die 130 Liter. Und das, wo 1.270 Kilometer vor mir und meinem Beifahrer liegen. 23 Stunden reine Fahrzeit über einige der fantastischsten Pässe Europas und insgesamt 2.200 Kurven. Und eine davon könnte die Kurve meines Lebens sein, findet Mazda.

Aber zunächst kriegt mein Koffer die Kurve und zwar in Gestalt eines Mazda 6 Kombis. Ehrlich, noch nie hat mich der Anblick eines solchen Wagens zufriedener gestimmt. Merke: Wenn ihr vierTage mit dem MX-5 bergwandern wollt, packt zu zweit eine Reisetasche. Gut verstehen solltet ihr euch nämlich sowieso, denn ihr sitzt nicht einfach in dem kleinen Roadster, ihr tragt ihn wie ein Kleidungsstück: Körperbetont, mit Blick auf Rundungen. Nach Möglichkeit weniger eure, sondern die hinreißend geformten Kotflügel. Sie werden uns noch hilfreich sein.

Die erste Etappe führt uns von München nach Bormio. 406 Kilometer, neuneinhalb Stunden Fahrtzeit. Klar könnte das schneller gehen, aber wir sitzen ja nicht im Diesel-Kombi mit den Kindern hinten drin auf dem Weg in den Urlaub. Der Weg ist das Ziel. Bis Garmisch muss es zwar die Autobahn sein, aber schnell wird klar: Sie ist nicht der Spielplatz des MX-5, auch wenn der Zweiliter-Motor mit 160 PS für schnelle Schnitte gut ist. Endlich sind wir in Österreich, genauer gesagt, im Ötztal. Das Verdeck mit einem Handgriff nach hinten geworfen und die Musik aufgedreht: „I've been looking for freedom...“ Ja, Herrschaften, David Hasselhoff! Und ausnahmsweise mal passend. (Sorry, Mister Hoff.) Der MX-5 braucht Freiheit, Auslauf, wenig Verkehr und Kurven. Viele Kurven. Enge Kurven. Über das schneebedeckte Timmelsjoch (2.500 Meter, Mütze dringend empfohlen!) zum noch höheren Stilfser Joch. 2.800 Meter und 50 Kehren. FÜNFZIG! Davon gefühlt 49 Haarnadelkurven.

Gierig schnüffelt der MX-5 über die schmalen Straßen, um die nächste Kurve aufzusaugen. Und ich mittendrin. Kurve über die Kotflügel anpeilen, leicht abbremsen, zwei Finger an den kurzen Schaltknauf, herunterschalten, am Scheitelpunkt der Kurve herausbeschleunigen. Trotz eingeschaltetem ESP, was bei Abgrund links und Felsen rechts keine schlechte Idee ist, wischt der MX-5 etwas mit dem Heck weg. In exakt der richtigen Dosis, um viel Spaß zu bereiten, aber niemanden in den Herzinfarkt zu treiben.

Und so geht es immer auf und ab. Über Meran in Richtung Bormio. Mittlerweile ist es dunkel geworden, die serienmäßigen LED-Scheinwerfer zucken über die Landschaft. Grenzen verschwimmen im wahrsten Wortsinne: Hier Italien, dort Schweiz und wieder Italien. Das Highlight des nächsten Tages: Über Sankt Moritz zum San-Bernadino-Pass (2.500 Meter hoch. Genau, der mit den großen Hunden.) Der Weg führt erneut über ein Stück Autobahn. Und durch den San-Bernadino-Tunnel. Bis mein Mitfahrer anmerkt, wo denn der Pass sei. MIST – schießt es mir durch den Kopf. Immerhin, nachdem ich hinter dem Tunnel auf die Landstraße abbiege, erwische ich noch einige wunderbare Kehren im unteren Teil der Passstraße. Damit es euch nicht wie mir geht: Vermeidet entweder die Autobahn oder fahrt VOR dem Tunnel über den Parkplatz der Raststätte zum Pass.

Von unserem Tagesendziel Turin starten wir im Morgengrauen in Richtung Monte-Carlo. Elfeinhalb Stunden für knapp 400 Kilometer. Und hier ist sie endlich: Die Kurve (oder besser Kurven) meines Lebens. Sie befinden sich vor und hinter dem 2.108 Meter hohen Col de Vars in den französischen Alpen. Anders als die meisten Passkurven, die in ihrem scharfen Zick-Zack einem Schnittmuster für Omas Bluse ähneln, sind die Kurven hier weiter gefasst, ohne indes langweilig zu sein. Der Vorteil: Ich kann mit mehr Geschwindigkeit hindurchfahren, gleichzeitig sind die Kurven breiter und besser einzusehen. Das bedeutet puren Fahrspaß ohne die Angst, dass hinter jeder Ecke Gegenverkehr lauert.

Ein besonderes Schmankerl kommt zum Schluss unserer Tour: Der Col de Turini, auf dessen 1607 Meter hohen Gipfel all jenen PS-Helden gedacht wird, die bei der legendären „Nacht der langen Messer“ der Rallye Monte-Carlo dort hinaufrasen. Gerne auch bei Eis und Schnee, wohlgemerkt. Mit Geschwindigkeiten, die unsereiner auf der Autobahn fährt. Zum Glück ist die Straße bei uns nur nass. Wobei, was heißt hier „nur“? Mein wahnwitziger Versuch, mich als Hobby-Röhrl inklusive ausgeschaltetem ESP zu versuchen, quittiert der MX-5 mit einem wüsten Heckschwenk. Klar: Quer sieht mehr. Aber wenn quer eine ziemlich massive Mauer sieht, reicht ein Mal.

Doch diese Tatsache zeigt nur, wie dicht der Fahrer mit dem MX-5 verwoben ist. Nicht nur hinsichtlich des Gepäcks erinnert der Mazda an ein Motorrad. Du selbst bist inmitten einer Orgie aus Schalten und Gasgeben das zentrale Organ, das Hirn des MX-5. Auf dem Weg über die Corniche zum Flughafen in Nizza tönt der passende Song aus den Lautsprechern: „Verdammt, ich lieb dich!“ Manchmal mag es eine Hassliebe sein. Aber wahre Liebe bedeutet eben auch Verzicht. Und über die Musik können wir noch reden. 

 

Autor: Roland Hildebrandt

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